„Max Eberl wird ei­ne gu­te Ent­schei­dung tref­fen“

Der Ur-Bo­rus­se spricht über den Zu­stand Bo­rus­si­as, die Tren­nung von Trai­ner An­dré Schu­bert und die Maß­nah­men für die nä­he­re Zu­kunft.,

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - IN­TER­VIEW: KARS­TEN KELLERMANN

Herr Vogts, was ist los mit Bo­rus­sia? Vor ei­nem Jahr um die­se Zeit war sie Vier­ter, nun ist sie im Ab­stiegs­kampf. VOGTS Es sind vie­le Din­ge schief ge­lau­fen in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten. Da­mals, als Bo­rus­sia da oben mit­spiel­te, hat das Team von der Ar­beit Lu­ci­en Fav­res ge­lebt. War­um man die Art und Wei­se des Fuß­balls, die man vor ein­ein­halb Jah­ren ge­spielt hat, nicht mehr spielt, weiß ich nicht. Aber es gibt auch Grün­de, zu­frie­den zu sein. Wir sind in der Eu­ro­pa Le­ague da­bei und noch im Po­kal ver­tre­ten. Ich drü­cke Bo­rus­sia die Dau­men, dass wir das Glück ha­ben, ins Po­kal­fi­na­le zu kom­men. In der Bun­des­li­ga muss man sich erst mal wie­der sta­bi­li­sie­ren. An­dré Schu­bert wird Bo­rus­sia nicht mehr dort­hin füh­ren kön­nen, sei­ne Zeit als Chef­trai­ner ist zu En­de. Ist es rich­tig, den Trai­ner zu wech­seln? VOGTS Da­zu äu­ße­re ich mich nicht, es ist Sa­che des Ver­eins. Ich fin­de aber den An­satz von Max Eberl gut, jetzt al­les auf den Prüf­stand zu stel­len. Das ist in solch ei­ner Si­tua­ti­on wich­tig. Brau­chen die Spie­ler den neu­en Im­puls an der Li­nie? VOGTS Ich ha­be das Spiel ge­gen Wolfs­burg ge­se­hen, da wur­de deut­lich, dass die Spie­ler to­tal ver­un­si­chert sind. Da tut es ganz gut, dass jetzt ei­ne Pau­se ist. Da­nach muss man dann mit vol­ler Kraft die Ve­rän­de­run­gen an­ge­hen. Ist Die­ter He­cking, des­sen Na­me ge­nannt wird, der Rich­ti­ge da­für? VOGTS Die Ent­schei­dung, wer Trai­ner wird, ist Sa­che des Ver­eins. Max Eberl wird ei­ne gu­te Ent­schei­dung tref­fen, da bin ich mir si­cher. Was muss der neue Trai­ner än­dern? VOGTS Ekla­tant ist in mei­nen Au­gen vor al­lem die Aus­wärts­schwä­che. War­um das Team aus­wärts nicht so auf­tritt wie zu Hau­se, ver­ste­he ich nicht. Bo­rus­sia war im­mer ei­ne aus­wärts­star­ke Mann­schaft we­gen des Kon­ter­spiels. Man muss wie­der mit ei­nem an­de­ren Selbst­ver­trau­en aus­wärts an­tre­ten. Da­mit kön­nen die Bo­rus­sen ja gleich im ers­ten Spiel des Jah­res in Darm­stadt an­fan­gen und ge­win­nen. War­um blieb der Er­folg un­ter Schu­bert aus? VOGTS Er hat den Spie­lern vie­le Frei­hei­ten ge­ge­ben, was zu dem Zeit­punkt si­cher auch rich­tig war. Aber man muss auch wis­sen, dass die Spie­ler ei­nen Trai­ner und sei­ne Ar­beit im­mer ganz genau be­ob­ach­ten und schau­en, was es ih­nen bringt. Da ha­ben die Spie­ler ihn her­aus­ge­lockt, viel­leicht fehl­te dann die ganz kla­re Li­nie. Man kann ja Sys­te­me mal wech­seln. Aber in­ner­halb von 90 Mi­nu­ten drei Sys­te­me zu spie­len, das über­for­dert die Spie­ler dann doch, das kön­nen nur Welt­klas­se­leu­te. Für Bo­rus­sia wä­re es rat­sam, sich wie­der auf ein Sys­tem fest­zu­le­gen und zu sa­gen: Das ist un­ser Weg. Die Spie­ler müs­sen ganz genau wis­sen, was sie auf dem Ra­sen zu tun ha­ben. Es war sei­ne ers­te Sta­di­on in der Bun­des­li­ga. War das Un­er­fah­ren­heit? VOGTS Das den­ke ich nicht. Er hat au­ßer­dem ge­nug Leu­te im Vor­stand, die ihn be­ra­ten ha­ben, Rai­ner Bon­hof und Hans Mey­er. Und na­tür­lich Sport­di­rek­tor Max Eberl. Bo­rus­sia sagt, es feh­len Füh­rungs­spie­ler. Ist das ei­ne fal­sche Ka­der­pla­nung – oder stellt sich das erst her­aus, wenn es Pro­ble­me gibt? VOGTS Es ist ja im­mer die Fra­ge: Was ist ein Füh­rungs­spie­ler? Der, der nach ei­nem Spiel Kom­men­ta­re ab­gibt, oder der, der wäh­rend der 90 Mi­nu­ten auf dem Platz zeigt, wie wich­tig er ist. Wenn man im Zwei­kampf­ver­hal­ten, im Pass­spiel, in der Or­ga­ni­sa­ti­on Zei­chen setzt, dann ist man ein Füh­rungs­spie­ler. Wie kommt man an sol­che Spie­ler? Müs­sen sie in die Rol­le rein­wach­sen? VOGTS Man muss hin­ein­wach­sen. Man kann nicht ir­gend­ei­nen Füh­rungs­spie­ler kau­fen und sa­gen: Er ist Füh­rungs­spie­ler. Er muss sich selbst da­hin­ar­bei­ten. Ich glau­be nicht, dass Gün­ter Net­zer mit 18 schon ein Füh­rungs- spie­ler war. Auch er hat sich durch sei­ne über­ra­gen­den Leis­tun­gen als Füh­rungs­spie­ler qua­li­fi­ziert. Es war da­mals im­mer das Ziel: Die Spie­ler muss­ten wäh­rend der 90 Mi­nu­ten zei­gen, dass sie mehr woll­ten, als ein­fach nur mit­spie­len. Ist da­für auch der Trai­ner mit­ver­ant­wort­lich oder ist es Sa­che der Spie­ler? VOGTS Bei­des. Ei­ner­seits muss man dem Spie­ler die Frei­heit ge­ben, sich zu ent­wi­ckeln. Aber man kann nicht nur dar­auf war­ten. Man muss auch dar­auf ein­wir­ken und den Spie­lern Ver­trau­en ge­ben. Bo­rus­sia will Füh­rungs­spie­ler ho­len im Winter. VOGTS Leicht ist es nicht, so ei­nen zu fin­den. Es zeigt sich jetzt, wie sehr ein Gra­nit Xha­ka fehlt, sein Ab­gang wur­de viel­leicht et­was un­ter­schätzt. Er ist ein Rie­sen­typ und kann die At- mo­sphä­re auf dem Spiel­feld be­ein­flus­sen. Man kann sol­che Ty­pen fin­den, aber sie ha­ben ih­ren Preis. Vor der Sai­son hieß es, Bo­rus­sia ha­ben den brei­tes­ten Ka­der der letz­ten Jah­re ... VOGTS ... mit Ver­laub, das ist auch ei­ne Sa­che der Me­di­en. Da wur­de der bes­te Bo­rus­sen-Ka­der al­ler Zei­ten aus­ge­ru­fen. Dar­aus ent­ste­hen Er­war­tun­gen bei den Fans. Und dar­um kippt auch die Stim­mung schnel­ler, wenn es nicht läuft. Aber ich ha­be vor der Sai­son selbst ge­sagt, Bo­rus­sia ha­ben gut ein­ge­kauft. Da­bei blei­be ich. Es sind oft auch Nuan­cen, die ent­schei­den. Wie gut ist Bo­rus­sia wirk­lich? VOGTS Das Team hat ei­ne Klas­se, um un­ter den ers­ten Acht da­bei zu sein. Die müs­sen sie ab­ru­fen. Die Spie­ler dür­fen das aber auch nicht nur ab­wäl­zen auf den Trai­ner. Der Trai­ner gibt Vor­aus­set­zun­gen, die ich als Spie­ler um­set­zen muss. Und da­für bin ich ver­ant­wort­lich als Spie­ler.

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