Ita­li­en ret­tet die äl­tes­te Bank der Welt

Die tos­ka­ni­sche Tra­di­ti­ons­bank Mon­te dei Pa­schi steckt seit Jah­ren in der Kri­se – vie­le Klein­an­le­ger müs­sen zit­tern.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON JU­LI­US MÜL­LER-MEI­NIN­GEN

ROM Die of­fi­zi­el­le Frist lief ges­tern um 14 Uhr ab. So­lan­ge hat­ten in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren Zeit, Ak­ti­en der ita­lie­ni­schen Tra­di­ti­ons­bank Mon­te Dei Pa­schi (MPS) aus Sie­na zu kau­fen, um die not­wen­di­ge Ka­pi­tal­er­hö­hung um fünf Mil­li­ar­den Eu­ro doch noch zu ei­nem er­folg­rei­chen En­de zu brin­gen.

Doch schon im Ta­ges­ver­lauf zeich­ne­te sich ab, dass die 1472 ge­grün­de­te und da­mit äl­tes­te noch exis­tie­ren­de Bank der Welt längst zum größ­ten Pro­blem der eu­ro­päi­schen Fi­nanz­wirt­schaft ge­wor­den ist – denn das In­ter­es­se blieb ge­ring. Zu­nächst gab es noch kei­ne of­fi­zi­el­le Be­stä­ti­gung, doch schien klar: Die von der Eu­ro­päi­schen Ban­ken­auf­sicht im Som­mer ge­for­der­te Ka­pi­tal­er­hö­hung bei Mon­te Dei Pa­schi ge­lingt nicht mit­hil­fe pri­va­ter In­ves­to­ren. Der ita­lie­ni­sche Staat muss ein­grei­fen, um die dritt­größ­te Bank des Lan­des zu ret­ten.

Die­ses Sze­na­rio galt schon in den ver­gan­ge­nen Ta­gen als wahr­schein­lich. Auf An­trag der Re­gie­rung hat das Par­la­ment in Rom be­reits vor­sorg­lich ei­nen Ret­tungs­fonds in Hö­he von 20 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­neh­migt, der nun zum Tra­gen kom­men könn­te. Da­nach soll die be­reits bei 133 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­duk­tes lie­gen­de Staats­ver­schul­dung er­höht wer­den, um im Not­fall ne­ben Mon­te Dei Pa­schi auch an­de­ren an­ge­schla­ge­nen Ban­ken zur Sei­te zu sprin­gen. Ins­be­son­de­re gel­ten meh­re­re Ban­ken in der Re­gi­on Ve­ne­ti­en als ge­fähr­det, dar­un­ter die Ban­ca Po­po­la­re di Vi­cen­za, die Ve­ne­to Ban­ca so­wie die Ban­ca Ca­ri­ge. Auch sie könn­ten Staats­hil­fe be­nö­ti­gen.

Noch am gest­ri­gen Abend kam das Ka­bi­nett von Mi­nis­ter­prä­si­dent Pao­lo Gen­ti­lo­ni zu ei­ner Sit­zung zu­sam­men. Da­bei soll­ten die ent­spre­chen­den De­kre­te zur staat­li­chen Ret­tung des Tra­di­ti­ons­hau­ses ver­ab­schie­det wer­den. Er­war­tet wird, dass das ita­lie­ni­sche Wirt­schafts­und Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um sei­nen An­teil an der Bank von bis­lang vier Pro­zent er­höht, für ge­nü­gend Li­qui­di­tät sorgt und für die Schul­den der Bank ga­ran­tiert. Die Pro­ze­dur ei­ner so­ge­nann­ten vor­sorg­li­chen Re­ka­pi- ta­li­sie­rung wür­de zwei bis drei Mo­na­te in An­spruch neh­men, hieß es.

Vor al­lem zwei Pro­ble­me ste­hen bei die­sem Vor­ge­hen im Vor­der­grund. Ei­ner­seits ist frag­lich, in wel­cher Form die et­wa 40.000 Klein­an­le­ger der Bank an der Ret­tung be­tei­ligt wer­den. Die­se Spa­rer könn­ten ih­re ge­sam­ten Er­spar­nis­se ver­lie­ren, die po­li­ti­schen Fol­gen im Wahl­kampf­jahr 2017 in Ita­li­en wä­ren un­kal­ku­lier­bar. Nach den neu­en EURe­geln zur Ban­ken­ab­wick­lung müs­sen zu­nächst die Gläu­bi­ger an den Ver­lus­ten ei­ner Bank be­tei­ligt wer­den, be­vor der Staat (mit Steu­er­gel­dern) ein­grei­fen kann. Zwei­tens muss die Fra­ge ge­klärt wer­den, ob der Ein­stieg des Wirt­schafts- und Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums ei­ne ver­bo­te­ne Staats­hil­fe dar­stellt oder nicht.

Be­reits am Mitt­woch hat­te sich die La­ge der Bank aus Sie­na er­neut zu­ge­spitzt. Ei­ner Mit­tei­lung zu­fol­ge hieß es, die li­qui­den Mit­tel der Bank in Hö­he von 10,6 Mil­li­ar­den Eu­ro reich­ten nur noch für vier Mo­na­te. Zu­vor war stets von elf Mo­na­ten die Re­de. Die­se Knapp­heit der Mit­tel soll der Grund ge­we­sen sein, war­um die Eu­ro­päi­sche Ban­ken­auf­sicht vor Ta­gen ei­nen An­trag zur Ver­län­ge­rung der Frist zur Ka­pi­tal­er­hö­hung ab­ge­lehnt hat­te. Bank-Chef Mar­co Mo­rel­li hat­te ver­geb­lich ei­ne Frist­ver­län­ge­rung be­an­tragt.

Als ei­ner der Haupt­grün­de für das Schei­tern der Ka­pi­tal­er­hö­hung mit pri­va­ten Mit­teln gilt der Rück­zug des staat­li­chen In­vest­ment­fonds aus dem Golf­staat Ka­tar. Die­ser hat­te ur­sprüng­lich ei­nen Ak­ti­en­kauf in Hö­he von et­wa ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro ins Au­ge ge­fasst und hät­te als Zug­pferd für an­de­re In­ves­to­ren wir­ken kön­nen. Zu­letzt schwand je­doch das In­ter­es­se aus Ka­tar – wohl auch we­gen der po­li­ti­schen La­ge in Ita­li­en. Wie es heißt, schreck­ten der Rück­tritt von Mi­nis­ter­prä­si­dent Mat­teo Ren­zi nach dem Re­fe­ren­dum über die Ver­fas­sungs­än­de­rung die In­ves­to­ren an­ge­sichts der un­si­che­ren po­li­ti­schen Ver­hält­nis­se ab. Zwar wur­de im Re­kord­tem­po be­reits am 12. De­zem­ber ei­ne neue Re­gie­rung un­ter Pre­mier Pao­lo Gen­ti­lo­ni ver­ei­digt. De­ren po­li­ti­sche Über­le­bens­chan­cen gel­ten je­doch als äu­ßerst ge­ring.

FOTO: DPA

Bank-Haupt­sitz in Sie­na

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