So­fia ret­tet Kuh vor dem Schlach­ter

Auf ei­nem Bau­ern­hof freun­det sich So­fia mit ei­ner Kuh an. Als das Mäd­chen er­fährt, dass das Tier ge­schlach­tet wer­den soll, setzt es al­les dar­an, dies zu ver­hin­dern. Dann be­kommt So­fia ein un­ge­wöhn­li­ches Ge­schenk: Die Kuh darf le­ben.

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA - VON NA­TA­LIE URBIG

GELDERN Die Ge­schich­te von So­fia und Coc­co ist die Ge­schich­te ei­ner wun­der­ba­ren Freund­schaft – ob­wohl die Freun­din­nen un­glei­cher nicht sein könn­ten. So­fia ist neun und stammt aus Rheurdt am Nie­der­rhein. Coc­co wird bald zwei, wiegt rund 600 Ki­lo­gramm und ist ei­ne Kuh. Zu­sam­men­ge­bracht hat die bei­den der Zu­fall, vor al­lem aber So­fi­as Be­harr­lich­keit. Denn die So­fia Kuh­be­sit­ze­rin Neun­jäh­ri­ge hat al­les ge­ge­ben, Coc­co vor dem Schlach­ter zu ret­ten – und sich am En­de durch­ge­setzt.

Be­gon­nen hat die Ge­schich­te des un­glei­chen Paars im Som­mer. Da­mals mach­te So­fia auf dem „Reu­baho-Hof“in Geldern, ei­nem na­tur­päd­ago­gi­schen Bau­ern­hof, ei­nen Pony­kurs. Kin­dern wird dort die Land­wirt­schaft nä­her ge­bracht. „Sie ler­nen bei uns, wo die Nah­rungs­mit­tel her­kom­men“, er­klärt Be­trei­ber Ge­org Reum­men. So er­fah­ren Kin­der bei­spiels­wei­se, dass die dort le­ben­den Kü­he ge­mäs­tet und ge­schlach­tet wer­den, so­bald sie das ent­spre­chen­de Ge­wicht er­reicht ha­ben. „Wir wol­len ver­mit­teln, dass Fleisch nicht ab­ge­packt aus dem Su­per­markt kommt“, sagt der Land­wirt. So­fia half ne­ben den Reit­stun­den, die Tie­re auf dem Hof zu ver­sor­gen und hielt sich da­bei häu­fig an der Rin­der­box auf, er­in­nert sich Reum­men. Da­bei kam es wohl zur ers­ten Be­geg­nung zwi­schen dem Mäd­chen und dem Rind mit der ins Ohr ge­ta­cker­ten Num­mer 37690. Ei­nen Na­men hat­te Coc­co da noch nicht, was die klei­ne So­fia je­doch nicht wei­ter stör­te. „Sie war so lieb“, er­in­nert sich die Neun­jäh­ri­ge, „wie sie mich mit ih­ren rie­si­gen Glub­schau­gen an­ge­se­hen hat.“

Als So­fia hör­te, dass ih­re Lieb­lings­kuh ge­schlach­tet wer­den soll­te, war für sie klar, dass sie dies ver­hin­dern muss. Sie kämpf­te mit den Mit­teln, die ihr als Kind zur Ver­fü­gung stan­den. „Sie woll­te auf al­le Ge­burts­tags­ge­schen­ke und ihr ge­sam­tes Ta­schen­geld ver­zich­ten, wenn die Kuh wei­ter le­ben darf“, sagt ih­re Mut­ter. Die El­tern wa­ren zu­erst skep­tisch – ei­ne Kuh zu be­sit­zen be­deu­tet Ver­ant­wor­tung, und sie lässt sich nicht ein­fach im Garten hal­ten. Al­so soll­te ei­ne Un­ter­kunft für das Tier her. So­fi­as Mut­ter te­le­fo­nier­te mit Tier­schutz­ver­ei­nen, Gna­den­hö­fen und Doch oh­ne Er­geb­nis.

Trotz­dem woll­ten die El­tern ih­rer Toch­ter den Wunsch nicht ab­schla­gen – weil sie es wirk­lich ernst mein­te. Al­so kauf­ten sie Reum­men das Rind ab, der Schlacht­ter­min wur­de ab­ge­sagt. „Ich ha­be in mei­nem Zim­mer Freu­den­sprün­ge ge­macht“, er­zählt die Neun­jäh­ri­ge. Aus der Kuh mit der Num­mer im Ohr wur­de ih­re Coc­co. „Mei­ne Freun­de ha­ben erst ein­mal ge­staunt“, sagt So­fia. „Man­che ha­ben mir gar nicht ge­glaubt, Tier­hei­men. dass ich jetzt ei­ne Kuh ha­be.“Min­des­tens ein­mal in der Wo­che geht So­fia Coc­co be­su­chen. Die braun­weiß ge­fleck­te Kuh kennt den Ruf der Neun­jäh­ri­gen: Sie streckt den Kopf aus ih­rer Box, schnup­pert an So­fi­as Arm und leckt über ih­re Ja­cke, wenn sie da ist. Es scheint fast so, als wol­le sie sich bei ih­rer Ret­te­rin be­dan­ken.

Noch steht die Kuh bei den an­de­ren Mas­t­rin­dern auf dem „Reu­baho-Hof“. Die Kos­ten für die Ver­pfle­gung über­neh­men So­fi­as El­tern. Ei­ne an­de­re Un­ter­kunft muss aber drin­gend her.

Hil­fe bei der Su­che an­ge­bo­ten hat Ralf See­ger, ehe­ma­li­ger Kampf­sport­ler und Ro­cker, der sich zum Tier­schüt­zer ge­wan­delt hat. Oft wird er bei sei­nen Ein­sät­zen von der Ka­me­ra be­glei­tet. Erst kürz­lich lief auf Vox sei­ne Se­rie „Har­te Hun­de, Ralf See­ger greift ein“. 2011 hat See­ger den Tier­schutz­ver­ein „Hel­den für Tie­re“ge­grün­det. „Wir su­chen nach ei­nem ro­bus­ten Stall, mit ei­ner Wie­se, so dass die Kuh auch ein­mal raus kann“, sagt See­ger und fügt hin­zu: „Da­mit sie art­ge­recht ge­hal­ten wird, soll­ten dort auch Art­ge­nos­sen sein.“

Land­wirt Reum­men könn­te sich vor­stel­len, ei­nen se­pa­ra­ten Stall mit Wei­de­gang auf dem „Reu­baho-Hof“zu bau­en. Da­für müss­te dort je­doch mehr als ein ge­ret­te­tes Rind un­ter­kom­men. So sucht die Fa­mi­lie wei­ter: Da So­fia ih­re Freun­din be­su­chen möch­te, wä­re ei­ne Un­ter­kunft im Kreis Kle­ve gut. Zu­nächst aber wird ge­fei­ert: der zwei­te Ge­burts­tag der Kuh. Dank So­fia wird es si­cher nicht Coc­cos letz­ter sein.

„Sie war so lieb, wie sie mich mit ih­ren rie­si­gen Glub­schau­gen an­ge­se­hen hat“

FOTO: GER­HARD SEYBERT

So­fia strei­chelt ih­re Kuh Coc­co – wenn die Neun­jäh­ri­ge in den Stall kommt, streckt die Kuh den Kopf aus der Box und leckt über ih­re Ja­cke. Fast, als wol­le sie sich bei ih­rer klei­nen Ret­te­rin be­dan­ken.

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