Fall Ja­ni­na: Lan­ge Haft für Mör­der

Der Mann hat­te der Elf­jäh­ri­gen in der Sil­ves­ter­nacht in den Kopf ge­schos­sen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA -

BAM­BERG (dpa) Ja­ni­nas Mut­ter fi­xiert den Mann, der ih­re Toch­ter ge­tö­tet hat. Mit ei­ner Re­vol­ver­ku­gel, die er in die Nacht feu­ert – und die der elf­jäh­ri­gen Ja­ni­na in den Hin­ter­kopf dringt. Die Mut­ter ist nicht da­bei, als es pas­siert, in der Sil­ves­ter­nacht vor fast ei­nem Jahr. Nun aber, im Pro­zess ge­gen den Schüt­zen, wen­det sie ih­ren Kopf im­mer wie­der die­sem Mann zu. Er er­wi­dert ih­ren Blick nicht – auch nicht nach dem Ur­teil. Die ei­nen nen­nen das vor Ge­richt Ei­ses­käl­te. Der Vor­sit­zen­de Rich­ter Man­fred Schmidt sagt, der 54-Jäh­ri­ge wir­ke be­drückt. Zwölf­ein­halb Jah­re soll der ge­lern­te Mau­rer ins Ge­fäng­nis – we­gen Mor­des. Da­zu ver­ur­teilt ihn das Land­ge­richt Bam­berg. Er ha­be den El­tern ei­nen un­wie­der­bring­li­chen Ver­lust zu­ge­fügt. Le­bens­lang be­kommt er nicht, weil das Ge­richt nicht aus­schlie­ßen kann, dass der kör­per­lich kran­ke und de­pres­si­ve Mann ver­min­dert schuld­fä­hig ist.

Im Ge­richts­saal regt sich der Mann sel­ten. Rich­ter Schmidt hat Mü­he, ihm Ant­wor­ten zu ent­lo­cken. Auch in der Ver­neh­mung bei der Po­li­zei stren­gen sich die Be­am­ten an. Es geht um die Stra­ße, auf der Ja­ni­na fei­er­te. „Da hab’ ich frü­her auch ge­b­öl­lert“, sagt er. „Aber seit­dem der Sohn weg ist ...“Er bricht ab. Sein Sohn ist heu­te 15 Jah­re alt und – so be­schrei­ben es Zeu­gen im Pro­zess – sein Ein und Al­les. Doch der Jun­ge lebt bei der Mut­ter, der Ex-Le­bens­ge­fähr­tin, seit die­se sich vom Va­ter ge­trennt hat – am 23. De­zem­ber 2010. Das hin­ter­lässt Spu­ren, die auch am ver­gan­ge­nen Sil­ves­ter­abend nach­wir­ken. Er nimmt ei­ne sei­ner vier Waf­fen, ei­nen Re­vol­ver, lädt ihn und geht in den Garten. Hin­ten her­um, da­mit ihn die Men­schen auf der Stra­ße nicht se­hen kön­nen. Da steht er im Dun­keln – und feu­ert. Er sagt: in Rich­tung Wald, nach oben, nicht auf Men­schen. Der Rich­ter sagt: auf die Fei­ern­den, zu­min­dest mit ei­nem Schuss. Heim­tü­ckisch und aus Är­ger. Aber: „Wir ge­hen nicht da­von aus, dass er kei­ne Reue hat“, sagt der Vor­sit­zen­de Rich­ter.

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