Rats­mehr­heit will Web­cams für die Stadt

Be­deu­ten­de Plät­ze sol­len aus „tou­ris­ti­schen Grün­den“mit Web­cams aus­ge­stat­tet wer­den. Ne­ben­her könn­ten sie auch für mehr Si­cher­heits­ge­fühl sor­gen. In Ter­ror­zei­ten wächst der Wunsch da­nach. Die Ka­me­ras in der Alt­stadt blei­ben län­ger ein­ge­schal­tet.

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA - VON GA­BI PE­TERS UND DENISA RICH­TERS

Rat­häu­ser, Bahn­hö­fe und Bahn­hofs­vor­plät­ze, Markt­plät­ze, Mu­se­um Ab­tei­berg, Son­nen­haus­platz, Bun­ter Garten – die Stadt­ver­wal­tung soll jetzt prü­fen, ob und wo in Mön­chen­glad­bach Web­cams in­stal­liert wer­den kön­nen. Das hat die Rats­mehr­heit be­schlos­sen. Ih­ren ent­spre­chen­den An­trag be­grün­de­te die Gro­ko mit „tou­ris­ti­scher Wer­bung“für die Stadt. CDU und SPD ver­wie­sen da­bei auf das Bei­spiel Düs­sel­dorf, wo nicht nur die Stadt, son­dern auch Flug­ha­fen und Land­tag aus Ei­gen­mar­ke­ting sol­che Bil­der zur Ver­fü­gung stel­len.

Die Li­ve-Bil­der von be­stimm­ten Plät­zen könn­ten aber auch ei­nen wei­te­ren Zweck er­fül­len: ein bes­se­res Si­cher­heits­ge­fühl – auch wenn die Web­cams nichts spei­chern dür­fen und kei­ne Po­li­zis­ten zur Über­wa­chung der Bil­der ab­ge­stellt sind. Als den Esel-Skulp­tu­ren auf dem Son­nen­haus­platz zum zwei­ten Mal die Schwän­ze ab­ge­bro­chen wor­den wa­ren, er­tön­te be­reits der Ruf nach Web­cams. Die Ka­me­ras, so lau­te­te das Ar­gu­ment, könn­ten ei­ne ab­schre­cken­de Wir­kung auf Straf­tä­ter ha­ben.

In der Alt­stadt ist dies so. Die Vi­deo­über­wa­chung dort ist ein er­folg­rei­cher Baustein für mehr Si­cher­heit. Ei­ni­ge De­lik­te wie bei­spiels­wei­se Ta­schen­dieb­stäh­le sind deut­lich zu­rück­ge­gan­gen. Vie­le Straf­tä­ter konn­ten iden­ti­fi­ziert und auf­ge­grif­fen wer­den. „Die so ge­nann­te An­tän­zer-Sze­ne ist bei uns in der Alt­stadt kein The­ma mehr“, sagt Po­li­zei­spre­cher Jür­gen Lüt­zen. Vor zwei Jah­ren hat­te die Po­li­zei 41 An­tän­zer dank der Vi­de­obe­ob­ach­tung schnap­pen kön­nen.

Frü­her wur­den die Ka­me­ras nur von 18 Uhr bis 6 Uhr ein­ge­schal­tet. Zur­zeit ist der Be­ob­ach­tungs­zeit- raum grö­ßer – auch we­gen des Weih­nachts­mark­tes. Frank Boss, Vor­sit­zen­der des Po­li­zei­bei­ra­tes, könn­te sich per­sön­lich auch an an­de­ren Stel­len in der Stadt ei­ne Vi­de­obe­ob­ach­tung vor­stel­len. Aber er weiß: Die for­mel­len Vor­aus­set­zun­gen da­für sind streng, auch wenn im Land gera­de im­mer mehr Städ­te ge­nau auf die­ses In­stru­ment set­zen und nach „den Vor­fäl­len in Ber­lin das Si­cher­heits­ge­fühl noch mehr ins Wan­ken ge­riet“.

Vi­de­obe­ob­ach­tung wird nur an nach­ge­wie­se­nen Kri­mi­na­li­täts­brenn­punk­ten er­laubt, und auch das nur, wenn durch die Ka­me­ras das Pro­blem nicht ein­fach ver­la­gert wird. Boss: „Es gab die Dis­kus­si­on über ei­ne Vi­de­obe­ob­ach­tung am Platz der Re­pu­blik, als dort die Dro­gen­sze­ne sehr ak­tiv war. Dann ver­stärk­te die Po­li­zei dort ih­re Prä­senz, und die Frank Boss Vor­sit­zen­der Po­li­zei­bei­rat Sze­ne ver­la­ger­te sich in den Mar­ga­re­then­gar­ten. Jetzt hö­re ich, dass es im Be­reich von Haus Er­ho­lung und dem al­ten Haus Zo­ar Pro­ble­me gibt.“Bei der Po­li­zei in Mön­chen­glad­bach ist laut Lüt­zen kein wei­te­rer Stand­ort für Vi­deo­über­wa­chung in Pla­nung. Auch die Vor­fäl­le in Ber­lin hät­ten dar­an nichts ge­än­dert.

Web­cams als ge­schick­te Lö­sung, für mehr Si­cher­heits­ge­fühl, oh­ne den Da­ten­schutz zu ver­let­zen? Dass Li­ve-Bil­der aus Mön­chen­glad­bach im In­ter­net ei­nen tou­ris­ti­schen Mehr­wert brin­gen könn­ten, be­zwei­fel­ten Grü­ne und Lin­ke im Stadt­rat. Laut Bo­ris Wol­kow­ski (Grü­ne) müs­se zu­nächst ein ent­spre­chen­des Kon­zept er­ar­bei­tet wer­den. In Düs­sel­dorf bö­ten die Bil­der der Web­cam nur bei son­ni­gem Wetter ei­nen tou­ris­ti­schen Mehr­wert. „Oh­ne das wä­re es ein Ein­stieg in wei­te­re Über­wa­chung.“Er ge­he nicht da­von aus, dass je­der in der Stadt da­mit ein­ver­stan­den sei, „dass wir Pri­va­ten er­lau­ben, flä­chen­de­ckend Web­cams“zu in­stal­lie­ren.

„Nach den Vor­fäl­len in Ber­lin ist das Si­cher­heits­ge­fühl ins Wan­ken ge­ra­ten“

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