Fürch­tet euch nicht!

Nach dem An­schlag in Ber­lin hat der Au­tor sei­nen ur­sprüng­li­chen Text über­dacht und neu ge­schrie­ben.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON UL­RICH CLANCETT

Die­ser Denk­an­stoß hat­te ei­gent­lich das Träu­men zum The­ma. Und, dass wir das nicht ver­ges­sen, ge­schwei­ge denn uns ver­bie­ten las­sen soll­ten. Ich hat­te in mei­nen Zei­len an­ge­fan­gen zu träu­men von ei­ner stil­len Nacht un­ter dem un­fass­bar schö­nen, ori­en­ta­li­schen Ster­nen­him­mel von Alep­po. Auch wenn die ak­tu­el­le Wirk­lich­keit dort grau­sam an­ders aus­sieht. Die Nacht durch­zo­gen wird vom Don­ner der Ge­schüt­ze und vom Ein­schla­gen der Bom­ben – trotz­dem da­von träu­men.

Ir­gend­wie fand ich die­sen Denk­an­stoß für den Tag vor dem Hei­li­gen Abend an­re­gend und wohl­tu­end zu­gleich. Und ich war so­gar ein biss­chen stolz auf mich, die ar­men Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in der Re­dak­ti­on nicht bis zur letz­ten Mi­nu­te mit der Ab­ga­be mei­nes Tex­tes auf die Fol­ter zu span­nen. Al­les hat­te ir­gend­wie ge­passt und ich fuhr gu­ter Din­ge zur Über­ga­be des Re­dak­ti­ons­lei­ter-Staf­fel­sta­bes von Ralph Jün­ger­mann an Denisa Rich­ters in das Thea­ter nach Rhe­ydt.

Doch et­was mehr als ei­ne St­un­de spä­ter an die­sem Mon­tag vor Weih­nach­ten: Ter­ror auf ei­nem Ber­li­ner Weih­nachts­markt, zwölf To­te, über vier Dut­zend Ver­letz­te, vie­le da­von schwer, das Grau­en war über ei­ner die­ser in­sze­nier­ten, deut­schen Weih­nachts­idyl­len her­ein­ge­bro­chen. Und jetzt? Wei­ter­träu­men von ei­nem ori­en­ta­li­schen Ster­nen­him­mel, ei­ner fried­li­chen, stil­len Nacht in Alep­po und an­ders­wo? – Ob­wohl ich gera­de noch ve­he­ment da­für plä­diert hat­te, dass wir das Träu­men nicht ver­ler­nen und uns schon gar nicht ver­bie­ten las­sen dürf­ten – das ging nun gar nicht mehr. Die grau­sa­me Rea­li­tät, in Alep­po die täg­li­che, bit­te­re Wahr­heit, hat­te mich hier in un­se­rem Land, zu Hau­se so­zu­sa­gen, ein­ge­holt. Ir­gend­wie fiel mir dann bei der par­al­lel lau­fen­den, letz­ten Vor­be­rei­tung der Got­tes­diens­te für das be­vor­ste­hen­de Fest der Bi­bel­text in die Fin­ger, der so wohl­ver­traut klingt. Der Text, der von den En­geln auf dem Hir­ten­feld be­rich­tet: „Fürch­tet Euch nicht!“Kannst du das über­haupt an Weih­nach­ten noch vor­le­sen? Nach die­sem dunk­len Tag von Ber­lin ei­ne strah­len­de En­gels­bot­schaft?

Ich ha­be mich da­für ent­schie­den, die­sen Satz in den Mit­tel­punkt mei­ner Pre­digt­vor­be­rei­tung zu stel­len. Weil ich da­von über­zeugt bin, dass uns nur so über­haupt ein Wei­ter­le­ben mög­lich ist. Dass das Dun­kel nicht über­wiegt, son­dern die Hel­lig­keit in un­se­rem Land und Le­ben. Die Bot­schaft des an­de­ren gro­ßen, christ­li­chen Fes­tes Os­tern: der Sieg des Le­bens über den Tod. Ja: Fürch­tet euch nicht – der Ter­ror wird nicht sie­gen. Fürch­tet euch nicht – der Tod wird nicht das letz­te Wort ha­ben. Fürch­tet euch nicht – die Dun- kel­heit wird das Licht nicht be­sie­gen. War­um ich mich nicht fürch­te? Weil ich in die­sen Ta­gen vie­le Ker­zen ge­se­hen ha­be, die sich zum Ge­den­ken an die Op­fer von Ber­lin mit ih­ren klei­nen Flam­men zu ei­nem un­über­seh­ba­ren Lich­ter­meer ver­ei­nen. Ge­gen die Dun­kel­heit – für das Le­ben, auch das Wei­ter­le­ben. Weil ich sie ge­spürt ha­be, die­se Kraft, die in die­sen Ta­gen von ge­mein­sa­men Ge­be­ten aus­ging – un­ab­hän­gig von Kon­fes­si­on und Re­li­gi­on.

Und des­halb will ich wei­ter­träu­men – weil ir­gend­wann die­se Träu­me Wirk­lich­keit wer­den – fürch­tet Euch nicht – das wird ge­sche­hen! Und ich träu­me da­von, dass es die oben schon be­schrie­be­ne stil­le Nacht in Alep­po ge­ben wird, die al­lei­ne schon da­durch hei­lig wird, dass sie still ist. Und ich träu­me da­von, dass der Ter­ror sich im kom­men­den Jahr nicht fort­setzt – nicht in An­schlä­gen und auch nicht in den an­ste­hen­den Wahl­kämp­fen. Ja, ich träu­me da­von, dass die ge­schmack- und in­stinkt­lo­sen Wi­der­lich­kei­ten der Gau­lands, Pret­zells und See­ho­fers, die vor der bil­li­gen In­stru­men­ta­li­sie­rung der To­ten von Ber­lin we­ni­ge St­un­den nach dem schreck­li­chen Er­eig­nis nicht zu­rück­schreck­ten und ih­re ab­ar­ti­gen Äu­ße­run­gen in die of­fe­nen Sär­ge ab­son­der­ten, dass die­se Wi­der­lich­kei­ten bei uns kei­nen Platz mehr fin­den. Und ich träu­me da­von, dass vie­le mu­ti­ge Men­schen sich die­sen Men­schen­ver­ach­tern ent­ge­gen­stel­len und ih­nen zu­ru­fen: „Fürch­tet euch nicht!“Das Kind in der Krip­pe, das wir fei­ern wer­den, mag uns da­bei hel­fen. Wehr­los, un­po­li­tisch und hoch­po­li­tisch zu­gleich. Fürch­tet Euch nicht!

Sa. 15.30, 17.30 (Fie­big-Mer­tin), So. 10.30 (Hein), Mo. 10.30 (Fie­big-Mer­tin). Sa. 16 (De­d­ring), 18 (Sand­ner), 23 (Nöl­ler), 24 (De­d­ring), So. 10.30 (Sand­ner), Mo. 10.30 (De­d­ring). Sa. 15.30, 17 (Fi­scher), So. 9.45 (Pont­kees), Mo. 9.45 (Fi­scher). Sa. 15.30 Klein­kin­dergd. (Rid­der), 17 (Nöl­ler). Sa. 15 FG (Pont­kees), 16.30 (Den­ker), So. 11.15 (Pont­kees). kein GD. Mo. 10.15 (Nöl­ler). Sa. vor­mit­tags Brisch­ke, So. 9.30 (Brisch­ke/Hel­big). kein GD. kein GD. So. 11 (Brisch­ke). Mo. 11 (Pont­kees). So. 9.45 Kin­dergd. kein GD. kein GD.

kein GD. Sa. 14.45 Kr­ab­belgd, 16 (Raff), 18, 22.45 (Bud­den­berg), Mo. 10 (Baa­ken).

Sa. 15, 17 (Jung), So. 10.30 (Jahn). Sa. 14 (Er­ke/Gom­mel-Pack­bier), 15, 16.30, 18 (Gom­mel-Pack­bier), 23 (Hör­chens), So. 10.30 (Ter­voo­ren). Sa. 14.30 (Gohl­ke), 16 (Strunk), 16, 18, Mo. 10 (Gohl­ke). Sa. 15, 16.30, 18, 23, Mo. 9.45 (Gro­te­paß).

Sa. 14.15 Se­nio­ren-GD im Haus Ta­bi­ta, 15.30 Klein­kin­der-GD, 16.30, 18 (Weh­mei­er), So. 10.30 Zen­tra­ler AGD (Blatt/Weh­mei­er). Sa. 15.30, 18 in St. Pank­ra­ti­us, Mo. 11 (Wol­ter). Sa. 15.30 (Hambsch), 17.30 (G. Beu­scher), Mo. 10 (B. Beu­scher/Kuhl). Sa. 16.30, Mo. 9 (Por­kolab). Sa. 15, 18, So. 10.15 (Por­kolab). Sa. 14 Kr­ab­belgd (Busch), 15.30 (Hau­brich-Schmitz), 17 (Schmitz), So. 10 (Hau­brich-Schmitz), Mo. 10 (Mi­schnick).

ARCHIVFOTO: ILGNER

Ul­rich Clancett wird die En­gels­bot­schaft „Fürch­tet euch nicht!“in den Mit­tel­punkt sei­ner Pre­digt stel­len. Hier: der Schluss­stein-En­gel im Müns­ter.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.