Das Bun­des­li­ga-Al­pha­bet

Win­ter­pau­se in der ers­ten Li­ga. Die The­men des ers­ten Halb­jah­res von A wie Auba­meyang bis Z wie Ris­ses Zau­ber­to­re.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON RO­BERT PE­TERS

Auba­meyang, Pier­re-Eme­rick. Er­fin­der gran­dio­ser Fri­su­ren, auf dem Platz wie Lu­cky Lu­ke: schießt und läuft schnel­ler als sein Schat­ten. Lei­der kein In­ter­net-Ken­ner. Sei­ne Spritz­tour nach Ita­li­en vor ei­nem Cham­pi­ons-Le­ague-Spiel schaff­te es in die so­zia­len Me­di­en. Er schaff­te es da­nach nicht in den Dort­mun­der Ka­der. Seit­her ganz brav. Bay­ern, die. Wie­der mal das Maß der Din­ge, auch wenn es ein biss­chen brauch­te, ehe das klar war. Ge­nau ge­nom­men: bis zum letz­ten Spiel­tag. Da nahm sich das Im­pe­ri­um die Red-Bull-Wer­be­trup­pe (sie­he Leip­zig) vor und zeig­te beim 3:0 gleich mal, wie das ist, wenn man mit den gro­ßen Jungs spielt. Car­lo, An­ce­lot­ti. Rüh­rend be­däch­ti­ger Ge­gen­ent­wurf zu den auf­ge­reg­ten Fuß­ball-Er­fin­dern. Der Bay­ernCoach ver­fügt über die aus­drucks­volls­te lin­ke Au­gen­braue der Welt. Weil er im­mer Hun­ger hat, muss er wäh­rend des Spiels gro­ße Kau­gum­mis zer­kau­en, an­sons­ten eher sto­isch – auch wenn ganz Schlaue sei­ne Kom­pe­tenz in Fra­ge stel­len. Dop­pel-Sechs, die. Kaum hat sich die Mensch­heit dar­an ge­wöhnt, dass zwei Mann in der Mit­tel­feld­zen­tra­le Di­enst tun, setzt Leip­zig auf So­lis­ten. An­de­re schi­cken ei­ne Dop­pel-Zehn ins Ren­nen, wie­der an­de­re ei­ne Dop­pel-Acht. Wer soll sich da noch zu­recht­fin­den? Eng ma­chen, Räu­me, die. Von Mün­chen bis Darm­stadt das All­heil­mit­tel ge­gen ei­ne Nie­der­la­ge. Klappt al­ler­dings nicht im­mer (vgl. Ta­bel­le). Frei­burg. Bio­top für al­te Wer­te. Hier in­ter­es­siert der Ta­bel­len­platz nur am Ran­de. Trai­ner Streich ist der letz­te Fuß­ball-Pau­ker der Re­pu­blik, der es in die Feu­er­zan­gen­bow­le ge­schafft hät­te. Lei­der steht kei­ne Neu­ver­fil­mung an. Glücks­fall, der. So nennt neu­er­dings auch He­ri­bert Bruch­ha­gen den Ham­bur­ger Mil­li­ar­där Küh­ne. 13 Jah­re hat­te er das nicht ein­se­hen wol­len. Die ver­brach­te er als Vor­stands­chef bei Ein­tracht Frank­furt. In die­ser Zeit war HSV-Küh­ne mit sei­nen mil­den Ga­ben für Bruch­ha­gen ein Wett­be­werbs-Ver­zer­rer. Seit ein paar Ta­gen ist Bruch­ha­gen ein gro­ßer An­hän­ger. Neu­er­dings ist er näm­lich Vor­stand beim HSV. Hal­bräu­me, die. Einst be­stand der Raum aus Raum und den Gren­zen drum­her­um, sonst wä­re er ja kein Raum. Neue­re Tak­tik­bü­cher ent­hül­len, dass sich im Raum ein Halb­raum ver­birgt. Den müs­sen die ge­plag­ten Fuß­bal­ler fin­den, da­mit es vor dem geg­ne­ri­schen Tor ge­fähr­lich wird. Schuld dar­an ist un­ter an­de­rem „kom­pak­tes Ste­hen“, das auch ei­ne gro­ße Kunst sein muss, ob­wohl es sich so sta­tisch an­hört. In­nen­ver­tei­di­ger, die. Als Spiel­eröff­ner so un­ent­behr­lich wie der Ball. Ihr Job ist nicht nur wich­tig, son­dern auch ge­fähr­lich. Denn sie ha­ben viel mit den „Schnitt­stel­len“zu tun, die sie hin­ten schlie­ßen und vor­ne öff­nen sol­len. Klingt kom­pli­ziert, ist es aber auch. Ju­gend­wahn, der. Seit die Bun­des­li­ga-Den­ker fest­ge­stellt ha­ben, dass jun­ge Leu­te ers­tens al­les glau­ben, was man ih­nen sagt, und zwei­tens schnel­ler und län­ger lau­fen kön­nen als, nur zum Bei­spiel, Bas­ti­an Schwein­stei­ger, schi­cken sie be­den­ken­los 17-Jäh­ri­ge in die Schlacht. Vor al­lem in Le­ver­ku­sen ist das be­liebt. Es geht frei­lich nicht im­mer gut. Wahr­schein­lich weil die paar äl­te­ren Her­ren im Team eben nicht al­les glau­ben, was man ih­nen sagt. Köln. Die Nar­ren-Hoch­burg macht ernst. Es gibt sport­li­che Er­fol­ge und tod­lang­wei­li­ge Wert­ar­beit. Nie­mand fährt mehr be­trun­ken sein Au­to in die Stra­ßen­bahn, nie­mand ruft nach Prinz Pol­di. Fast wünscht man sich al­te Zei­ten zu­rück. Leip­zig. Hat das Ge­wand­haus, ei­nen in­ter­es­san­ten Bahn­hof und nun ei- nen Fuß­ball-Erst­li­gis­ten. Red Bull hat ihn aus Wer­be­zwe­cken ge­grün­det. Und weil er über­ra­schend gu­ten Fuß­ball spielt, klappt das mit der Wer­bung. Nur in den geg­ne­ri­schen Sta­di­en nicht. Dort be­ru­fen sie sich auf Tra­di­ti­on und ho­he Wer­te. In der Bay­ern-Vip-Lounge zum Bei­spiel, wenn sich die Auf­sichts­rä­te der Mit­ei­gen­tü­mer von Au­di und Adi­das un­ter­hal­ten. Mo­de, die. Wird end­lich auch beim ki­cken­den Per­so­nal ge­schätzt. Un­be­strit­te­ne Ta­bel­len­füh­rer: Auba­meyang, der sei­ne Sper­re auf der Dort­mun­der Tri­bü­ne im In­spec­torGad­get-Look mit grau­em Man­tel und Hüt­chen ab­saß, und der un­ver­gleich­li­che Bay­er Mats Hum­mels, der we­gen ei­ner Wet­te spät und nach­hal­tig er­blon­de­te. Das Haar- fär­be­mit­tel soll er bei Leo Mes­si ge­lie­hen ha­ben. Ein Wech­sel zum FC Bar­ce­lo­na ist trotz­dem kein The­ma. Nerds, die. Wer­den we­ni­ger. Pep Guar­dio­la floh im Som­mer. An­dré Schu­bert muss­te in Mön­chen­glad­bach sein Lap­top ein­pa­cken, Ro­ger Schmidt ret­te­te sich in Le­ver­ku­sen so gera­de in die Win­ter­pau­se. Ord­nung, die. Von Trai­nern (sie­he Nerds) be­schwo­ren und in den Me­di­en­kon­fe­ren­zen er­ör­tert. Meist so: „Wir hat­ten ei­ne gute Grund­ord­nung. Da ha­ben wir die Ord­nung ver­lo­ren. Wir ha­ben wie­der zur Grund­ord­nung ge­fun­den.“Fast so wich­tig wie „kom­pak­tes Ste­hen“. Pres­sing, das. Die Groß­vä­ter nann­ten es „frü­hes An­grei­fen“, nun kommt es als „ho­hes Pres­sing“oder „Ge­gen­pres­sing“auf den Tisch. So be­deu­tend wie „hoch ver­tei­di­gen“. Qu­er­pass, der. Ist völ­lig aus der Mo­de und al­len­falls rat­lo­sen In­nen­ver­tei­di­gern er­laubt. Dar­über hin­aus gilt im zwei­ten Halb­jahr 2016 die Dok­trin des ver­ti­ka­len Spiels. Klingt schwie­rig, geht aber leicht. Nach­fra­gen an Thia­go Al­càn­ta­ra. Raus­wurf, der. Stets be­liebt. Neu ist, dass nicht nur Trai­ner ge­feu­ert wer­den, son­dern auch Ma­na­ger und Vor­stän­de. Der HSV ist in je­der Hin­sicht vor­bild­lich, er hat Trai­ner und Vor­stand vor die Tür ge­setzt. Schwal­be, die. Im Som­mer gern ge­se­hen, im Herbst un­ge­wöhn­lich. Ti­mo Wer­ner flat­ter­te durch den Schal­ker Straf­raum und mach­te Leip­zig noch ein biss­chen be­lieb­ter. Tor­jä­ger, die. In den tra­di­tio­nel­len Zwei­kampf zwi­schen Auba­meyang und Ro­bert Le­wan­dow­ski hat sich der Köl­ner Ant­ho­ny Mo­des­te ein­ge­mischt. Ei­ne schö­ne Nachricht. Um­schalt­spiel, das. Der gute, al­te Kon­ter im neu­en Ge­wand. Nie war er so wich­tig wie heu­te – schuld dar­an: „kom­pak­tes Ste­hen“. VW. Der gro­ße Ver­lie­rer. Das Werks­team von Volks­wa­gen star­te­te als Meis­ter­jä­ger, lan­de­te als Ab­stiegs­kan­di­dat. Es hat so gar nichts Zu­ver­läs­si­ges. Das passt zum Kon­zern. Wa­gner, San­dro. Der Hof­fen­hei­mer hält sich für den bes­ten deut­schen Stür­mer, und das könn­te so­gar sein, was viel aus­sagt über die Qua­li­tät der An­grei­fer mit deut­schem Pass. Xha­ka, Gra­nit. Ein Grund für die Glad­ba­cher Mi­se­re ist, dass der Schwei­zer in En­g­land durchs Mit­tel­feld pflügt. Ei­nen wie ihn wer­den sie kaum wie­der fin­den, auch weil das „X“als ers­ter Buch­sta­be des Nach­na­mens sel­ten vor­kommt. Youngs­ter, die. Wa­ren frü­her An­fang 20 und die Aus­nah­me. Seit Be­ginn des Ju­gend­wahns (sie­he dort) sind sie 16 oder 17 und hei­ßen nicht mal mehr Youngs­ter. Zau­ber­tor, das. Jüngs­tes Bei­spiel: Dou­glas Costas Kra­cher beim 1:0 der Bay­ern in Darm­stadt. Bes­tes Bei­spiel für über­na­tür­li­che Kräf­te: Der Köl­ner Mar­cel Ris­se ko­pier­te sein Frei­stoß­tor ge­gen Hof­fen­heim im Spiel bei Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach. Den Trick ver­rät er nicht. Eh­ren­sa­che un­ter Zau­be­rern.

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