Die Re­nais­sance des Mit­tel­stür­mers?

Un­ter Lu­ci­en Fav­re und An­dré Schu­bert hat­ten ty­pi­sche Straf­raum­stür­mer kaum ei­ne Chan­ce. Die­ter He­cking in­des setzt auch auf Tor­jä­ger die­ser Art.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON KARS­TEN KELLERMANN

Dass Lu­ci­en Fav­re, der frü­he­re Bo­rus­sen-Trai­ner, der­zeit in Niz­za, voll auf Ma­rio Ba­lo­tel­li setzt, ver­wun­dert et­was. Nicht, weil der Ita­lie­ner ein En­fant ter­ri­b­le ist, son­dern we­gen sei­ner Job­be­schrei­bung. Mit­tel­stür­mer ist er, und zwar ei­ner in Rein­kul­tur, platt ge­sagt ein Bre­cher im Straf­raum. Wäh­rend er in Glad­bach war, gab es sol­che Fi­gu­ren nicht in Fav­res Spiel, er ver­trau­te eher flot­ten, quir­li­gen An­grei­fern wie Mar­co Reus. Mi­ke Han­ke, frü­her als Mit­tel­stür­mer ein­ge­loggt, wur­de zur Neun­ein­halb um­for­ma­tiert, und mit Lu­uk de Jong, dem Mit­tel­stür­mer aus der klas­sisch-nie­der­län­di­schen 4-3-3-Sys­te­ma­tik, wur­de Fav­re nicht wirk­lich warm.

Seit Fav­res Zei­ten al­so, ist es mit dem Mit­tel­stür­mer in Mön­chen­glad­bach so ei­ne Sa­che, oder eben kei­ne Sa­che. Denn auch An­dré Schu­bert, Fav­res so­eben ent­las­se­ner Nach­fol­ger, ver­trau­te eher auf Spiel­kunst, meist zu­min­dest. Er schuf ei­ne Tri­an­gel aus Zeh­nern, die da vorn wir­belnd und kom­bi­nie­rend auf Tor­jagd ging. Der sehr kör­per­li­che An­dré Hahn hat­te auch sei­ne wich­ti­gen Mo­men­te – wie in Glas­gow als Men­ta­li­täts­mons­ter, wie Schu­bert sag­te.

Künf­tig könn­te es ei­ne Re­nais­sance des ver­schol­le­nen Ty­pus ge­ben bei Bo­rus­sia. Denn Die­ter He­cking, seit ges­tern of­fi­zi­ell Chef­Trai­ner, ist ei­ner, der durch­aus auf die klas­si­sche Au­s­prä­gung des Tor­jä­gers setzt. Je­den­falls hat­te er im- mer Spie­ler­ty­pen die­ser Art zur Ver­fü­gung bei sei­nen vor­he­ri­gen Sta­tio­nen und setz­te sie auch ein.

Aa­chen: Ve­dad Ibi­se­vic ge­hör­te zu Ale­man­ni­as Auf­ge­bot, ein recht ty­pi­scher Mit­tel­stür­mer.

Han­no­ver: Vahid Has­he­mi­an, Mi­ke Han­ke und Mi­ka­el Fors­sell sind ty­pi­sche Ver­tre­ter der Spe­zi­es.

Nürn­berg: Ju­li­an Schie­ber, To­mas Pek­hart und auch Al­bert Bun­ja­ku, auf die He­cking beim „Club“setz­te, sind das, was ge­mein­hin als „9“be­zeich­net wird: Straf­raum­stür­mer.

Wolfs­burg: Bas Dost, Ni­k­las Bendt­ner und Ma­rio Go­mez wa­ren Män­ner für das Sturm­zen­trum.

Gibt es un­ter He­cking nun auch ei­ne Re­nais­sance des klas­si­schen Mit­tel­stür­mers in Glad­bach? In An­dré Hahn und Jo­sip Dr­mic hat er zwei Män­ner, die den Job ma­chen könn­ten. Dr­mic ist gera­de zu­rück­ge­kehrt ins Trai­ning nach sei­nem Knor­pel­scha­den, Ex-Trai­ner An­dré Schu­bert wähn­te ihn auf ei­nem gu­ten Weg. Im neu­en Jahr will der Schwei­zer neu an­grei­fen. „Bo­rus­sia darf noch et­was von mir er­war­ten in Zu­kunft“, sag­te er im Ge­spräch mit die­ser Zei­tung. Viel­leicht ist die Ge­le­gen­heit für ihn güns­tig wie nie in Glad­bach. Hahn und er wä­ren als zen­tra­ler Stür­mer im 4-2-3-1 vor­stell­bar, aber auch in der Va­ria­ti­on mit zwei Au­ßen­stür­mern im 4-3-3.

Auch Raf­fa­el und Th­or­gan Ha­zard sind Kan­di­da­ten für den Job in der Mit­te des Sturms, bei­de dann als eher spie­le­ri­sche Mit­tel­stür­merVer­si­on. Sie sind Neun­ein­hal­ber, Mi­sch­we­sen aus Mit­tel­feld­re­gis­seur und Tor­jä­ger. Ein sol­cher war frü­her als Pro­fi auch Die­ter He­cking: of­fen­si­ver Mit­tel­feld­spie­ler und hän­gen­de Spit­ze. 123 To­re er­ziel­te er in sei­ner Kar­rie­re, kei­nes da­von in­des für Bo­rus­sia, wo er Pro­fi wur­de. Als Trai­ner lebt er das Stür­mer-Gen, sei­ne Teams sind stets of­fen­siv aus­ge­rich­tet, mal mit Um­schalt­spiel, aber auch im Ball­be­sitz­spiel. Ob nun ech­te Mit­tel­stür­mer oder stür­men­de Mi­sch­we­sen – sie müs­sen Tor­ma­cher sein. Wie Ba­lo­tel­li in Niz­za. Dar­um klappt es auch mit Fav­re.

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