Klas­si­sche Fa­mi­lie

Rheinische Post Moenchengladbach - - LESERBRIEFE - Peter Mar­quet 51379 Le­ver­ku­sen Ur­su­la Küp­pers 40724 Hil­den

Zu „SPD will hö­he­re Ein­kom­men be­las­ten“(RP vom 6. De­zem­ber). In dem Ar­ti­kel wird vom Vor­ha­ben der SPD be­rich­tet, das Ehe­gat­ten­split­ting ab­zu­schaf­fen. Die SPD be­grün­det das da­mit, dass die bis­he­ri­ge Form der Zu­sam­men­ver­an­la­gung von Ehe­part­nern an der Le­bens­wirk­lich­keit vor­bei­geht. An­geb­lich wür­den mehr als 40 Pro­zent der Kin­der nicht mehr in klas­si­schen Fa­mi­li­en auf­wach­sen. Und was ist mit den rest­li­chen 60 Pro­zent? Mei­ne Kin­der sind je­den­falls in so ei­ner klas­si­schen Fa­mi­lie auf­ge­wach­sen. Vom Ehe­gat­ten­split­ting pro­fi­tie­ren Ehe­paa­re, die sehr un­ter­schied­lich ver­die­nen. Und das sind nicht In­ge­nieur und Leh­re­rin mit ei­nem Haus­halts­brut­to von 100.000 Eu­ro, son­dern die Ki­ta-Er­zie­he­rin oder die Arzt­hel­fe­rin, die mit ei­nem Fach­ar­bei­ter aus der In­dus­trie ver­hei­ra­tet ist. Sie ver­dient we­nig, er dank IG Me­tall und IG BCE an­stän­dig. Zu­sam­men reicht es für die Ra­ten fürs Ei­gen­heim und den Mallor­ca-Ur­laub. Das kann man falsch fin­den. Wenn man Frau­en doof fin­det, die Kin­der be­treu­en oder Pa­ti­en­ten hel­fen und sich spä­ter so­gar halb­tags um die ei­ge­nen Kin­der küm­mern wol­len. Dies ist aber im­mer noch die be­rühm­te Mit­te in Deutsch­land. der­glei­chen mehr aus­drü­cken. Kei­ner von uns lebt nur in ei­ner „hei­len Welt“, um­so mehr braucht man Bil­der um sich, die ei­nen be­ru­hi­gen, auf­mun­tern und bei de­nen man sich „zu Hau­se“fühlt. Das wird von vie­len als Kitsch be­zeich­net, und so gibt es nicht we­ni­ge, die Angst ha­ben, sich mit ih­rer Bild­aus­wahl zu bla­mie­ren oder ei­nen un­ge­bil­de­ten Ein­druck zu hin­ter­las­sen. Gut fin­de ich, dass es noch vie­le gibt, die selbst zum Pin­sel grei­fen, auch wenn sie nur ein Bild ko­pie­ren. Kul­tur soll­te nicht nur kon­su­miert wer­den, wich­ti­ger ist, sie zu pro­du­zie­ren, sei es in der Li­te­ra­tur, der Mu­sik oder der Ma­le­rei, und das darf man nicht nur we­ni­gen Pro­fis über­las­sen. Beim Ge­sang ist es schon trau­rig zu se­hen, wie we­ni­ge sich trau­en, den Mund auf­zu­ma­chen und mit­zu­sin­gen. Die­se Kul­tur­leis­tun­gen hel­fen auch un­se­rem Ge­hirn auf die Sprün­ge. So wie es beim Sport wich­tig ist, den ei­ge­nen Be­we­gungs­ap­pa­rat am Lau­fen zu hal­ten – und nicht nur den Welt­re­kord­lern bei ih­ren Wett­kämp­fen zu­zu­se­hen.

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