Ka­len­der­blatt 23. De­zem­ber 1888

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG -

Paul Gau­gu­in und Vin­cent van Gogh hat­ten sich 1887 in Pa­ris ken­nen­ge­lernt. Doch schon bald hat­te van Gogh die Stadt ver­las­sen und war nach Ar­les ge­zo­gen. Dort woll­te er sei­nen Traum von ei­nem „Haus des Sü­dens“wahr­ma­chen, ei­ner Wohn­ge­mein­schaft, in der Künst­ler ge­mein­sam le­ben und ar­bei­ten soll­ten. Im Ok­to­ber folg­te Gau­gu­in der Ein­la­dung sei­nes Kol­le­gen. Um das Zim­mer des ge­schätz­ten Gas­tes zu de­ko­rie­ren, hat­te van Gogh ex­tra ei­ni­ge Bil­der ge­malt, die spä­ter be­rühmt wer­den soll­ten: ei­ne Se­rie mit Son­nen­blu­men. Doch die bei­den un­ter­schied­li­chen Män­ner hiel­ten es nicht lan­ge mit­ein­an­der aus. Schon bald kam es zu ers­ten Kon­flik­ten, die schließ­lich, am 23. De­zem­ber 1888, es­ka­lier­ten. Was ge­nau in die­ser Nacht kurz vor Weih­nach­ten ge­schah, ist un­klar. Am fol­gen­den Mor­gen stand van Gogh je­den­falls mit ei­ner blu­ten­den Wun­de am Kopf und ei­nem Stück sei­nes Ohrs in der Hand vor sei­ner Lieb­lings­pro­sti­tu­ier­ten, die er bat, auf das ab­ge­trenn­te Kör­per­teil Acht zu ge­ben. Ver­mut­lich hat­te van Gogh sich das Ohr selbst ab­ge­schnit­ten, bis heu­te gibt es aber auch Stim­men, die sa­gen, Gau­gu­in ha­be ihn ihm Streit an­ge­grif­fen. Gau­gu­in reis­te da­nach ab, van Gogh zog ei­ni­ge Mo­na­te spä­ter in ei­ne Ner­ven­heil­an­stalt in der Nä­he von Saint Re­my. An­dert­halb Jah­re nach dem Vor­fall starb van Gogh, nach­dem er sich ver­mut­lich selbst ei­ne Schuss­ver­let­zung bei­ge­bracht hat­te.

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