14-Jäh­ri­ger schickt Ka­me­ra in Stra­to­sphä­re

Der Aa­che­ner Mar­vin Stahl­mann film­te sei­ne Hei­mat­stadt aus 39 Ki­lo­me­ter Hö­he.

Rheinische Post Moenchengladbach - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON SA­BI­NE KRICKE

AA­CHEN Mar­vin Stahl­mann hat­te ei­nen Traum: ein­mal die Welt und sei­ne Hei­mat­stadt Aa­chen aus der Stra­to­sphä­re se­hen. Mit ei­nem Wet­ter­bal­lon ließ der 14-Jäh­ri­ge ei­ne Ka­me­ra fast bis ins All auf ei­ne Hö­he von mehr als 39 Ki­lo­me­ter stei­gen – und film­te da­bei al­les. Die üb­li­che Flug­hö­he von Pas­sa­gier-Flug­zeu­gen be­trägt rund zehn Ki­lo­me­ter.

Al­les be­gann mit dem Film „Apol­lo 13“. „Das klingt viel­leicht phi­lo­so­phisch, aber man nimmt die Welt ein­fach viel zu groß und zu wich­tig wahr. Wenn man dann Fil­me sieht, in de­nen klar wird, wie klein wir ei­gent­lich sind, dann be­schäf­tigt ei­nen das“, sagt Mar­vin. So rich­tig ge­fes­selt war er von der Ma­te­rie, als er bei ei­nem Schü­ler­aus­tausch in Washington mit sei­ner Gast­fa­mi­lie ein Space-Mu­se­um be­such­te: „Das war echt un­glaub­lich.“

Nach­dem er auf Youtu­be ein Vi­deo ge­se­hen hat­te, in dem je­mand die Er­de aus der Stra­to­sphä­re film­te, war für ihn klar: „Das will ich auch ma­chen!“Sein Va­ter, Micha­el Stahl­mann, un­ter­stütz­te ihn da­bei. Oh­ne of­fi­zi­el­le Ge­neh­mi­gung ging näm­lich gar nichts. Die Be­zirks­re­gie­rung Düs­sel­dorf er­teil­te ei­ne Ab­sa­ge. Das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um gab dann das Okay – aber das dau­er­te fast ein Jahr. Mar­vin prä­pa­rier­te ei­nen mit He­li­um ge­füll­ten Wet­ter­bal­lon, wie er ei­gent­lich von Me­teo­ro­lo­gen ver- wen­det wird, um Mess­ge­rä­te zu trans­por­tie­ren, mit ei­nem Fall­schirm, ei­ner klei­nen Box aus Sty­ro­por und ei­ner GoPro-Ka­me­ra. Au­ßer­dem ganz wich­tig: Ein GPS-Tra­cker, um das Pa­ket nach dem Flug auch wie­der­zu­fin­den. Auch ein zu­sätz­li­ches Bat­te­rie-Pack durf­te nicht feh­len: „Bei Tem­pe­ra­tu­ren un­ter mi­nus 60 Grad hält die Bat­te­rie der Ka­me­ra nicht lan­ge“, sagt Mar­vin.

Die Flug­si­che­rung gab Zeit und Ort vor, an de­nen der Schü­ler den Bal­lon star­ten durf­te. Flug­zeu­ge, die in die­sem Zei­t­raum die Flug­bahn des Wet­ter­bal­lon hät­ten que­ren kön­nen, wur­den vor­ab über Mar­vins Vor­ha­ben in­for­miert. Mit ei­ner Ge­schwin­dig­keit von sechs Me­tern pro Se­kun­de stieg der Bal­lon dann in die Luft. Nach 30 Mi­nu­ten hat­te das Flug­ge­rät be­reits die Wol­ken­schicht durch­bro­chen und war auf über 39 Ki­lo­me­ter in die Stra­to­sphä­re ge­stie­gen. Dort platz­te wie ge­plant der Wet­ter­bal­lon, der sich auf über zwölf Me­ter Durch­mes­ser aus­brei­te­te. Dank ei­nes Fall­schirms sank die Son­de mit der Ka- me­ra sanft wie­der in Rich­tung Er­de. „We­gen der un­ter­schied­li­chen Hö­hen­win­de kam der Sen­der 60 Ki­lo­me­ter wei­ter weg als be­rech­net an.“Lan­ge muss­ten sie nach der Ka­me­ra su­chen. „Als wir dann das Ma­te­ri­al ge­sich­tet ha­ben, war das ein un­glaub­lich tol­ler Mo­ment“, sagt Mar­vin. „Al­les war drauf, vom Start bis zur Stra­to­sphä­re und wie­der zu­rück.“Ins­ge­samt spei­cher­te das Ge­rät 4,5 St­un­den Film­ma­te­ri­al.

Nach dem er­folg­rei­chen Pro­jekt kün­dig­ten Mit­schü­ler und auch sein Ma­the- und Phy­sik­leh­rer gro­ßes In­ter­es­se an ei­nem wei­te­ren Wet­ter­bal­lon-Start an. „Da­für wä­re es dann aber toll, wenn man Spon­so­ren hät­te“, sagt Mar­vin. Aus­rüs­tung, Ver­si­che­rung und Ma­te­ri­al gin­gen näm­lich ganz schön ins Geld.

FO­TO: ORT

Der Schü­ler schick­te ei­ne Ka­me­ra samt Wet­ter­bal­lon in den Him­mel.

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