Die Kon­se­quen­zen: Mehr Ab­schie­be­haft, we­ni­ger Dul­dung

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON DET­LEV HÜWEL UND EVA QUADBECK

BER­LIN/DÜS­SEL­DORF Die Er­mitt­ler wa­ren dem tu­ne­si­schen Ter­ro­ris­ten Anis Am­ri auf die Spur ge­kom­men, als sie im Last­wa­gen sei­ne Dul­dungs­pa­pie­re fan­den. Doch ein Ge­fähr­der, Ge­walt­tä­ter und Iden­ti­tätsBe­trü­ger soll in Deutsch­land nicht ge­dul­det wer­den. Die Bun­des­re­gie­rung will nun da­für sor­gen, dass Ge­fähr­der wie Am­ri künf­tig in Ab­schie­be­haft ge­nom­men und rasch in ih­re Hei­mat zu­rück­ge­schickt wer­den kön­nen. Doch das ist nicht die ein­zi­ge Bau­stel­le in Sa­chen Si­cher- heit, die sich aus dem Ter­ror­an­schlag in Ber­lin er­ge­ben. „An dem Fall Am­ri wird ver­mut­lich ei­ne Per­len­schnur der De­fi­zi­te der in­ne­ren Si­cher­heit in Deutsch­land und ganz Eu­ro­pa of­fen­sicht­lich“, sagt CSUGe­ne­ral­se­kre­tär Andre­as Scheu­er. „Oft­mals sind wir als CSU bei un­se­ren For­de­run­gen nach mehr Si­cher­heit be­lä­chelt wor­den, ja so­gar be­schimpft wor­den.“Jetzt müs­se doch dem Letz­ten auf­fal­len, dass drin­gen­der Hand­lungs­be­darf be­ste­he. „Wer jetzt noch bei ei­nem Mehr an Si­cher­heit blo­ckiert, han­delt ver­ant­wor­tungs­los ge­gen­über der Be­völ­ke­rung und ist sich der Trag­wei­te des Ter­ro­ris­mus nicht be­wusst.“Die CSU wird vor­aus­sicht­lich schon kurz nach Weih­nach­ten ei­nen For­de­rungs­ka­ta­log vor­le­gen.

In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) und Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) wol­len sich im Ja­nu­ar zu Be­ra­tun­gen tref­fen. De Mai­ziè­re ver­wies auf sei­nen „längst“vor­lie­gen­den Ge­setz­ent­wurf, der für Ge­fähr­der ei­ne län­ge­re Ab­schie­be­haft vor­sieht. Auch für die Dul­dung soll es dem­nach stren­ge­re Re­geln ge­ben. Die SPD woll­te bis­lang dem nicht zu­stim­men.

Der stell­ver­tre­ten­de CDU-Chef Ar­min La­schet for­dert, dass in NRW die Dau­er des so­ge­nann­ten Un­ter­bin­dungs­ge­wahr­sams aus­ge­wei­tet wird. Ge­meint ist die Ge­fan­gen­nah­me ei­ner Per­son, auch wenn sie nicht ver­däch­tigt wird, ei­ne Straf­tat be­gan­gen zu ha­ben. „Da­mit kön­nen Ge­fähr­der, von de­nen die Be­ge­hung ei­ner Straf­tat er­war­tet wird, fest­ge­setzt wer­den“, sag­te La­schet un­se­rer Re­dak­ti­on. Nord­rhein-West­fa­len ge­hö­re zu den drei Bun­des­län­dern, in de­nen der Ge­wahr­sam nur ma­xi­mal zwei Tage dau­ern darf. In Bay­ern und Ba­den-Würt­tem­berg sei dies bis zu 14 Tage mög­lich – „das muss auch in NRW die Re­ge­lung wer­den“.

Zu­dem müs­se die Lan­des­po­li­zei end­lich die Mög­lich­keit zu ver­dachts­un­ab­hän­gi­gen Kon­trol­len er­hal­ten. Wäh­rend es in 13 Bun­des­län­dern die so­ge­nann­te Schlei­er­fahn­dung ge­be, leh­ne NRW-In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) ei­ne sol­che Re­ge­lung wei­ter­hin ab.

Auch der baye­ri­sche In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann (CSU) sieht bei ei­ni­gen Län­dern Nach­bes­se­rungs­be­darf bei der in­ne­ren Si­cher­heit. Nord­rhein-West­fa­len ge­hört da­zu. „Ich ha­be auf den In­nen­mi­nis­ter­kon­fe­ren­zen seit ein­ein­halb Jah­ren wie­der­holt, aber lei­der ver­geb­lich da­zu auf­ge­ru­fen, die Sch­lei- er­fahn­dung bun­des­weit zu in­ten­si­vie­ren“, sag­te Herr­mann. „Der größ­te Wi­der­stand kam aus Nord­rhein-West­fa­len und Rhein­lan­dP­falz – mit der be­mer­kens­wer­ten Be­grün­dung, dort ge­be es kei­ne Pro­ble­me mit grenz­über­schrei­ten­der Kri­mi­na­li­tät.“Der CSU-Mann be­ton­te, Grenz­kon­trol­len könn­ten nur ei­ne Wir­kung ha­ben, wen sie an al­len deut­schen Au­ßen­gren­zen kon­se­quent durch­ge­führt wür­den. „Ich be­zweif­le, dass das an der deutsch-fran­zö­si­schen Gren­ze in die­ser In­ten­si­tät wie an der deutsch-ös­ter­rei­chi­schen Gren­ze der Fall war.“

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