„Mit dem Ban­ker-Image geht es lang­sam berg­auf“

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - MICHA­EL BRÖCKER UND GE­ORG WIN­TERS FÜHR­TEN DAS GE­SPRÄCH. MEHR UN­TER WWW.RP-ON­LINE.DE

DÜS­SEL­DORF Die Bank HSBC Deutsch­land zählt zu den TopAdres­sen für rei­che Pri­vat­kun­den. Seit 2015 führt sie Ca­ro­la Grä­fin von Schmettow. Wir spra­chen mit der Mut­ter von fünf Kin­dern über Weih­nachts­ri­tua­le und das Ge­schäft. Sie ha­ben in Mu­sik ei­nen Ein­ser-Ab­schluss und wa­ren als Kon­zert­sän­ge­rin ak­tiv. Ha­ben Sie mal be­reut, dass Sie Ban­ke­rin ge­wor­den sind? SCHMETTOW Wenn ich et­was ver­mis­se, dann das Ge­fühl, dass man Men­schen mit Mu­sik glück­lich ma­chen kann, sie be­rüh­ren kann. Bei der Ver­ga­be ei­nes Kre­dits ist das et­was an­ders (lacht). Wann sin­gen Sie denn noch? Be­stimmt an Weih­nach­ten zu Hau­se? SCHMETTOW Wir sin­gen ge­mein­sam, ei­ner von uns spielt am Kla­vier. Da­bei muss ich zu­ge­ben: Die Kin­der spie­len mitt­ler­wei­le bes­ser als ich. Was wünscht man sich im Hau­se Schmettow 2016 am meis­ten? SCHMETTOW Das ist ganz un­ter­schied­lich. Doch Zeit ge­mein­sam zu ver­brin­gen, steht bei al­len hoch im Kurs. Wenn die Bank HSBC Deutsch­land ein Mu­sik­stil wä­re, wie wür­den Sie die­se be­schrei­ben? SCHMETTOW Die Bank kann man am bes­ten mit ei­ner gro­ßen in­ter­na­tio­na­len Big Band ver­glei­chen, die vie­le Stil­rich­tun­gen be­herrscht. Und wenn der Spot an­geht, hört man phan­tas­ti­sche So­li. Sie sind jetzt seit ein­ein­halb Jah­ren die Che­fin von HSBC Deutsch­land. Was hat sich für die Bank ge­än­dert? SCHMETTOW Wir ha­ben vor­her er­folg­reich als Vor­stand im Team ge­ar­bei­tet und tun es heu­te im­mer noch. Des­halb hat sich nichts ge­än­dert. Das kann doch nicht sein – oh­ne Ve­rän­de­run­gen? SCHMETTOW Der Vor­stand hat die Füh­rungs­eta­ge auf­ge­ge­ben. Je­des Vor­stands­mit­glied sitzt jetzt bei sei­nen Be­rei­chen. Ich et­wa ha­be mein Bü­ro in räum­li­cher Nä­he zum Han­del. Das ist auch ein Zei­chen an die Mit­ar­bei­ter. Wich­tig ist, dass in der Bank kei­ne Si­los ent­ste­hen, dass größt­mög­li­che Trans­pa­renz herrscht und al­le be­grei­fen, dass sie ge­mein­sam für den Er­folg der Bank ar­bei­ten – und da­mit auch für ih­ren ei­ge­nen. Das Le­ben die­ser Kul­tur se­he ich als mei­nen per­sön­li­chen Auf­trag. Das Image des Gier-Ban­kers lebt wei­ter. Könn­ten sich Ex­zes­se wie 2008 wie­der­ho­len, et­wa die üp­pi­gen Bo­ni? SCHMETTOW Un­se­re Re­ge­lung bei HSBC ist gut. Vom Er­trag ge­hen über 80 Pro­zent an die Ak­tio­nä­re bzw. stär­ken die Ei­gen­mit­tel der Bank und der Rest fließt in Form von Bo­ni an die Mit­ar­bei­ter. Dass In­vest­ment­ban­ker teils deut­lich mehr ver­die­nen als an­de­re Mit­ar­bei­ter, liegt in der Na­tur des Ge­schäfts. Die Bank pro­pa­giert seit drei Jah­ren Wachs­tum im Mit­tel­stands­ge­schäft als gro­ßes Ziel. Wie sieht es aus? SCHMETTOW Wir ha­ben die Zahl un­se­rer Fir­men­kun­den seit Be­ginn der Wachs­tums­stra­te­gie bis heu­te ver­dop­pelt. Aber das al­lein ist nicht ent- schei­dend. Wachs­tum muss nach­hal­tig sein, und das heißt, es muss auch pro­fi­ta­bel sein. Das ist das rei­ne Kre­dit­ge­schäft in Deutsch­land schon lan­ge nicht mehr. SCHMETTOW Nein, und das wird es auch 2017 nicht sein. Der Kre­dit ist nur die Ein­tritts­kar­te in die Kun­den­be­zie­hung. Da­nach wol­len wir den Kun­den in al­len Be­rei­chen be­glei­ten und an­spruchs­vol­le Lö­sun­gen bie­ten. Ei­ne nach­hal­ti­ge Kun­den­be­zie­hung ist ex­trem wich­tig. Was heißt das im Pri­va­te Ban­king? SCHMETTOW Da hel­fen uns un­se­re Ge­schich­te und un­ser gu­ter Ruf. Bank­ge­schäft ist von Ver­trau­en ge­prägt. Das gilt viel­leicht im Ge­schäft mit ver­mö­gen­den Pri­vat­kun­den noch stär­ker. An­de­rer­seits ist Pri­va­te Ban­king nicht nur Kaf­fee, Ker­ze und Kek­se, son­dern hoch­pro­fes­sio­nel­le Be­ra­tung, die auf die Kom­pe­tenz der glo­ba­len HSBC zu­rück­grei­fen kann. Sie re­den von Ver­trau­en. Ha­ben die Ban­ker nach der Fi­nanz­kri­se et­was zu­rück­ge­won­nen beim Kun­den? SCHMETTOW Na­tür­lich ist das Bild vom Bank­ma­na­ger in der Öf­fent­lich­keit im­mer noch häu­fig ne­ga­tiv. Aber ich ha­be das Ge­fühl, mit dem Image geht es lang­sam berg­auf. Ge­ne­rell gilt oh­ne­hin: Mehr als 95 Pro­zent der Mit­ar­bei­ter der Ban­ken ma­chen ih­ren Job ver­nünf­tig – oh­ne Fehl und Ta­del. Die Uni­ver­sal­schel­te hat nie ge­stimmt. Sie ha­ben den Groß­ak­tio­när HSBC im Rü­cken. Reicht die jüngs­te Ka­pi­tal­sprit­ze oder kommt noch mehr? SCHMETTOW Das wird dann ent­schie­den, wenn sich die Fra­ge stellt. Mit 235 Mil­lio­nen Eu­ro fri­schem Ei­gen­ka­pi­tal kön­nen wir auf je­den Fall wei­ter wach­sen. Aber Sie schlie­ßen ei­ne wei­te­re Ka­pi­tal­er­hö­hung nicht aus? SCHMETTOW Na­tür­lich nicht. Aber der­zeit ist das kein The­ma. Stich­wort Br­ex­it – hat der EU-Aus­tritt Groß­bri­tan­ni­ens Fol­gen für Sie? SCHMETTOW Ei­gent­lich nicht. HSBC ist ex­trem glo­bal, die gro­ßen Zen­tren auf dem Kon­ti­nent sind in Frank­reich und Deutsch­land. Wenn von der In­sel Jobs ver­la­gert wür­den, dann pri­mär nach Frank­reich. An­ders sieht das al­ler­dings für die ex­port­ab­hän­gi­ge deut­sche Volks­wirt­schaft aus. Kommt es zum har­ten Br­ex­it und zur Ein­füh­rung von USHan­dels­z­öl­len, wird Deutsch­land un­se­ren Ana­ly­sen zu­fol­ge stär­ker als al­le an­de­ren G7-Län­der lei­den. So könn­ten sich die Aus­fuh­ren der Bun­des­re­pu­blik bis zum Jahr 2030 um bis zu 260 Mil­li­ar­den US-Dol­lar re­du­zie­ren. Das ent­spricht ei­nem Rück­gang von fünf Pro­zent ge­gen­über ei­ner Ent­wick­lung oh­ne Pro­tek­tio­nis­mus. Die fran­zö­si­schen Ex­por­te wür­den da­ge­gen nur um 2,1 Pro­zent zu­rück­ge­hen. Das zeigt: Kein an­de­res Land pro­fi­tiert so stark von der Glo­ba­li­sie­rung. Und der Fi­nanz­platz Lon­don? SCHMETTOW Lon­don wird nicht un­ter­ge­hen. Es könn­te viel­leicht sein, dass Ban­ken Tei­le ih­res Ge­schäfts ver­la­gern. Aber der Fi­nanz­platz als sol­cher hat ei­nen Ex­zel­lenz­clus­ter, auf den nie­mand ver­zich­ten kann und will. Was wird aus dem Eu­ro? SCHMETTOW Der Eu­ro kann nur po­li­tisch schei­tern. Ich glau­be aber nicht, dass das pas­siert. Ich ha­be Ver­trau­en in die Durch­set­zungs­stär­ke der Po­li­tik. Was ist mit den Zin­sen? SCHMETTOW Die blei­ben noch lan­ge nied­rig.

FO­TO: AN­NE ORTHEN

Ca­ro­la Grä­fin von Schmettow ist Che­fin von HSBC Deutsch­land, hier steht sie vor ei­nem Baum in der Zen­tra­le an der Düs­sel­dorf Kö­nigs­al­lee.

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