Ita­li­en stellt 20 Mil­li­ar­den zur Ban­ken-Ret­tung be­reit

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

ROM (anh/rtr) Ita­li­en ent­schärft sei­ne Ban­ken­kri­se mit ei­ner mil­li­ar­den­schwe­ren Ret­tungs­ak­ti­on und be­wahrt das In­sti­tut Mon­te Pa­schi mit Steu­er­geld vor dem Aus. Nach­dem das akut ge­fähr­de­te Geld­haus die zur Sa­nie­rung be­nö­tig­ten fünf Mil­li­ar­den Eu­ro bei An­le­gern nicht zu­sam­men­be­kam, zog der Staat die Reiß­lei­ne: Per De­kret rief das Ka­bi­nett von Mi­nis­ter­prä­si­dent Pao­lo Gen­ti­lo­ni ges­tern ei­nen 20 Mil­li­ar­den Eu­ro schwe­ren Fonds zur Sta­bi­li­sie­rung des Ban­ken­sek­tors ins Le­ben. Der Re­gie­rungs­chef sprach von ei­nem „wich­ti­gen Tag für die Bank und die An­le­ger“. Da­mit zieht er ei­ne Brand­mau­er hoch, die ei­ne Aus­brei­tung der Kri­se ver­hin­dern und Spa­rer schüt­zen soll. Je­doch wächst mit der Mil­li­ar­den­hil­fe der ho­he Schul­den­berg Ita­li­ens wei­ter.

Die Ra­ting­agen­tur Moo­dy’s be­grüß­te den Schritt. Die Bran­che ächzt in Ita­li­en un­ter ei­ner Last fau­ler Kre­di­te in Hö­he von 356 Mil­li­ar­den Eu­ro. Mit dem Mil­li­ar­den­pa­ket sol­len die Li­qui­di­tät ge­si­chert und die teils dün­ne Ka­pi­tal­de­cke der In­sti­tu­te auf­ge­pols­tert wer­den. Da­für kä­men auch die Pro­ble­min­sti­tu­te Ban­ca Po­po­la­re di Vi­cen­za, Ve­ne­to Ban­ca und Ban­ca Ca­ri­ge in­fra­ge.

Die Sa­nie­rung Mon­te Pa­schis ist hei­kel, da nach den neu­en EU-Re­gu­la­ri­en ei­gent­lich auch die 40.000 Klein­an­le­ger ih­ren Teil zur Ret­tung bei­tra­gen müss­ten. Eu­ro­grup­pen­chef Je­ro­en Di­js­sel­blo­em pocht da­bei auf die Ein­hal­tung der Vor­schrif­ten, die Steu­er­zah­ler bei Ret­tungs­ak­tio­nen die­ser Art nach Mög­lich­keit scho­nen sol­len. Die EU-Kom­mis­si­on kün­dig­te ei­ne Prü­fung an.

Chris­toph Schmidt, der Chef der Wirt­schafts­wei­sen, kri­ti­sier­te die Plä­ne Ita­li­ens. „Ich hal­te das für ei­nen gro­ßen Feh­ler. Nicht die Steu­er­zah­ler, son­dern die Gläu­bi­ger der Bank hät­ten zu ih­rer Ret­tung bei­tra­gen müs­sen“, sag­te der Prä­si­dent des Rhei­nisch-West­fä­li­schen In­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung un­se­rer Re­dak­ti­on. „Der ita­lie­ni­sche Staat hät­te an­schlie­ßend aus so­zi­al- po­li­ti­schem An­lie­gen her­aus ge­schä­dig­ten Bür­gern hel­fen kön­nen, auf die­se Wei­se wä­ren bei­de Aspek­te sau­ber von­ein­an­der ge­trennt wor­den.“Die neu­en Haf­tungs­re­geln der EU sei­en ver­nünf­tig. „Nun darf man beim ers­ten ernst­haf­ten An­wen­dungs­fall die neu­en Re­geln nicht gleich wie­der aus­he­beln und da­mit die Glaub­wür­dig­keit der Ban­ken­uni­on über Bord wer­fen.“

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