Nah­les’ Weih­nachts­ge­schen­ke für Ost­rent­ner

Die An­glei­chung der Ostund We­st­ren­ten gau­kelt Ge­rech­tig­keit nur vor. Tat­säch­lich pro­fi­tie­ren die Ost­rent­ner auf Kos­ten der jun­gen Ge­ne­ra­ti­on.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - Fra­gen? Schrei­ben Sie dem Au­tor un­ter: ko­lum­ne@rhei­ni­sche-post.de

Die Ost­rent­ner dür­fen sich ein Jahr vor der Bun­des­tags­wahl freu­en. Ab 2018 stei­gen ih­re Al­ters­be­zü­ge je­des Jahr au­to­ma­tisch bis 2025 an. Es ist das gro­ße Ge­rech­tig­keits­pro­jekt von So­zi­al­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD). Denn bis da­hin soll die an­geb­lich letz­te Un­ge­rech­tig­keit aus dem Ein­heits­pro­zess ge­tilgt sein – die un­ter­schied­li­che Be­rech­nung der Ren­ten in Ost und West.

Doch nicht je­de An­glei­chung führt au­to­ma­tisch zu mehr Ge­rech­tig­keit. Die um­la­ge­fi­nan­zier­te Ren­ten­ver­si­che­rung ist ein Ge­ne­ra­tio­nen­ver­trag zwi­schen Jung und Alt. Die Jun­gen zah­len für die Al­ten in der Hoff­nung, selbst ein­mal von der nach­fol­gen­den Ge­ne­ra­ti­on im Al­ter fi­nan­ziert zu wer­den. Maß­geb­lich für Ren­ten­er­hö­hun­gen ist das Wachs­tum der Lohn­sum­me. Für Um­ver­tei­lung be­steht kein Platz.

Das Sys­tem der bei­trags­be­zo­ge­nen Ren­te wur­de nach der Ein­heit durch­bro­chen. Die Ost­ren­ten ori­en­tier­ten sich zwar an dem nied­ri­ge­ren Durch­schnitts­lohn in den neu­en Län­dern, aber ih­re in­di­vi­du­el­len Bei­trä­ge wur­den künst­lich hö­her be­rech­net. Durch die­ses Sche­ma er­hiel­ten die Se­nio­ren im Schnitt hö­he­re Ren­ten als die im Wes­ten. Das war die ers­te Um­ver­tei­lung, die da­zu dien­te, die feh­len­den Chan­cen der Ost­rent­ner aus­zu­glei­chen.

Mit der An­glei­chung des Ren­ten­rechts kommt jetzt noch ei­ne zwei­te Um­ver­tei­lung auf Kos­ten der jün­ge­ren Ge­ne­ra­ti­on im Os­ten hin­zu. Denn de­ren in­di­vi­du­el­le Bei­trä­ge wer­den nun nicht mehr hö­her be­wer­tet. Sie müs­sen mehr Bei­trä­ge be­zah­len. So pro­fi­tiert wie­der ein­mal die Rent­ner­ge­ne­ra­ti­on von der Po­li­tik der gro­ßen Ko­ali­ti­on – nach Ren­te mit 63 und Müt­ter­ren­te. Es zeigt sich, dass die Po­li­tik gern zu­guns­ten der Rent­ner um­ver­teilt und den Ge­ne­ra­tio­nen­ver­trag aus­höhlt.

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