Stern­stun­den der Mensch­heit

Kul­tur­ge­schich­te kann man auch an­hand der Be­geg­nun­gen gro­ßer Per­sön­lich­kei­ten er­zäh­len. Pla­ton und Aris­to­te­les et­wa strit­ten über Fra­gen, die uns heu­te noch be­schäf­ti­gen. Und in der Ehe von Ma­ri­lyn Mon­roe und Ar­thur Mil­ler schien sich die ewig gül­ti­ge Seh

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

das sich dar­aus er­gab, weit in un­se­re Zeit hin­ein.

Die Tref­fen zwei­er Per­sön­lich­kei­ten kön­nen so et­was sein wie „Stern­stun­den der Mensch­heit“im Sin­ne Ste­fan Zweigs, Mo­men­te ge­schicht­li­cher Zu­spit­zung und sinn­li­cher Auf­klä­rung. Manch­mal be­feu­ert Ri­va­li­tät die Er­kennt­nis: „Aris­to­te­les schlägt ge­gen mich aus wie ein Foh­len ge­gen sei­ne Mut­ter“, schrieb Pla­ton. Manch­mal ist es das ge­mein­sa­me In­ter­es­se, das er­hellt. Und manch­mal auch tra­gi­sches Schei­tern. So wie im Fal­le von Ma­ri­lyn Mon­roe und Ar­thur Mil­ler.

Die be­rühm­tes­te Schau­spie­le­rin der Welt und der zu je­ner Zeit größ­te Dra­ma­ti­ker der USA („Tod ei­nes Hand­lungs­rei­sen­den“) hei­ra­te­ten 1956. Die­se Ehe galt als Ide­al an sich, Schön­heit und Charme ver­ban­den sich mit Kraft und In­tel­lekt. Aber die Sehn­sucht nach Per­fek­ti­on er­füll­te sich nur schein­bar. Mon­roe und Mil­ler fan­den nie wirk­lich zu­ein­an­der, je­der blieb in sei­nem Mi­lieu, letzt­lich im Kli­schee ver­haf­tet und dem Schein ver­pflich­tet. Hin­zu ka­men Dro­gen, Ei­tel­keit und die Ver­schie­den­heit der Le­bens­wel­ten. Per­fek­ti­on war ei­ne Il­lu­si­on. Am En­de ver­such­te Mil­ler, die Ehe mit ei­nem Dreh­buch zu ret­ten, er schrieb „Mis­fits“, Mon­roe spiel­te die Haupt­rol­le, und es wur­de ein be­klem­men­der Film über die schmerz­haf­te Su­che nach Er­fül­lung. Noch vor der Pre­mie­re im Jahr 1961 lie­ßen sich die bei­den schei­den. Ein wei­te­res Jahr spä­ter war Ma­ri­lyn Mon­roe tot.

Auf die gro­ßen Men­schen der Ver­gan­gen­heit kann man rück­bli­ckend ein we­nig so schau­en wie auf die Göt­ter­welt der An­ti­ke. Je­de Per­son hat ei­nen ei­ge­nen Cha­rak­ter, und in der Be­geg­nung zwei­er Fi­gu­ren rei­ben zwei Prin­zi­pi­en an­ein­an­der: Aus Rei­bung ent­steht Wär­me, und aus die­ser Wär­me ent­steht Er­kennt­nis. Ei­ne da­von ist, dass je­de Ge­ne­ra­ti­on ge­nau je­ne Fra­gen als neu dis­ku­tie­ren muss, über die schon die Ah­nen ge­strit­ten ha­ben. Ant­wor­ten müs­sen je neu ge­fun­den wer­den. Es geht im­mer wei­ter, es geht nur im Dia­log.

Man kommt an kein En­de.

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Pla­ton (l.) und sein Schü­ler Aris­to­te­les auf dem Fres­ko „Die Schu­le von At­hen“(1511) von Raf­fa­el.

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Ar­thur Mil­ler und Ma­ri­lyn Mon­roe 1956, dem Jahr ih­rer Hoch­zeit. Die Ehe hielt nur fünf Jah­re.

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