Wie­der­se­hen in Cas­ablan­ca

Ma­ri­on Co­til­lard und Brad Pitt wir­ken in dem herr­lich alt­mo­di­schen Dra­ma „Al­lied“wie Wie­der­gän­ger von Berg­man und Bo­gart.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINO - VON MAR­TIN SCHI­CKERT

Ro­bert Ze­me­ckis ist ein al­ter Hol­ly­wood-Ha­se, lang­jäh­ri­ger Weg­ge­fähr­te von Ste­ven Spiel­berg, und er hat wie die­ser oft an­spruchs­vol­le Ge­schich­ten er­folg­reich ins lu­kra­ti­ve Pop­corn-For­mat ge­bracht. In den 80er Jah­ren er­reich­te sei­ne Sci­ence-Fic­tion-Tri­lo­gie „Zu­rück in die Zu­kunft“Kult­sta­tus und mit dem Os­car-prä­mier­ten „For­rest Gump“(1994) schrieb er sich in die An­na­len der Film­ge­schich­te ein. Ze­me­ckis’ Wer­ke wa­ren auch im­mer tech­nisch auf der Hö­he der Zeit. Die Mög­lich­kei­ten der di­gi­ta­len Bild­pro­duk­ti­on

Das ist nost­al­gi­sches Ki­no, ei­ne Hom­mage an das Hol­ly­wood der 40er Jah­re

lo­te­te er in Fil­men wie „Po­lar­ex­press“und „Beo­wulf“en­thu­si­as­tisch, aber im künst­le­ri­schen Ge­samt­er­geb­nis we­nig über­zeu­gend aus. Erst mit „The Walk“(2015) brach­te er Pi­xel­hand­werk und emo­tio­na­le Tie­fe in Ein­klang.

In sei­nem neu­en Film „Al­lied“nutzt er nun mo­der­ne CGI-Tech­no­lo­gie, um ei­nen ganz und gar alt­mo­di­schen Film auf die Lein­wand zu zau­bern. Hol­ly­wood-Klas­si­ker wie „Cas­ablan­ca“(1942) oder Hitch­cocks „Be­rüch­tigt“(1946) die­nen hier als Mess­lat­te und wie in den Fil­men die­ser Jah­re ver­langt auch „Al­lied“ein ge­rüt­telt Maß an Star­power, um den not­wen­di­gen Glanz ins dra­ma­ti­sche Ge­sche­hen zu brin­gen. Mit Brad Pitt und Ma­ri­on Co­til­lard hat Ze­me­ckis ein Ide­al­paar zu­sam­men­ge­stellt, das Vor­bil­dern wie Ca­ry Grant, Hum­phrey Bo­gart und In­grid Berg­mann durch­aus na­he kommt. Pitt spielt den ka­na­di­schen Spi­on und At­ten­tä­ter Max Va­tan, der im Auf­trag der bri­ti­schen Spe­cial Ope­ra­ti­ons Exe­cu­ti­ve (SOE) 1942 mit dem Fall­schirm in der ma­rok­ka­ni­schen Wüs­te lan­det.

In Cas­ablan­ca soll er mit der Re­sis­tan­ce-Agen­tin Ma­ri­an­ne Be­au­séjour (Co­til­lard) den deut­schen Bot­schaf­ter (Au­gust Diehl) li­qui­die­ren. Ma­ri­an­ne hat sich in die Vi­chyNa­zi-High-So­cie­ty der Stadt gut ein­ge­ar­bei­tet und be­grüßt auf ei­ner Par­ty den un­be­kann­ten „Ehe­mann“aus Pa­ris mit über­zeu­gen­der Ver­traut­heit. An pro­fes­sio­nel­ler Kalt­blü­tig­keit ste­hen die bei­den sich in nichts nach. Als Max ei­nen Na­ziOf­fi­zier er­kennt, der ihn ver­hört hat, liegt der Mann er­dros­selt mit ei­nem Stück Brot im Ra­chen am Bo­den der Te­le­fon­zel­le, noch be­vor die Ver­bin­dung nach Ber­lin her­ge­stellt wer­den kann. Ma­ri­an­ne be­denkt al­le De­tails, die für die Tar­nung als glück­lich ver­hei­ra­te­tes Paar un­ter stän­di­ger Be­ob­ach­tung not­wen­dig sind. „Ich hal­te die Ge­füh­le echt. Des­halb funk­tio­niert es so gut“sagt sie. Schon bald füh­len sich die ge­spiel­ten Emo­tio­nen sehr re­al an. Als ein di­gi­ta­ler Sand­sturm her­auf­zieht, las­sen die bei­den im Au­to ih­ren Ge­füh­len frei­en Lauf, wäh­rend die Ka­me­ra wie vom Wind ge­trie­ben um den Wa­gen her­um­kreist. Hier kris­tal­li­siert sich Ze­me­ckis’ Me­tho­dik deut­lich her­aus, der die Mög­lich­kei­ten di­gi­tal kon­trol­lier­ter Bild­ge­stal­tung voll aus­schöpft, um den emo­tio­na­len Out­put dra­ma­tisch zu stei- gern. Da­bei geht es ganz im Sin­ne der klas­si­schen Hol­ly­wood-Vor­bil­der nicht um Rea­lis­mus, son­dern um die Ma­xi­mie­rung der künst­le­ri­schen Gestal­tung.

Nach er­folg­rei­cher Durch­füh­rung des mör­de­ri­schen Auf­trags macht Max Ma­ri­an­ne noch im Flucht­wa­gen ei­nen Hei­rats­an­trag. In Lon­don ar­bei­tet er wei­ter als Of­fi­zier für sei­nen frü­he­ren Ar­beit­ge­ber, wäh­rend sie den Agen­ten­job an den Na­gel hängt und ihr Glück als Haus­frau und Mut­ter der ge­mein­sa­men Toch- ter zu fin­den scheint. Aber dann wird Max ei­nes Ta­ges in den tie­fen, tie­fen Ge­heim­dienst­kel­ler ge­ru­fen: Sei­ne Frau steht in Ver­dacht, für die Deut­schen zu ar­bei­ten. Max soll her­aus­fin­den, ob das stimmt – und sie ge­ge­be­nen­falls, so wie es die Vor­schrif­ten in sol­chen Fäl­len for­dern, ei­gen­hän­dig li­qui­die­ren. Das Dreh­buch von Ste­ven Knight, der sich mit Fil­men wie „No Turning Back“oder „Eas­tern Pro­mi­ses“ei­nen ganz ei­ge­nen Su­s­pen­se-Stil er­ar­bei­tet hat, über­zeugt hier durch ei­nen wen­dungs­rei­chen, aber kei­nes­wegs über­kon­stru­ier­ten Plot. Ehe­li­ches Glück und pro­fes­sio­nel­les Miss­trau­en wer­den in der Agen­ten­lie­be glei­cher­ma­ßen glaub­wür­dig in Sze­ne ge­setzt und bis zum Schluss als Op­ti­on of­fen ge­hal­ten.

Mit sei­ner nost­al­gi­schen Ins­ze­nie­rungs­wei­se ver­neigt sich Ze­me­ckis vor den Hol­ly­wood-Dra­men der 40er Jah­re und nutzt die Mög­lich­kei­ten di­gi­ta­ler Bild­pro­duk­ti­on im­mer wie­der für ex­pres­si­ve, vi­su­el­le Ef­fek­te. Klas­si­sche und mo­der­ne Ele­men­te grei­fen hier bruch­los in­ein­an­der und ver­bin­den sich – na­tür­lich auch dank der At­trak­ti­vi­tät sei­ner Haupt­dar­stel­ler – zu ei­nem sehr an­sehn­li­chen und span­nen­den Stück Ki­no. „Al­lied – Ver­trau­te Frem­de“, USA 2016 – Re­gie: Ro­bert Ze­me­ckis mit Brad Pitt, Ma­ri­on Co­til­lard, Au­gust Diehl, 125 Min. Be­wer­tung:

FO­TO: DPA

Im Flucht­wa­gen wird er ihr ei­nen Hei­rats­an­trag ma­chen: Brad Pitt und Ma­ri­on Co­til­lard.

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