Mei­ne al­ler­letz­ten Rat­schlä­ge

Ab­schied ist nicht nur schwer, wenn Kat­ja Eb­stein un­ge­fragt da­zwi­schen singt. Herz­lich will­kom­men in mei­ner al­ler­letz­ten Ko­lum­ne – heu­te ex­klu­siv mit je­der Men­ge un­ge­be­te­ner Rat­schlä­ge, da­mit in die­ser Stadt end­lich al­les gut wird.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES -

Zwi­schen der drit­ten Por­ti­on Gans und dem vier­ten Stück Frank­fur­ter Kranz stößt man in die­sen Ta­gen un­wei­ger­lich auf – al­so auf die we­sent­li­chen Fra­gen des Le­bens. Zum Bei­spiel die­se: Wenn ich mit Nach­na­men von Ad­lers­fel­dBal­le­strem hei­ße – al­so in echt, und nicht von Lo­ri­ot aus­ge­dacht – war­um in al­les in der Welt nen­ne ich mein fünf­tes Kind dann auch noch Euf­e­mia?

Und soll ich Ih­nen was sa­gen: Ich ha­be nicht die ge­rings­te Ah­nung! Auch da­von nicht. Es hat der klei­nen Euf­e­mia je­den­falls nicht ge­scha­det. Sie hat näm­lich spä­ter, als sie längst Schrift­stel­le­rin war, ei­nen klu­gen Satz nie­der­ge­schrie­ben: „Ein Ab­schied ver­lei­tet im­mer da­zu, et­was zu sa­gen, was man sonst nicht aus­ge­spro­chen hät­te.“

Nun fei­ern wir hier heu­te ge­mein­sam mei­nen Ab­schied aus die­ser Ko­lum­ne. Dan­ke, dass Sie ge­kom- RALF JÜN­GER­MANN men sind! Und ich bin nur ei­nen klit­ze­klei­nen Cham­pa­gner-Trüf­fel da­von ent­fernt, mich schwer ver­lei­ten zu las­sen, mei­nen Er­in­ne­run­gen frei­en Lauf zu las­sen. Ich könn­te Ih­nen schil­dern, wel­che CDU­ler vor 11 Jah­ren, als die Par­tei in Über­heb­lich­keit und Ide­en­ar­mut er­starrt war, Re­bell­chen wa­ren – und sich dann doch nicht trau­ten, die Ver­hält­nis­se auf den Kopf zu stel­len. Sie ha­ben den Job den Wäh­lern über­las­sen.

Ich könn­te Ih­nen er­zäh­len, wie un­ver­fro­ren Li­be­ra­le sein kön­nen, wenn es ih­ren ganz per­sön­li­chen Zwe­cken dient. Ich könn­te aus­rol­len, dass die Ehe bei der SPD er­staun­li­cher­wei­se viel mehr Ge­wicht hat als bei der CDU – we­nigs­tens, wenn es ums In­tri­gie­ren geht. Ich könn­te noch mal den Live-Ti­cker re­ka­pi­tu­lie­ren, den ich in je­ner Nacht, in der sich die Am­pel auf­lös­te, von drei freund­li­chen Teil­neh­mern aus der Run­de fort­lau­fend be­kam. Ich könn­te aus lus­ti­gen an­walt­li­chen Schrei­ben im Auf­trag der Grü­nen zi­tie­ren, die sie mir ei­ne zeit­lang schi­cken lie­ßen, wenn ih­nen in die­ser Ko­lum­ne et­was miss­fiel. Ich könn­te all das auch sein las­sen. Und ge­nau das ma­che ich auch.

Denn Ab­schied im Gu­ten geht an­ders, fin­den Euf­e­mia und ich. Ger­ne ha­be ich mich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren selbst er­mäch­tigt, an die­ser Stel­le un­ge­fragt Rat­schlä­ge zu die­sem und je­nem zu ge­ben. Und da ich das künf­tig nicht mehr tun wer­de, kom­men hier noch mal fi­na­le zehn Rat­schlä­ge, die uns al­len das Le­ben leich­ter ma­chen sol­len. CDU und SPD: Mehr De­mut! FDP, Grü­ne und Lin­ke: Mehr gu­te Ide­en! Ober­bür­ger­meis­ter Rei­ners: Mehr füh­ren! Bo­rus­sia: Mehr Punk­te! Und für al­le, die sich bis­her aus nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den nicht an­ge­spro­chen füh­len, noch die­se Emp­feh­lun­gen: Es­sen und trin­ken Sie an den Fei­er­ta­gen reich­lich! Das wird oft ver­ges­sen vor lau­ter am Rad dre­hen! Sei­en Sie im­mer freund­lich! Sonst ha­ben al­le an­de­ren das Recht, sich ge­nau so da­ne­ben zu be­neh­men wie Sie! La­chen Sie mehr! Ge­ra­de, wenn viel zum Wei­nen ist. Put­zen Sie sich re­gel­mä­ßig die Zäh­ne, so lan­ge Sie noch wel­che ha­ben! Lie­ben Sie mehr! Vor al­lem die Men­schen, Tie­re und Or­te, die es ver­dient und/oder nö­tig ha­ben. Blei­ben Sie ge­sund und mun­ter!

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