Weih­nach­ten ar­bei­ten statt zu Hau­se zu fei­ern

Un­se­re Au­to­rin Ju­lia Zu­ew frag­te vier Glad­ba­cher, wie sie zum Fest Be­ruf und Fa­mi­lie un­ter ei­nen Hut be­kom­men.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES -

Ar­bei­ten, wo Fa­mi­li­en und Freun­de an ei­nem Tisch fei­ern: Für Re­stau­rant­lei­ter Pas­cal Ro­gal­la ge­hört das Fest zum Be­ruf da­zu. „2009 ha­be ich mei­ne Aus­bil­dung zum Ho­tel­fach­mann be­gon­nen“, sagt er. Drei Mo­na­te nach Be­ginn sei­ner Aus­bil­dung ging sei­ne da­ma­li­ge Be­zie­hung in die Brü­che – nach knapp drei Jah­ren. „Ich wuss­te, dass der Job mein Le­ben prä­gen wird“, sagt Ro­gal­la, „aber ich hät­te nicht ge­dacht, dass es ein so gro­ßes Aus­maß hat.“

Hei­lig­abend sei für ihn ei­ner der wich­tigs­ten Tage im Jahr. „Un­ser Re­stau­rant bleibt Hei­lig­abend im-

Auf der Feu­er- und Ret­tungs­wa­che ist von Fest­tags­stim­mung we­nig zu spü­ren – zu­min­dest, wenn es um die Men­ge der Ar­beit geht. „Das ge­hört zum Be­ruf da­zu“, sagt Rei­ner Qu­ack. „Mei­ne Frau muss­te das von An­fang an so hin­neh­men“, sagt der Haupt­brand­meis­ter und lacht. Von Be­ginn an ha­be sich ein­ge­spielt, dass er in der Re­gel je­den zwei­ten Tag 24 St­un­den bei der Ar­beit ist.

Ver­hei­ra­tet ist Qu­ack seit 23 Jah­ren, und seit 26 Jah­ren ist er bei der Feu­er­wehr, da­von zwölf haupt­säch­lich auf der Leit­stel­le. „Wir be­mü­hen uns im­mer, die Di­ens­te so zu pla­nen, dass je­der von uns zu­min­dest ei­nen der drei Tage zu Hau­se ver­brin­gen kann.“Die­ses Jahr fei­ert Qu­ack Hei­lig­abend mit sei­ner Fa­mi­lie – um Punkt sie­ben Uhr mor­gens tritt er am ers­ten Weihnachtstag mer ge­schlos­sen – aus Prin­zip.“Wäh­rend an den bei­den Weih­nachts­ta­gen fest­li­che Spei­sen und Hoch­be­trieb in Kü­che und Ser­vice auf der Ta­ges­ord­nung ste­hen, ge­hört Hei­lig­abend den Mit­ar­bei­tern und de­ren Fa­mi­li­en. „Mei­ne Schwes­ter hat­te frü­her ein Bis­tro in Rhe­ydt“, sagt der 30-Jäh­ri­ge. In der Fa­mi­lie ha­be man sich da­her früh dar­an ge­wöhnt, dass Gas­tro­no­men ar­bei­ten, wenn an­de­re frei ha­ben.

Sei­ne Part­ne­rin ar­bei­tet eben­falls in der Bran­che. „Sie kann die Ar­beit gut vom Pri­vat­le­ben tren­nen. Das fällt mir nicht so leicht“, sagt er. Be­son­ders, wenn viel im Re­stau­rant aber in der Wa­che an. „An Hei­lig­abend ge­hen wir zum Got­tes­dienst. Zur Kir­che ha­ben wir ei­ne en­ge Ver­bin­dung“, sagt der Fa­mi­li­en­va­ter.

Be­son­ders in der Weih­nachts­zeit ge­be es oft nicht nur An­ru­fe für Ein­sät­ze: „Man­che Men­schen ru­fen an, weil sie sich ein­sam füh­len – be­son­ders in die­ser Zeit der Fa­mi­li­en­fes­te.“Wenn er an Weih­nach­ten zu ei­nem Ein­satz raus­fährt, er­tappt er sich manch­mal schon bei dem Ge­dan­ken, ob im ei­ge­nen Zu­hau­se al­les in Ord­nung ist.

Den 24-St­un­den-Di­enst, der für Feu­er­wehr und Ret­tungs­kräf­te üb­lich ist, sieht er als Vor­teil. Zwar be­deu­te dies, auch zu be­son­de­ren An­läs­sen zu ar­bei­ten. Aber: „Ich ha­be durch die frei­en Tage im­mer viel Zeit mit mei­nen Kin­dern ver­bracht.“Die Bin­dung zu ih­nen sei bis heu­te eng. Pas­cal Ro­gal­la (30), Re­stau­rant­lei­ter im Pa­lace St. Ge­or­ge los ist, hal­ten al­le zu­sam­men. „Un­ser Team ist ziem­lich fa­mi­li­är. Wir sind für­ein­an­der da.“Wenn es mal brennt, bringt auch Ro­gal­las Chef die Tel­ler aus der Kü­che zu den Gäs­ten. „In die­sem Job darf man sich nicht zu scha­de für ir­gend­was sein.“

Die Ar­beit an den Fei­er­ta­gen ha­be ei­nen ganz be­son­de­ren Reiz: „Mein Be­ruf bie­tet mir die Mög­lich­keit, mich mit mei­ner Lei­den­schaft zu be­fas­sen – gu­tem Es­sen und gu­tem Wein.“Bei­des ste­he aus sei­ner Sicht für Freu­de und ein glück­li­ches Le­bens­ge­fühl. Und bei­des ge­hö­re zu ei­nem fro­hen Fest da­zu, bei der Ar­beit und zu Hau­se. Rei­ner Qu­ack (49), Haupt­brand­meis­ter Haupt­wa­che

Nur in ei­nem von ih­ren 20 Be­rufs­jah­ren hat Gül­ten Yal­diz den Di­enst an Weih­nach­ten nicht über­nom­men. „Ich ha­be das von An­fang an ge­macht“, sagt die Al­ten­pfle­ge­rin. Au­ßer­dem ar­bei­tet sie mitt­ler­wei­le nur im Nacht­dienst. „Es macht mir nichts aus, in den Weih­nachts­näch­ten zu ar­bei­ten. Mir ist Sil­ves­ter wich­ti­ger“, sagt die Mus­li­ma. Im Freun­des- und Fa­mi­li­en­kreis fei­ert sie das neue Jahr mit ei­nem fest­li­chen Es­sen und Ge­schen­ken. Ganz ähn­lich wie das christ­li­che Weih­nachts­fest.

Doch auf man­che Ge­burts­ta­ge oder an­de­re Fei­er­lich­kei­ten muss sie auch au­ßer­halb der Weih­nachts­zeit ver­zich­ten. „Vie­le Men­schen kön­nen sich kaum vor­stel­len, was man in die­sem Job psy­chisch und phy­sisch leis­tet.“Ver­ständ­nis hät­ten für die Ab­sa­gen nicht al­le Freun- de. Im Di­enst an Hei­lig­abend sieht die 40-Jäh­ri­ge auch, wie vie­le der Be­woh­ner des Pfle­ge­heims die Fest­zeit al­lei­ne ver­brin­gen. Al­ten­pfle­ge be­schrän­ke sich nicht nur auf sau­ber­ma­chen, Me­di­ka­men­te ver­ab­rei­chen und Bet­ten be­zie­hen. „Man muss die Leu­te ken­nen. Mit ih­nen spre­chen. Zur Fest­zeit kom­men bei vie­len Er­in­ne­run­gen hoch, man­che er­zäh­len dann, wie sie Weih­nach­ten frü­her ge­fei­ert ha­ben.“In der Fest­zeit bräuch­ten die Se­nio­ren oft je­man­den, der für sie da ist.

„Mei­ne Fa­mi­lie steht an ers­ter Stel­le“, sagt Yal­diz. „Das war schon im­mer so.“An Sil­ves­ter über­neh­men ih­re Kol­le­gen die Näch­te, die sie zu Hau­se ver­bringt. „Ich freue mich, wenn die Kol­le­gen Weih­nach­ten zu Hau­se fei­ern kön­nen – und ich an den an­de­ren Ta­gen bei mei­ner Fa­mi­lie bin.“ Gül­ten Yal­diz (40), Al­ten­pfle­ge­rin städ­ti­sches Al­ten­heim Lür­rip

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