Hastenraths Will packt aus

Im TIG punk­te­te der Ka­ba­ret­tist Chris­ti­an Mach­ar­ski mit schrä­gen Be­trach­tun­gen über weih­nacht­li­che Bräu­che und Ge­schen­ke. Für den Heim­weg gab es für al­le Be­su­cher Plätz­chen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON AN­GE­LA WILMS-ADRIANS

Hei­me­lig hat­te sich Hastenraths Will ein­ge­rich­tet mit lau­schi­gem Ka­min­feu­er, ge­schmück­tem Tan­nen­baum und ei­ner Lam­pe im nost­al­gi­schen Charme aus Omas Ju­gend­ta­gen. Ja, ge­nau­so könn­te es um Weih­nach­ten bei der Kunst­fi­gur des cha­ris­ma­ti­schen Land­wirts und Orts­vor­ste­hers aus­se­hen, moch­ten sich die Be­su­cher im voll be­setz­ten TIG sa­gen. Der Ka­ba­ret­tist Chris­ti­an Mach­ar­ski war ge­kom­men, um im ak­tu­el­len Pro­gramm aus­zu­pa­cken – kei­ne üp­pig ver­pack­ten Ga­ben, son­dern Mei­nun­gen und Weis­hei­ten zum Fest und zum Le­ben im All­ge­mei­nen. Das tat er na­tür­lich im sehr per­sön­li­chen Um­gang mit Gram­ma­tik und Fremd­wör­tern. Da­bei zeig­te sich der Mann un­ter dem ob­li­ga­to­ri­schen Käp­pi so­gar spen­da­bel. Für den an­ge­mes­se­nen Weih­nachts­sound hat­te er den Pia­nis­ten Wil­fried an­ge­heu­ert. Der ha­be so­gar Mu­sik stu­diert, ver­mut­lich, weil er nichts Rich­ti­ges ha­be ar­bei­ten wol­len, so Hastenraths Will im ganz spe­zi­el­len Charme. Für den Part mit Pia­nist Wil­fried kün­dig­te er preis­be­wusst ei­ne mu­si­ka­li­sche Pau­schal­rei­se durch GEMA-freie Weih­nachts­lie­der an. So war denn al­les per­fekt für das ge­ge­be­ne Ver­spre­chen, „den Geist der Weih­nacht über Sie al­le aus­zu­kip­pen“. Vie­le hat­ten mit­ge­summt, als der Pia­nist die Tas­ten ge­gen ei­ne Flö­te ge­tauscht und dar­auf stim­mungs­voll „Glo­ria in ex­cel­sis Deo“ge­spielt hat­te. So­gar Hastenraths Will war er­klär­ter­ma­ßen be­ein­druckt – vom „La­tei­ni­schen für die Kör­per­hy­gie­ne“. Auch sonst punk­te­te er ger­ne mit Po­in­ten, die in un­ver­mu­te­te Rich­tun­gen schos­sen. So galt im Vor­feld der Fest­ta­ge sei­ne in­nigs­te An­teil­nah­me all je­nen, de­nen es nicht so gut geht, die frus­triert und ein­sam sind – kurz­um al­len, die zu lan­ge ver­hei­ra­tet sind. Im Ehe­le­ben der Hastenraths scheint die Welt al­ler­dings zur­zeit im Rei­nen zu sein. Das könn­te an der klar ge­re­gel­ten Auf­ga­ben­ver­tei­lung lie­gen. Denn Will ver­riet, dass sei­ne An­ge­trau­te die Ge­schen­ke für die kom­plet­te Ver­wandt­schaft be­sorgt und er ihr da­für die ver­dien­te Auf­merk­sam­keit zollt – und das sei schon ei­ne gan­ze Men­ge. Für die­ses Bon­mot ern­te­te der Ka­ba­ret­tist vor al­lem den Bei­fall der wis­send ni­cken­den Da­men im Pu­bli­kum. Im Ge­gen­zug er­fuh­ren sie, wie auch die sich in die­sem Punkt ver­kannt füh­len­den Her­ren, von Wills gro­ßem Pro­blem: Er muss sich um das Ge­schenk für sei­ne Frau küm­mern, und das ist schwie­rig. Ei­nen String-Tan­ga will sie nicht, weil sie dar­aus spä­ter kei­nen Putz­lap­pen ma­chen kann, und die Jum­bo-Fla­sche To­s­ca ist noch halb­voll. Al­so schen­ken sich die Hastenraths ge­gen­sei­tig Geld – und da­mit es nicht zum Streit kommt, gibt je­der die glei­che Sum­me. So­gar Will weiß, dass dies nicht ro­man­tisch ist, doch er hat er­fah­ren, dass Ro­man­tik auf Dau­er nichts ein­bringt. Im­mer­hin hat er für sei­ne Liebs­te ei­ne Über­ra­schung ge­plant. Sie soll für die Fest­ta­ge die Ho­heits­ge­walt über die Fern­be­die­nung ha­ben.

Ab­seits weih­nacht­li­cher Pfa­de sin­nier­te der Ka­ba­ret­tist über die Re­la­ti­vi­täts­theo­rie und die Macht der Me­di­en in ei­ner Welt, in der so­gar die Kar­tof­fel­wie­ge­ma­schi­ne nur noch über den Com­pu­ter ma­ni­pu­liert wer­den kann. An die­sem Abend hat­te so­gar die Macht der Poe­sie den Will er­grif­fen. Da­für tausch­te er gar den Par­ka ge­gen ei­ne Frack­ja­cke ein, um na­tür­lich auch hier ei­ne aber­wit­zi­ge Kehrt­wen­dung ein­zu­schla­gen. Für den Heim­weg gab es für al­le Be­su­cher ei­ne weih­nacht­li­che Weg­zeh­rung.

FO­TO: KNAP­PE

Hastenraths Will in Weih­nachts­stim­mung: Sei­ne An­teil­nah­me gilt an den Fest­ta­gen all je­nen, de­nen es nicht so gut geht, die frus­triert und ein­sam sind – kurz­um al­len, die zu lan­ge ver­hei­ra­tet sind.

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