Weih­nach­ten bei den Fuß­ball-Trai­nern

Tu­chel denkt über Tak­tik und Er­näh­rung nach, Schu­bert hat viel Zeit, An­ce­lot­ti lässt ein sie­ben­gän­gi­ges Me­nü auf­fah­ren, Streich spricht hoch­deutsch, und Stö­ger schaut sich im Fern­se­hen an. So muss es sein.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT -

Wie Weih­nach­ten bei Hop­pen­stedts ist, wis­sen wir seit Jah­ren aus dem Fern­se­hen. Es wird ge­klagt, dass frü­her mehr La­met­ta ge­we­sen sei, Di­cki sagt ein Ge­dicht auf („Zi­cke-Za­ckeHüh­ner­ka­cke“), und der Opa wird als Weih­nachts­mann ent­tarnt. So weit Lo­ri­ot.

Aber wie ist Weih­nach­ten bei Tu­chels, bei An­ce­lot­tis, bei Schu­berts, bei Streichs oder bei Stö­gers? Noch ist das nicht ver­filmt, aber er­fin­den kann man es jetzt schon.

Tho­mas Tu­chel wird zehn Mi­nu­ten sehr be­sinn­lich, aber spä­tes­tens, wenn Toch­ter Em­ma stolz ih­ren mit Scho­ko­la­de über­zo­ge­nen Reis­rie­gel prä­sen­tiert, schal­tet der dün­ne Mann von Dort­mund das Er­näh­rungs­be­ra­ter-Pro­gramm ein. „Das ist furcht­bar un­ge­sund“, sagt er, „schau mal den Pa­pa an. Der sieht nur so gut aus, weil er kein Ge­trei­de isst.“Die Toch­ter läuft rat­los aus dem Zim­mer. Und in den nächs­ten St­un­den stellt Tu­chel auf dem Tisch mit Salz­streu­ern, Weih­nachts­ker­zen und Was­ser­glä­sern die wich­tigs­ten Tak­tik-Sys­te­me nach. Zu sei­nem Glück fehlt ihm nur Pep Guar­dio­la, der si­cher mit­ma­chen wür­de.

Er könn­te auch den ehe­ma­li­gen Mön­chen­glad­ba­cher An­dré Schu­bert an­ru­fen, der in sei­ner nun groß­zü­gi­ger be­mes­se­nen Frei­zeit am liebs­ten die schöns­ten Gegenpressing-Si­tua­tio­nen auf dem Lap­top nach­zeich­net. Aber Tu­chel hat Schu­berts Num­mer nicht. Des­halb schickt er Guar­dio­la ei­ne SMS mit die­sen Zei­chen: 3-1-2-3-1, 4-1-4-1, 3-2-2-2-1, 3-2-3-2? Zehn Mi­nu­ten spä­ter hat er die Ant­wort: 3-1-3-2-1. Dar­über ist er so glück­lich, dass er Em­ma ein Stück­chen Reis­rie­gel mit Scho­ko­la­den­gla­sur ge­stat­tet und sich selbst ein Mi­ne­ral­was­ser mit ei­nem Schuss Zi­tro­nen­saft.

Bei An­ce­lot­tis wuch­ten zur glei­chen Zeit drei mus­ku­lö­se Kü­chen­kräf­te den drit­ten Gang ei­nes sie­ben­gän­gi­gen Weih­nachts­me­nüs auf den Tisch. Haus­herr Car­lo, seit ei­nem hal­ben Jahr Übungs­lei­ter der Bay­ern, hat aus Mün­chen ein Fäss­chen Bier mit­ge­bracht, das zu den Vor­spei­sen ge­leert wird. Zum Haupt­gang gibt es schwe­ren Rot­wein aus der Emi­lia-Ro­ma­gna. Wäh­rend die Gäs­te lang­sam un­ter den Tisch sin­ken, fut­tert Car­lo die Res­te. Da­nach wird ei­ne Kä­se­plat­te ge­reicht.

Im fer­nen Breis­gau freut sich Chris­ti­an Streich dar­über, end­lich mal nach Her­zens­lust hoch­deutsch zu spre­chen. In der Fa­mi­lie wun­dert man sich seit Jah­ren, war­um der Frei­bur­ger Trai­ner im Fern­se­hen so ei­nen selt­sa­men Dia­lekt spricht. Was bis heu­te nie­mand weiß: Den hat ihm der per­sön­li­che Be­ra­ter ver­passt, ein Scha­ma­ne aus dem Schwarz­wald, der in sei­ner Ju­gend mit Jo­gi Löw Fuß­ball ge­spielt ha­ben soll. An Streichs Weih­nachts­baum hängt ei­ne Gruß­kar­te von ihm.

Der Köl­ner Trai­ner Pe­ter Stö­ger fei­ert mit sei­ner Le­bens­ge­fähr­tin Ul­ri­ke Krieg­ler. Nach dem Es­sen schau­en sie sich in End­los­schlei­fe die un­ge­schnit­te­ne Fas­sung ih­res gro­ßen Hits „Die Düs­sel­dor­fe­rin“an, den sie mit der ös­ter­rei­chi­schen Band „Kai­ser­schmorrn“auf­ge­nom­men ha­ben. Nächs­tes Jahr soll das Film­chen Hei­lig­abend im Köl­ner Stadt­fern­se­hen ge­zeigt wer­den – statt Lo­ri­ot.

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