Brau­chen wir ei­nen Er­lö­ser?

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL -

Nie­mals blüh­ten und ge­die­hen die Ge­bie­te rund um das Mit­tel­meer so sehr wie heu­te, 753 ab ur­be con­di­ta – al­so im 753. Jahr seit der Grün­dung Roms. Nach­dem auch Ägyp­ten un­ter die Kon­trol­le Roms ge­bracht wor­den ist, ge­hö­ren al­le An­rai­ner­ge­bie­te zu ei­nem ein­zi­gen Reich, dem rö­mi­schen Welt­reich, das von Spa­ni­en bis in die sy­ri­sche Wüs­te reicht.

Zu­sätz­lich sind gro­ße Tei­le des west­li­chen Eu­ro­pa un­ter Kon­trol­le. An den Au­ßen­gren­zen herrscht Sta­bi­li­tät: Mit Eu­phrat, Do­nau und Rhein – und, wenn die Os­ter­wei­te­rung des Rei­ches ge­lingt, so­gar die El­be – sind na­tür­li­che Fluss­gren­zen zu si­che­ren Au­ßen­gren­zen ge­wor­den. Und auch die Rö­mer selbst be­kämp­fen sich nicht mehr wie noch vor ei­ner Ge­ne­ra­ti­on un­ter­ein­an­der mit rie­si­gen Ar­me­en.

Ga­rant für die Ein­heit und die Sta­bi­li­tät ist zu­nächst Kai­ser Au­gus­tus, der den Welt­frie­den zu Lan­de und zu Was­ser her­ge­stellt hat. Er er­reich­te dies durch die Be­en­di­gung der Bür­ger­krie­ge und durch ei­ne kon­se­quen­te Ero­be­rungs­po­li­tik, die die Be­sieg­ten zwar schont, den Auf­rüh­rern aber deut­lich macht, dass sie mit der Stren­ge des Herr­schers zu rech­nen ha­ben.

Ma­te­ri­ell und kul­tu­rell geht es den meis­ten gut. Und zwar nicht nur den obe­ren Zehn­tau­send, die ihr lu­xu­riö­ses, manch­mal et­was scho­ckie­ren­des Le­ben in Ru­he füh­ren kön­nen, son­dern auch brei­te­ren Volks­schich­ten, die in Rom so­zia­le Ver­güns­ti­gun­gen wie Le­bens­mit­tel er­hal­ten und zahl­rei­che öf­fent­li­che Un­ter­hal­tungs­pro­gram­me ge­nie­ßen dür­fen. Die Städ­te wer­den schö­ner, die Ver­kehrs­ver­bin­dun­gen sind oh­ne Pi­ra­te­rie und dank der Stra­ßen­bau­pro­gram­me noch nie so gut ge­we­sen, Han­del und Wan­del ge­dei­hen. Pa­ra­do­xer­wei­se herrscht trotz­dem Un­zu­frie­den­heit. Zu­nächst in den Pro­vin­zen: In den neu­en Ge­bie­ten Ger­ma­ni­en und Il­ly­ri­cum gibt es Wi­der­stän­de.

Und in Iu­daea kön­nen sich vie­le nicht da­mit ab­fin­den, dass sie ent­we­der un­ter kor­rup­ten und von Rom ab­hän­gi­gen Kö­ni­gen wie He­ro­des oder aber so­gar in­ner­halb ei­ner Pro­vinz, in der Volks­zäh­lun­gen und Steu­er­er­he­bun­gen statt­fin­den, le­ben müs­sen. Sie wol­len nicht Teil des Im­pe­ri­ums sein und for­dern ei­nen Iu­de­xit. Be­son­ders stört sie der Kon­takt mit nicht­jü­di­schen Sit­ten und fremd­län­di­schen Re­li­gio­nen, den die neu­en Ent­wick­lun­gen mit sich brin­gen. Sie leh­nen je­de Öff­nung ab. Ei­ni­ge leis­ten ge­walt­tä­ti­gen Wi­der­stand, an­de­re glau­ben an die An­kunft ei­nes Mes­si­as, der das Land be­frei­en wird.

Die Sehn­sucht nach ei­ner Er­lö­sung, ei­ner Ret­tung, und das dif­fu­se Un­be­ha­gen an den Ver­hält­nis­sen ist aber kei­nes­wegs ein auf Iu­daea be­schränk­tes Phä­no­men.

Auch sonst reift bei ei­ni­gen die Er­kennt­nis, dass die rö­mi­sche Welt nicht ganz so per­fekt ist – je­den­falls nicht für die un­ter­pri­vi­le­gier­te Land­be­völ­ke­rung und die Skla­ven. Sie stel­len fest, dass Brot und Spie­le kei­ne wirk­li­che Zuf­rie­den­heit stif­ten und dass das Frie­dens­reich des Au­gus­tus kein fried­li­ches Ver­hält­nis un­ter den Men­schen be­grün­det hat. Vie­le glau­ben: Ja, wir brau­chen Er­lö­sung, aber sie wird an­ders sein, als es die po­li­tisch Mäch­ti­gen mei­nen.

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