He­ro­des: Ge­rüch­te über Kin­der­mord

Kö­nig He­ro­des plant an­geb­lich ei­nen Mas­sen­mord in Beth­le­hem. Vie­le Bür­ger sind über die­ses Ge­rücht ent­setzt. Sie trau­en dem Herr­scher ei­ne solch grau­sa­me Tat durch­aus zu. Denn er ließ schon Ver­wand­te um­brin­gen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON AN­GE­LI­KA MEL­CHER UND AN­TON GÖTZ

JE­RU­SA­LEM Die Ab­sicht des Kö­nigs, in der Stadt Beth­le­hem al­le Kin­der tö­ten las­sen, geht auf Weis­sa­gun­gen zu­rück. Ei­ni­ge Astro­lo­gen ha­ben an­geb­lich die Er­schei­nung ei­nes Ko­me­ten mit der Ge­burt ei­nes po­li­ti­schen Kon­kur­ren­ten, ei­nes neu­en Kö­nigs der Ju­den, in Ver­bin­dung ge­bracht. He­ro­des soll da­her aus Angst um sei­ne ei­ge­ne Macht be­foh­len ha­ben, vor­sorg­lich al­le Neu­ge­bo­re­nen in Beth­le­hem zu tö­ten. In füh­ren­den Krei­sen in Je­ru­sa­lem herrscht Still­schwei­gen rund um die­ses The­ma, nie­mand äu­ßert sich öf­fent­lich zu den An­schul­di­gun­gen.

Oh­ne­hin liegt über dem Glanz die­ses Kö­nigs ein Schat­ten. He­ro­des lei­det an Ver­fol­gungs­wahn und wü­tet ge­gen sei­ne Fein­de. Je­der, der sich ihm wi­der­setzt oder für sei­ne Herr­schaft ein Ri­si­ko dar­stellt, wird hin­ge­rich­tet. Zu sei­nen Fein­den zählt He­ro­des selbst Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge. So ließ er Ma­ri­am­ne, ei­ne sei­ner zehn Frau­en, bru­tal in ei­nem Ho­nig­fass er­trän­ken, da er ihr Ver­rat un­ter­stell­te. Auch de­ren Mut­ter Alex­an­dra und sei­nen Sch­wa­ger Kostabar ließ er tö­ten. So­gar drei sei­ner ei­ge­nen Söh­ne muss­ten mit ih­rem Le­ben be­zah­len, weil ih­nen He­ro­des In­tri­gen vor­warf.

Trotz al­lem ha­ben die Ein­woh­ner sei­nes Reichs He­ro­des viel zu ver­dan­ken – et­wa den Bau des Tem­pels von Je­ru­sa­lem so­wie zahl­rei­che Pa­läs­te und Fe­s­tun­gen, Ha­fen­an­la­gen und Was­ser­lei­tun­gen. He­ro­des ist es stets ge­lun­gen, sich mit den Mäch­ti­gen Roms zu ar­ran­gie­ren und sein Reich zu ver­grö­ßern. Ne­ben Ju­däa ge­hö­ren da­zu wei­te­re Ge­bie­te wie Sa­ma­ria, Ga­li­läa und Pe­räa. Vor 60 Jah­ren ist die Re­gi­on un­ter die Ober­herr­schaft Roms ge­ra­ten. Feld­herr Pom­pei­us führ­te da­mals In­ter­ven­ti­ons­trup­pen nach Klein­asi­en und in den Na­hen Os­ten und ord­ne­te dort die Ver­hält­nis­se neu. Vor al­lem mach­te er Sy­ri­en, das bis da­hin von der Se­l­euk­iden-Dy­nas­tie be­herrscht wor­den war, zur rö­mi­schen Pro­vinz. Das jü­di­sche Volk stand in die­ser Zeit un­ter Herr­schaft der Mak­ka­bä­er. In die­ser Dy­nas­tie gab es Streit. Die Brü­der Hyr­kan und Aris­to­bul ver­such­ten, die Un­ter­stüt­zung des Pom­pei­us zu ge­win­nen. Nach dem Tod der Kö­ni­gin Alex­an­dra war Hyr­kan als der Äl­te­re zwar der recht­mä­ßi­ge An­wär­ter auf den Thron, sein Bru­der hielt sich je­doch für den bes­se­ren Herr­scher und focht den An­spruch des Äl­te­ren an. Aris­to­bul hat­te schon ge­glaubt, durch die Be­ste­chung ei­nes Be­am­ten die Un­ter­stüt­zung Roms ge­won­nen zu ha­ben. Pom­pei­us ent­schied sich aber um und in­ter­ve­nier­te mi­li­tä­risch zu­guns­ten Hyr­kans.

Nach der Ero­be­rung des Tem­pel­bergs in Je­ru­sa­lem war Hyr­kans Po­si­ti­on als Ho­he­pries­ter und Volks­füh­rer ge­si­chert. Er muss­te aber Tri­bu­te ab­füh­ren. Iu­daea hat­te für im­mer sei­ne Selbst­stän­dig­keit ver­lo­ren und wur­de Teil des rö­mi­schen Welt­rei­ches. Vor ei­nem gu­ten Vier­tel­jahr­hun­dert be­stä­tig­te Au­gus­tus den He­ro­des als Kö­nig. Die­ser hat­te es ge­ra­de noch recht­zei­tig ge­schafft, den Staats­feind Marcus An­to­ni­us und die Fein­din des rö­mi­schen Vol­kes Cleo­pa­tra im Stich zu las­sen.

FO­TO: APX/AXEL THÜNKER DGPH

Das neu­es­te haar­sträu­ben­de Ge­rücht über den rom­freund­li­chen Kö­nig He­ro­des be­sagt, er wol­le in der Stadt Beth­le­hem sämt­li­che Kin­der tö­ten las­sen. Denn er fürch­te, ein po­li­ti­scher Kon­kur­rent kön­ne her­an­wach­sen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.