Laut, voll, stau­big: Je­ru­sa­lem Top-Rei­se­ziel für Aben­teu­rer

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON SAS­KIA-EI­LEEN BERGHÄUSER

JE­RU­SA­LEM Men­schen­mas­sen schie­ben sich durch die stau­bi­gen Gas­sen. Es ist laut, heiß und vor al­lem stau­big. Stän­dig kit­zelt es in der Na­se. Kei­ne Fra­ge: Je­ru­sa­lem ist mo­men­tan das au­ßer­ge­wöhn­lichs­te Rei­se­ziel des mo­der­nen Rö­mers. Ver­sucht man am süd­li­chen En­de der brei­ten Haupt­stra­ße kurz in­ne­zu­hal­ten, er­in­nert das Ge­wühl der auf­dring­li­chen Stra­ßen­händ­ler an das Trei­ben in Rom. An die­ser Stra­ße ragt die ge­wal­ti­ge Stütz­mau­er der Tem­pel­ter­ras­se em­por. Je­der ein­zel­ne St­ein in die­sem Mo­nu­ment reicht bis zur Brust ei­nes durch­schnitt­li­chen Man­nes. Das Le­ben der Ju­den spielt sich am, im und auf dem Tem­pel­berg ab.

In sei­ner Ele­ganz steht der Tem­pel den Schmuck­stü­cken Roms kei­nes­wegs nach. Trotz sei­ner min­de­ren Her­kunft be­saß Kö­nig He­ro­des ge­nü­gend Ver­stand, ei­nen fä­hi­gen Ar­chi­tek­ten für die Um­ge­stal­tung des un­an­sehn­li­chen Vor­gän­ger­baus zu en­ga­gie­ren. Der ge­gen­wär­ti­ge Stil scheint ei­ne Hom­mage an die grie­chi­sche und rö­mi­sche Bau­kunst zu sein. Glaubt man den Ge­rüch­ten, wur­de die Na­tur be­zwun­gen und der Tem­pel­berg ver­grö­ßert. Um die ge­wal­ti­ge Hö­he der An­la­ge zu er­fas- sen, muss man am Fuß des Ber­ges den Kopf in den Na­cken le­gen, als wol­le man abends die Ster­ne be­trach­ten. Schier un­er­klär­lich, wie die­se ge­wal­ti­ge auf­stei­gen­de Mau­er ih­ren Platz ge­fun­den hat! Schein­bar sind hier Vieh und Skla­ven stär­ker als in Rom. Der Tem­pel ist mit Gold ge­schmückt. Die Mau­ern sind aus hel­lem Mar­mor. Stän­dig strö­men Men­schen­mas­sen her­bei, um dem jü­di­schen Gott zu op­fern. Die An­la­ge darf erst be­tre­ten, wer bei ei­nem der Geld­wechs­ler ei­nen Be­trag für die Tem­pel­steu­er ge­tauscht hat. Zu ho­hem Wech­sel­kurs wer­den De­nar und Ses­ter­zen in den ty­ri­schen Sche­kel um­ge­tauscht. Die­ser Um­tausch ist aus re­li­giö­sen Grün­den vor­ge­schrie­ben, ver­mut­lich weil der Sil­ber­ge­halt die­ser Wäh­rung be­son­ders hoch ist.

Zum Al­ler­hei­ligs­ten ge­langt man durch vie­le Vor­hö­fe. Be­su­cher, die nach rö­mi­scher Tra­di­ti­on ih­ren Glau­ben pfle­gen, dür­fen nur den äu­ße­ren Be­zirk be­tre­ten. Er ist für die „Hei­den“vor­ge­se­hen. Be­tritt ein Nicht­ju­de die wei­te­ren Hö­fe, droht ihm die To­des­stra­fe. Die jü­di­schen Frau­en und die Män­ner ha­ben je­weils ei­nen ei­ge­nen Hof. Nur die Pries­ter kom­men in den Pries­ter­vor­hof mit dem Brand­op­fe­r­al­tar und von dort in das Al­ler­hei­ligs­te.

Hei­den­müs­sen­drau­ßen blei­ben: Nur den jü­di­schen Pries­tern ist der Zu­tritt zum Al­ler­hei­ligs­ten er­laubt

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