Un­keusch:Pries­te­rinPom­peia zum Hun­ger­tod ver­ur­teilt

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON MAR­TIN WUL­FF

ROM Ei­ne här­te­re Stra­fe hät­te die Kom­mis­si­on re­li­giö­ser Ex­per­ten kaum aus­spre­chen kön­nen: Weil die ves­ta­li­sche Pries­te­rin Pom­peia ihr Keusch­heits­ge­lüb­de ge­bro­chen und da­mit das All­ge­mein­wohl ge­fähr­det hat, soll sie in ein un­ter­ir­di­sches Ver­lies ge­sperrt wer­den und den Hun­ger­tod er­lei­den. Die­ses Ur­teil setzt ei­ne alt­ehr­wür­di­ge ju­ris­ti­sche und re­li­giö­se Tra­di­ti­on fort. Sol­che Pro­zes­se Art wa­ren in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten zwar eher sel­ten, doch en­de­ten sie häu­fig da­mit, dass die Ves­ta­lin auf die­se Wei­se hin­ge­rich­tet wur­de. Den Lieb­ha­ber Pom­pei­as, Ves­ti­nus, hat das Ge­richt in dem öf­fent­li­chen Pro­zess eben­falls zum To­de ver­ur­teilt.

Kai­ser Au­gus­tus be­grüß­te die Ent­schei­dung des Ge­richts. Sie soll die re­li­giö­se Ord­nung und Recht­schaf­fen­heit in Rom stär­ken. Dies ist be­reits seit Län­ge­rem ein wich­ti­ges An­lie­gen des Au­gus­tus, der auch häu­fi­ger die jung­fräu­li­chen Pries­te­rin­nen der Göt­tin Ves­ta in sei­ne kul­ti­schen Fes­te ein­ge­bun­den hat. Al­ler­dings ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass es noch zu ei­ner Begna­di­gung kommt. Pom­peia, die im Al­ter von acht Jah­ren dem sechs­köp­fi­gen Ves­ta­lin­nen­kol­leg bei­tre­ten muss­te, hat ih­re Un­schuld be­teu­ert. In den letz­ten Jah­ren sei die Ent­wick­lung des Rei­ches zu po­si­tiv aus­ge­fal­len, als dass ir­gend­ei­ne Un­tat den Zorn der Göt­ter auf es ge­zo­gen hät­te. Ob­wohl die Ves­ta­lin­nen Pri­vi­le­gi­en ge­nie­ßen, geehrt und mit Ge­schen­ken über­sät wer­den, die oft zu Wohl­stand füh­ren, ist das Amt der ves­ta­li­schen Pries­te­rin nicht wirk­lich be­liebt. Aus der Fa­mi­lie her­aus­ge­ris­sen zu wer­den und 30 Jah­re in Keusch­heit ver­brin­gen zu müs­sen, schei­nen die Be­liebt­heit die­ser Pries­ter­schaft er­heb­lich zu dämp­fen. Das Ur­teil über Pom­peia wird die­sen Trend wohl eher ver­stär­ken.

FO­TO: PA­WEL KURZAWSKI

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