Das gro­ße Fres­sen

Se­na­tor Lu­ci­us Fla­vi­us Me­tel­lus lud zu sei­nem all­jähr­li­chen, be­rüch­tig­ten Ge­burts­tags­ban­kett. Sein Ziel, Sul­pi­ci­us als Ver­bün­de­ten zu ge­win­nen, schlägt fehl. Durch ei­ne un­be­dach­te Tat ver­liert er des­sen Gunst.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON JU­LIA PABST

CAPUA Die Skla­ven sind seit den frü­hen Mor­gen­stun­den auf den Bei­nen. Denn es ist wie­der ein­mal so­weit: Der Se­na­tor Lu­ci­us Fla­vi­us Me­tel­lus lädt zu sei­nem be­rüch­tig­ten Ge­burts­tags­ban­kett ein. Seit Ta­gen tref­fen die Skla­ven Vor­be­rei­tun­gen, denn sie fürch­ten nichts mehr als den Zorn ih­res Her­ren. Sie wi­schen Bö­den, po­lie­ren Säu­len, ent­schup­pen Fi­sche, schlep­pen Am­pho­ren voll ed­len Wei­nes her­an.

Die Gäs­te tref­fen al­le erst beim letz­ten Son­nen­strahl in der präch­ti­gen Vil­la in Capua ein. Für neun St­un­den wer­den sie ih­ren All­tag ver­ges­sen. Se­na­tor Me­tel­lus schafft es im­mer wie­der, sei­ne Gäs­te so aus­zu­wäh­len, dass sie we­der zu schwatz­haft, noch zu still sind. So kom­men die er­fri­schends­ten Ge­sprä­che zu­stan­de.

Zu den Gäs­ten zäh­len en­ge per­sön­li­che Freun­de, po­li­ti­sche Ver­bün­de­te und der Eh­ren­gast Sul­pi­ci­us Ru­fus. Zahl­rei­che Auf­merk­sam­kei­ten sol­len ihn schmei­cheln. Me­tel­lus’ Ab­sich­ten dürf­ten den üb­ri­gen Be­su­chern da­durch ziem­lich klar ge­wor­den sein. We­gen der vie­len In­tri­gen und des Kampfs um die Vor­herr­schaft im Se­nat will Me­tel­lus den Se­na­tor Sul­pi­ci­us Ru­fus als Ver­bün­de­ten da­zu­ge­win­nen.

Nach der Be­grü­ßung führt Me­tel­lus die Gäs­te in den Spei­se­saal, das tri­cli­ni­um. Da es Win­ter ist, wird das Ban­kett im Win­ter­spei­se­zim­mer aus­ge­rich­tet. Des­sen ver­gol­de­te De­cke glänzt selbst noch im Abend­licht, die Son­nestrah­len hei­zen den Raum zu­gleich auf.

Me­tel­lus mag wie im­mer nicht dar­auf ver­zich­ten, sei­nen Reich­tum aus­gie­big zur Schau zu stel­len. Bron­ze­schmuck ver­ziert die Spei­se­so­fas, an den Wän­den hän­gen kost­ba­re Vor­hän­ge. Die Kis­sen, Pols­ter und De­cken der So­fas be­ste­hen aus den hoch­wer­tigs­ten Stof­fen und sind mit Pur­pur ge­färbt. Der präch­ti­ge Mar­mor­bo­den und die Sil­ber­ge­fä­ße zeu­gen eben­falls von Me­tel­lus’ Reich­tum. Auch der Tisch, auf dem die Spei­sen prä­sen­tiert wer­den, ist aus Mar­mor. Ei­ne Har­fen­spie­le­rin er­freut die Gäs­te mit zar­ten Me­lo­di­en.

In­zwi­schen sind Me­tel­lus’ Be­su­cher hung­rig. Al­le freu­en sich, als die Skla­ven die Vor­spei­se auf bron­ze­nem Ge­schirr aus Korinth hin­ein­tra­gen. Eier, Sa­lat, Gar­ten­ge­mü­se und Oli­ven wer­den als Vor­spei­se ge­reicht. Auf die Oli­ven aus ei­ge­nem An­bau ist Me­tel­lus un­glaub­lich stolz, da die­se in ih­rem ei­ge­nen Öl ein­ge­legt wur­den. Sie sind so­mit frei von Zu­satz­stof­fen. Gai­us Ma­xi­mus Ho­her rö­mi­scher Be­am­ter

Die Haupt­gän­ge be­ste­hen so­wohl aus Ge­flü­gel­ge­rich­ten wie saf­ti­ge En­ten und Fla­min­gos, als auch aus ei­ner gro­ßen Aus­wahl von Fisch­ge­rich­ten. Skla­ven tra­gen Mu­rä­nen, Stö­re, St­ein­but­te, Dor­sche, Fo­rel­le, Pa­pa­gei­en­fi­sche, Thun­fisch, Hum­mer, Aus­tern, Pur­pur­schne­cke, See- igel und Kamm­mu­scheln her­ein. Der ku­li­na­ri­sche Hö­he­punkt ist aber ei­ne rie­si­ge Sau, ge­füllt mit Brat­würs­ten. Zu je­dem Gang wird ei­ne Fisch­sau­ce aus kost­spie­li­gen Mee­res­früch­ten ge­reicht. Nach die­ser mäch­ti­gen Mahl­zeit ti­schen die Skla­ven noch Man­deln, Dat­teln aus Ägyp­ten und Ess­kas­ta­ni­en aus Spa­ni­en auf. Er­le­se­ner Wein sorgt wäh­rend des Mahls für präch­ti­ge Stim­mung.

Der Abend scheint per­fekt zu lau­fen. Der Raum strotzt nur so vor Reich­tü­mern. Das Es­sen ist nur aus den hoch­wer­tigs­ten Zu­ta­ten be­rei­tet, und die Har­fen­spie­le­rin ist nicht nur für die Oh­ren, son­dern auch fürs Au­ge ei­ne wah­re Be­rei­che­rung. Und doch ist Me­tel­lus nicht zu­frie­den: Sein ei­gent­li­ches Ziel, Sul­pi­ci­us als Ver­bün­de­ten zu ge­win­nen, schlägt fehl. Durch ei­ne un­be­dach­te Tat hat der sonst so zu­vor­kom­men­de Gast­ge­ber die Gunst des Sul­pi­ci­us ver­lo­ren. Er hat ei­nen Feh­ler bei der Platz­ver­ga­be ge­macht. Zwar hat Sul­pi­ci­us das Ver­gnü­gen ne­ben dem Se­na­tor Pu­b­li­us zu lie­gen, doch der Eh­ren­platz links ne­ben dem Gast­ge­ber wird von je­mand an­de­rem, näm­lich dem engs­ten Ver­bün­de­ten des Me­tel­lus, be­legt. Sul­pi­ci­us fühlt sich ge­de­mü­tigt und drückt sei­nen Un­mut lan­ge mit Schwei­gen aus.

Doch je spä­ter der Abend wird und je mehr Wein die rei­zen­de Skla­vin Gal­lia nach­schenkt, des­to red­se­li­ger wird schließ­lich auch Sul­pi­ci­us. So geht das Fest­mahl noch bis tief in die Nacht hin­ein. Na­tür­lich wür­den man­che Dich­ter und Mora­lis­ten das ex­zes­si­ve Kon­sum­ver­hal­ten und die Hin­ga­be zur Fress­sucht an­pran­gern, wüss­ten sie von die­sem Abend.

Doch Me­tel­lus hat für sol­che Kri­tik nur ei­ne Ant­wort: „car­pe noc­tem – Nut­ze die Nacht“.

„Me­tel­lus hat es mal wie­der ge­schafft, sein Ban­kett in ei­nen Ort der Kom­mu­ni­ka­ti­on zu ver­wan­deln“

FO­TO: PA­WEL KURZAWSKI

Ein Mahl im Kreis von Freun­den und sol­chen, die es wer­den wol­len, ge­hört in der rö­mi­schen Ober­schicht zum gu­ten Ton. Man zeigt, was man hat und wer man ist.

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