Trau­ri­ger die Münch­ner nie klin­gen

Ba­tic und Leit­mayr er­mit­teln im „Tat­ort“ge­gen die ru­mä­ni­sche Bet­telma­fia. Weih­nachts­stim­mung kommt nur be­dingt auf.

Rheinische Post Moenchengladbach - - FERNSEHEN AM MONTAG - VON LES­LIE BROOK

MÜN­CHEN Im Ad­vent wer­den nicht nur Tau­sen­de Tou­ris­ten aus Ita­li­en für den Weih­nachts­markt­be­such nach Mün­chen ge­karrt, auf die­sem Weg kom­men auch or­ga­ni­sier­te Bett­ler­ban­den in die baye­ri­sche Haupt­stadt. Ob­wohl dort im ge­sam­ten Stadt­ge­biet ak­ti­ves Bet­teln ver­bo­ten ist und in der Alt­stadt auch das pas­si­ve, ist es of­fen­bar ein so lu­kra­ti­ves Ge­schäft, dass die ru­mä­ni- sche Bet­telma­fia an zen­tra­len Plät­zen vor al­lem hilf­los aus­se­hen­de Frau­en plat­ziert. Und dann macht es oft „klin­ge­lin­ge­ling“, näm­lich wenn das Klein­geld in die auf­ge­stell­ten Be­häl­ter fällt.

Von die­sem Ge­räusch lei­tet sich der Ti­tel des Weih­nachts-„Tat­orts“aus Mün­chen ab – und nicht et­wa vom fei­er­li­chen Glo­cken­ge­läut an Hei­lig­abend oder dem Fa­mi­li­en­be­such, der freu­de­strah­lend an der Tür schellt. Und nicht nur das ist über­ra­schend, son­dern auch der ge­sam­te Zu­gang zu die­ser auf den ers­ten Blick un­ge­wöhn­lich er­schei­nen­den Weih­nachts­the­ma­tik, die tat­säch­lich aber deut­lich nä­her an den Ur­sprung des Fes­tes her­an- kommt als der gan­ze kom­mer­zi­el­le Weih­nacht­stru­bel.

Ein to­tes Ba­by wird kurz vor Hei­lig­abend in der Kir­che am Al­ten Süd­fried­hof ge­fun­den. Die Ob­duk­ti­on des Kin­der­leich­nams er­gibt, dass der Tod des Neu­ge­bo­re­nen durch Er­sti­cken ein­ge­tre­ten ist. Die Er­mitt­lun­gen füh­ren die Kom­mis­sa­re Ba­tic und Leit­mayr (Mi­ros­lav Ne­mec und Udo Wacht­veitl) zu zwei Schwes­tern aus Ru­mä­ni­en, die von ei­ner Bet­tel­or­ga­ni­sa­ti­on auf die Stra­ße ge­schickt wer­den. In die­ser Welt sind Men­schen Wa­re – und Kin­der ha­ben gar kei­nen Platz. Denn so­bald ei­ne Frau ein Ba­by auf dem Arm hat, darf sie per Ver­ord­nung nicht mehr bet­teln. Schwan­ger da­ge­gen bringt sie den Köp­fen des Clans viel Geld ein, denn die Münch­ner schei­nen um­so be­reit­wil­li­ger für ei­ne mil­de Ga­be zu sein.

Weih­nachts­stim­mung ver­brei­tet die­ser Fall kaum. Statt­des­sen gibt er ei­nen Ein­blick in die straff or­ga­ni­sier­te und skru­pel­lo­se Bett­ler­sze­ne, in der ei­ner den an­de­ren ver­rät, um ein paar Eu­ro mehr zu be­kom­men – denn der Groß­teil wird oh­ne­hin von den Chefs ein­be­hal­ten. Die Schick­sa­le der bei­den jun­gen Ru­mä­nin­nen stim­men trau­rig. Zu­dem wird wie so oft bei den letz­ten „Tat­or­ten“(nicht nur aus Mün­chen) vor Au­gen ge­führt, dass die Po­li­zei in vie­len Fäl­len macht­los ist be­zie­hungs­wei­se nur in fest ab­ge­steck­ten Gren­zen er­mit­teln darf.

In­so­fern ist es Re­gis­seur Mar­kus Im­bo­den („Tat­ort“: „Ein­mal wirk­lich ster­ben“und „Wunsch­den­ken“) so­wie Dreh­buch­au­to­rin Di­nah Mar­te Golch ge­lun­gen, ge­gen die­se schwe­re Hand­lung vie­le leich­te Ele­men­te zu set­zen. Der Po­li­zei­chor singt in der Kan­ti­ne des Prä­si­di­ums „Stil­le Nacht, hei­li­ge Nacht“, wäh­rend­des­sen fal­len die Kom­mis­sa­re im­mer wie­der durch un­an­ge­brach­tes Han­dy­ge­klin­gel auf. Und wür­den sie nicht stän­dig von den ak­tu­el­len Er­mitt­lun­gen „ge­stört“, so könn­ten sie end­lich wich­teln.

Nach dem letz­ten Fall „Die Wahr­heit“, bei dem Ba­tic und Leit­mayr sich deut­lich von­ein­an­der ent­fernt hat­ten, herrscht nun wie­der Har­mo­nie zwi­schen ih­nen. Mit „Klin­ge­lin­ge­ling“wagt der BR et­was zum Fest. Da­bei ist der Fall aber un­be­dingt se­hens­wert, vor al­lem we­gen der star­ken Darstel­ler.

Die Kom­mis­sa­re wol­len wich­teln, doch es kommt ih­nen der ak­tu­el­le Fall da­zwi­schen

„Tat­ort: Klin­ge­lin­ge­ling“, DasErs­te, Mo., 20.15 Uhr

FO­TO: ARD/BR

Die Haupt­kom­mis­sa­re Ivo Ba­tic (Mi­ros­lav Ne­mec, 2. v. l.) und Franz Leit­mayr (Udo Wacht­veitl, 2. v. r.) spre­chen mit den Ob­dach­lo­sen Werner (Wolf­gang Preg­ler, l.) und An­dy (Fer­di­nand Do­er­f­ler).

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