Als Selbst­stän­di­ger fes­te Gren­zen set­zen

Wer sein ei­ge­ner Chef ist, ar­bei­tet schnell über das ge­sun­de Maß hin­aus. Um da­bei nicht krank zu wer­den, soll­ten Selbst­stän­di­ge auf ih­re Aus­zei­ten ach­ten.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINDERSEITE - VON BETTINA LEVECKE

Bei An­ge­stell­ten re­gelt der Ar­beits­ver­trag die wö­chent­li­che St­un­den­zahl. Bei Selbst­stän­di­gen und Frei­be­ruf­lern gibt es da­für höchs­tens die in­ne­re Uhr. Auch wenn An­ge­stell­te um Über­stun­den häu­fig nicht her­um­kom­men: Wer sein ei­ge­ner Chef ist, neigt be­son­ders da­zu, die ei­ge­nen Gren­zen stän­dig zu über­schrei­ten. Kei­ne Pau­sen ma­chen, bis spät in die Nacht am Schreib­tisch sit­zen und mor­gens wie­der als Ers­ter los­le­gen: „Auf Dau­er rächt sich so ein Ver­hal­ten, denn der Kör­per braucht Aus­zei­ten, um zu re­ge­ne­rie­ren“, sagt Be­rufscoach An­ja Hu­me. Die­se neun Stra­te­gi­en hel­fen, et­was mehr Ru­he zu be­kom­men: Re­ge­ne­ra­ti­on Der An­spruch auf Pau­sen und Ur­laub ist für An­ge­stell­te ge­setz­lich ge­re­gelt. Bei Selbst­stän­di­gen fällt die Kon­trol­le dar­über schnell aus. Selbst­stän­di­ge soll­ten sich be­wusst ma­chen, dass Re­ge­ne­ra­ti­on ei­ne In­ves­ti­ti­on ins ei­ge­ne Un­ter­neh­men ist. „Man soll­te sich den Fak­tor Er­ho­lung leis­ten, denn er stärkt das Un­ter­neh­men“, emp­fiehlt Hu­me. Wich­tig da­für sei, sich re­gel­mä­ßig an­zu­schau­en: Wie vie­le St­un­den ha­be ich die­se Wo­che ge­ar­bei­tet? Wie vie­le Pau­sen ha­be ich mir ge­leis­tet? Und: Stimmt die Ba­lan­ce? Be­loh­nun­gen Sein ei­ge­ner Herr sein, frei be­stim­men kön­nen: So lau­ten häu­fig die Grün­de, um vom An­ge­stell­ten­ver­hält­nis in die Selbst­stän­dig­keit zu wech­seln. Doch wenn die Ar­beit erst­mal da ist, wer­den die schö­nen Ide­en für mehr Frei­heit häu­fig ver­ges­sen. „Es ist wich­tig, sich im­mer wie­der das zu gön­nen, was man bei der Wahl der Selbst­stän­dig­keit vor Au­gen hat­te“, sagt Life Ba­lan­ce Coach Sa­bi­ne Kei­ner. Den Mon­tag­mor­gen blau oder bei Son­nen­schein am Nach­mit­tag Schluss ma­chen: Die Vor­tei­le der Selbst­be­stimmt­heit zu nut­zen, stär­ke die Leis­tungs­fä­hig­keit. Und wenn die Mu­ße­stun­den spä­ter nach­ge­ar­bei­tet wer­den müs­sen, ge­lin­ge das in der Re­gel ef­fek­ti­ver und zu­frie­de­ner. Rhyth­mus Mal sind es vie­le Auf­trä­ge, mal we­ni­ger – bei Selbst- stän­di­gen ist die an­fal­len­de Ar­beit oft schwer ab­zu­se­hen. Das sorgt im­mer wie­der für Stress. „Man soll­te so weit es mög­lich ist für ei­nen re­gel­mä­ßi­gen Rhyth­mus sor­gen“, rät Hu­me. Fes­te Bü­ro­zei­ten bei­spiels­wei­se för­dern ei­ne gleich­mä­ßi­ge Ta­ges­struk­tur und hel­fen da­bei, im­mer wie­der­keh­ren­de Tä­tig­kei­ten zu struk­tu­rie­ren. „Ein fes­ter Rhyth­mus stärkt die in­ne­re Ba­lan­ce und hilft, auch in stres­si­ge­ren Zei­ten al­les bes­ser im Blick zu ha­ben.“ Ab­sa­gen Ei­nes der größ­ten Zeit­pro­ble­me von Selbst­stän­di­gen: Sie kön­nen häu­fig nur schlecht Nein sa­gen. Selbst wenn der Ur­laub di­rekt vor der Tür steht, sa­gen vie­le ei­nen Auf­trag nicht ab. „Es ist aber un­mög­lich und un­ge­sund, es im­mer al­len recht ma­chen zu wol­len“, sagt Coach Ma­ri­on

Kai­ser-Els- ner. „Man muss sei­ne Be­dürf­nis­se ernst neh­men und ler­nen Nein zu sa­gen, wenn Auf­trä­ge das Zeit­bud­get spren­gen.“Die Sor­ge, den Kun­den zu ver­lie­ren, sei un­be­grün­det: „Mit ei­ner freund­li­chen Er­klä­rung ge­ben sich die meis­ten Kun­den zu­frie­den und kom­men trotz­dem wie­der.“ Zeit­plan „Selbst­stän­di­ge soll­ten am Wo­chen­an­fang ei­ne Wo­chen­pla­nung in-

klu­si­ve Prio­ri­tä­ten und Fris­ten und am Abend oder am Mor­gen ei­nes je­den Ta­ges ei­ne Zeit­pla­nung für den Tag er­stel­len“, emp­fiehlt Kei­ner. Wich­tig da­bei sei­en fes­te Li­mits für be­stimm­te Tä­tig­kei­ten, et­wa ma­xi­mal drei St­un­den für die Vor­be­rei­tung ei­ner Prä­sen­ta­ti­on. „Man soll­te da­bei auch 30 Pro­zent Puf­fer­zeit für Stö­run­gen und Un­vor­her­ge­se­he­nes ein- pla­nen, da­mit der Zeit­plan rea­lis­tisch bleibt.“ Acht­sam­keit Wer viel Stress hat, ver­liert schnell den Blick für das We­sent­li­che aus den Au­gen. Kai­ser-Els­ner emp­fiehlt des­halb Acht­sam­keits-Pau­sen. „Das sind klei­ne Mi­nu­ten-Aus­zei­ten, in de­nen man die Au­gen schließt, in den Bauch at­met oder in die Wol­ken schaut und in sich rein­hört. Wie füh­le ich mich ge­ra­de? Was är­gert mich? Brau­che ich ei­ne Pau­se? Sol­che Pau­sen schär­fen den Blick für die ei­ge­nen Be­dürf­nis­se und hel­fen, run­ter­zu­kom­men.“ Blo­ckie­ren Der Auf­trag mit dem Kun­den ist in St­ein ge­mei­ßelt, die Jog­ging-Run­de nicht? „Ganz falsch“, sagt Hu­me. „Ver­ab­re­dun­gen mit sich selbst soll­ten die glei­che Prio­ri­tät ha­ben wie be­ruf­li­che Ter­mi­ne.“Sie emp­fiehlt, die Ter­mi­ne für Ur­laub und Frei­zeit im Ka­len­der far­big zu mar­kie­ren. „Mit sei­nen ei­ge­nen Er­ho­lungs­zei­ten kon­se­quent zu sein, ge­hört zu ei­nem gu­ten Selbst­ma­nage­ment.“ Be­en­den Das ma­che ich mor­gen noch und das über­mor­gen und das, wenn ich Zeit ha­be... „An­ge­fan­ge­ne, aber nicht be­en­de­te Auf­ga­ben kos­ten Ener­gie, weil un­ser Un­ter­be­wusst­sein sich wei­ter da­mit be­schäf­tigt“, sagt Kei­ner. „Das sorgt auf Dau­er für ein un­be­frie­di­gen­des Ge­fühl.“Bes­ser: fes­te To-doPunk­te auf den Ta­ges­plan set­zen und kon­se­quent ab­ha­ken. Son­die­ren Als Selbst­stän­di­ger ist man erst­mal be­müht, je­den Auf­trag zu ma­chen. „Das ist aber nicht im­mer der rich­ti­ge Weg“, warnt Hu­me. Sie rät, Auf­trä­ge mög­lichst ziel­ori­en­tiert an­zu­neh­men. „Was will ich er­rei­chen? Ist die­ser Auf­trag da­für rich­tig?“Manch­mal sei es da­bei auch sinn­voll, Auf­trä­ge, die nicht zum ei­ge­nen Port­fo­lio pas­sen, ab­zu­sa­gen. „Das er­for­dert Mut, sorgt aber lang­fris­tig für mehr Zuf­rie­den­heit, weil man sich dann als Selbst­stän­di­ger auf die Din­ge kon­zen­trie­ren kann, die man wirk­lich ma­chen möch­te.“

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