Tier­ge­recht Weih­nach­ten fei­ern

Ex­per­ten war­nen nicht nur vor bren­nen­den Ker­zen am Weih­nachts­baum. Ein Haus­tier zu schen­ken, soll­te vor­her rich­tig gut über­legt wor­den sein.

Rheinische Post Moenchengladbach - - DIE TIERWELT - VON SE­BAS­TI­AN MEURER

Nicht al­lein für Men­schen, son­dern auch für de­ren Haus­tie­re kann Weih­nach­ten zu ei­ner stres­si­gen und po­ten­zi­ell so­gar ge­fähr­li­chen An­ge­le­gen­heit wer­den. Da­bei ge­nügt es ei­gent­lich schon, ei­ni­ge ein­fa­che Tipps zu be­her­zi­gen, um jed­we­des Ri­si­ko aus­zu­schlie­ßen. Weih­nachts­de­ko et­wa soll­te von neu­gie­ri­gen Kat­zen fern­ge­hal­ten wer­den. Wer­den La­met­ta und Weih­nachts­gir­lan­den näm­lich ver­schluckt, kön­nen sie den Ver­dau­ungs­trakt der Tie­re blo­ckie­ren. Ist be­reits et­was ge­schluckt wor­den, soll­ten die Be­sit­zer ih­re Kat­ze si­cher­heits­hal­ber zum Tier­arzt brin­gen.

Die Tier­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Pe­ta warnt nach­drück­lich da­vor, zu ver­su­chen, die Weih­nachts­de­ko selbst­stän­dig aus dem Maul der Kat­ze zu zie­hen. Die Hal­ter soll­ten da­ge­gen bes­ser nicht ver­su­chen, die Weih­nachts­de­ko der Kat­ze selbst­stän­dig aus dem Maul zu zie­hen.

Au­ßer Reich­wei­te müs­sen auch Stech­palm- und Mi­stel­zwei­ge so­wie Weih­nachts­ster­ne ste­hen, da die Pflan­zen zu Übel­keit, Er­bre­chen und Bauch­schmer­zen füh­ren kön­nen. Ei­ne wei­te­re Ge­fah­ren­quel­le sind bren­nen­de Ker­zen, mit de­nen Kat­zen nie­mals al­lein­ge­las­sen wer­den dür­fen. Auch bau­meln­de Glas­ku­geln und glit­zern­des La­met­ta am Weih­nachts­baum üben auf Kat­zen ei­nen gro­ßen Reiz aus.

Man­che Tie­re er­kun­den die Tan­ne ger­ne mit ei­nem be­herz­ten Sprung, et­wa vom Schrank aus. Um den Baum vor dem Um­kip­pen zu be­wah­ren, soll­ten Kat­zen­hal­ter ihn ent­spre­chend si­chern: „Am bes­ten an der Wand fest­ma­chen, ein sta­bi­ler Stän­der reicht meist nicht aus“, er­klärt Ma­ri­us Tün­te vom Deut­schen Tier­schutz­bund.

Vor bren­nen­den Ker­zen hät­ten Kat­zen zwar Re­spekt, je­doch kön­nen die­se bei ei­nem um­ge­fal­le­nen Baum leicht an­de­re Din­ge in Brand ste­cken. „Ist mei­ne Kat­ze sehr um­trie­big, ver­zich­te ich bes­ser auf ech­te Ker­zen“, rät Tün­te. Als De­ko­ra­ti­on sind Strohs­ter­ne oder An­hän­ger aus Stoff un­ge­fähr­li­cher als Glas­ku­geln. Denn wenn die­se zu Bruch ge­hen, kön­nen sich Kat­zen an den Scher­ben ver­let­zen.

Rund­weg ver­wir­rend kann ei­ne fest­lich ge­schmück­te Woh­nung auf Vö­gel wir­ken. Auch ih­ret­we­gen ist von der Ver­wen­dung bren­nen­der Ker­zen drin­gend ab­zu­ra­ten, da sie den Tie­ren vor al­lem beim Frei­flug ge­fähr­lich wer­den kön­nen, warnt der In­for­ma­ti­ons­dienst Heim­tier­be­darf (IVH).

Der IVH rät Tier­hal­tern au­ßer­dem, auf blin­ken­de Lich­ter­ket­ten oder sin­gen­de Weih­nachts­mann­fi­gu­ren zu ver­zich­ten. Auch mit La­met­ta soll­te bes­ser ge­spart wer­den, da das da­rin ent­hal­te­ne Blei gif­tig für Vö­gel ist. Au­ßer­dem ist es wich­tig, Ker­zen oder den Ka­min recht­zei­tig vor dem Frei­flug zu lö­schen und aus­küh­len zu las­sen.

Ein Ka­pi­tel für sich sind Tie­re als Weih­nachts­ge­schen­ke. Der Deut­sche Tier­schutz­bund ver­weist dar­auf, dass un­ge­ach­tet vie­ler War­nun­gen nach den Fei­er­ta­gen oft vie­le Tie­re in den Tier­hei­men ab­ge­ge­ben wer­den. Vor „tie­ri­schen Weih­nachts­schnäpp­chen“warnt die Bun­des­tier­ärz­te­kam­mer. „Soll ein Hund ge­schenkt wer­den, und ist der Wunsch wirk­lich ernst­haft über­legt“, ist es aus der Sicht der Bun­des­tier­ärz­te­kam­mer „am bes­ten, ei­nen Gut­schein in Ver­bin­dung mit ei­nem gu­ten Buch zur Hun­de­hal­tung oder ei­ne Wel­pen­Erst­aus­stat­tung zu schen­ken.“

Ähn­lich sieht es die in Düs­sel­dorf an­säs­si­ge Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on „Hel­fen­de Hän­de“: „Wir ra­ten nicht ab, son­dern möch­ten je­dem, der über ein Haus­tier nach­denkt, le­dig­lich ans Herz le­gen, wohl­über­legt an ei­nen tie­ri­schen Neu­zu­gang her­an­zu­ge­hen“, sagt Andrea Demm­ler von den „Hel­fen­den Hän­den“.

Ne­ben der Lek­tü­re von ge­eig­ne­ten Rat­ge­bern für die Hal­tung von Hun­den und Kat­zen emp­feh­len die „Hel­fen­den Hän­de“, et­wa zwi­schen Weih­nach­ten und Neu­jahr, den Be­such ei­nes Tier­heims. Mit ei­nem Hund leih­wei­se Gas­si zu ge­hen oder im Kat­zen­haus mit­zu­ar­bei­ten, kön­ne hel­fen, her­aus­zu­fin­den, wie ernst­haft der Wunsch nach ei­nem Haus­tier ist.

Für Tier­freun­de, die nach reif­li­cher Über­le­gung zu dem Schluss kom­men, der­zeit kein Haus­tier hal­ten zu kön­nen, gibt es zu­dem die Mög­lich­keit der „vir­tu­el­len Ad­op­ti­on“. Für 15 Eu­ro im Mo­nat ist ei­ne sol­che bei den „Hel­fen­den Hän­den“mög­lich: Im Ge­gen­zug wer­den die vir­tu­el­len Tier­pa­ten mit Fo­tos und kur­zen Fil­men dar­über auf dem Lau­fen­den ge­hal­ten, wie es ih­rem Schütz­ling geht.

„Ei­ne vir­tu­el­le Ad­op­ti­on funk­tio­niert so­gar in der stres­si­gen Weih­nachts­zeit – und so man­cher Tier­freund hat nach ei­ni­ger Zeit sein vir­tu­el­les Haus­tier ,in echt’ ad­op­tiert“, sagt Andrea Demm­ler.

Ärz­te und Tier­schüt­zer ra­ten drin­gend da­von ab, zu Weih­nach­ten Haus­tie­re zu schen­ken. Ge­schieht es doch, soll­ten die Hal­ter hier­auf bes­tens vor­be­rei­tet sein. Fo­to: An­na-av/think­stock­pho­tos

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