Flücht­lin­ge sol­len Pfle­ger wer­den

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he (CDU) sieht gu­te Chan­cen für Flücht­lin­ge in Pfle­ge­be­ru­fen. Vor­aus­set­zung: Sie müs­sen qua­li­fi­ziert sein und die deut­sche Spra­che be­herr­schen,

Rheinische Post Moenchengladbach - - VORDERSEITE - VON MICHA­EL BRÖCKER UND MAR­TIN KESS­LER

BER­LIN Für den ekla­tan­ten Per­so­nal­man­gel in Pfle­ge­be­ru­fen hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he (CDU) ei­nen Aus­weg pa­rat. Flücht­lin­ge mit qua­li­fi­zier­ter Aus­bil­dung könn­ten hel­fen, die Lü­cke zu schlie­ßen. „Hier er­ge­ben sich Chan­cen für an­er­kann­te Flücht­lin­ge. Wich­tig ist, dass sie die Spra­che aus­rei­chend be­herr­schen und kei­ne Ab­stri­che bei der Qua­li­fi­ka­ti­on ge­macht wer­den“, sag­te der CDU-Po­li­ti­ker un­se­rer Redaktion. Schon jetzt be­tra­ge der An­teil der Mi­gran­ten in den Pfle­ge­be­ru­fen rund 20 Pro­zent. Zugleich wächst die Bran­che stark, weil die Be­völ­ke­rung im­mer äl­ter wird und die Pfle­ge­fäl­le zu­neh­men.

Die Band­brei­te der Pfle­ge­be­ru­fe in Deutsch­land ist groß. So gibt es bei den ein­fa­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen den Be­treu­ungs­as­sis­ten­ten, der schon nach ei­ner 100-stün­di­gen Aus­bil­dung ein­satz­be­reit ist. Pfle­ge­hel­fer kön­nen nach ein­jäh­ri­ger Aus­bil­dung ih­re Ar­beit be­gin­nen. Der Fach­be­ruf der Pfle­ge­kraft ist mit der Aus­bil­dung ei­ner Kran­ken­schwes­ter ver­gleich­bar. Und an Fach­hoch­schu­len ist so­gar ein Stu­di­um in Pfle­ge­wis­sen­schaf­ten mög­lich.

Flücht­lin­gen, so Grö­he, stün­de auch der Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst of­fen. Hier wür­den sich be­reits jetzt vie­le an­er­kann­te Asyl­be­wer­ber ein­brin­gen. Zu­dem ge­be es „be­rufs­spe­zi­fi­sche Sprach­kur­se“, er­läu­ter­te der CDU-Po­li­ti­ker. „War­um sol­len Flücht­lin­ge nicht auch qua­li­fi­zier­te Pfle­ge­be­ru­fe er­ler­nen, wenn sie die Vor­aus­set­zun­gen er­fül­len? Das kann ei­ne gu­te Mög­lich­keit sein, sich be­ruf­lich zu in­te­grie­ren.“

Bis­lang ar­bei­ten nur we­ni­ge Flücht­lin­ge in an­er­kann­ten Pfle­ge­be­ru­fen, weil viel­fach we­der ei­ne Qua­li­fi­ka­ti­on noch aus­rei­chen­de Sprach­kennt­nis­se vor­han­den sind. Das Ber­li­ner Kli­nik­un­ter­neh­men Vi­van­tes und das Kran­ken­haus Cha­rité ha­ben ge­mein­sam mit dem Ber­li­ner In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­ten laut „Ärz­te­zei­tung“das Pi­lot­pro­jekt SpraBo (Sprach­kom­pe­tenz und Be­rufs­ori­en­tie­rung für Ge­flüch­te­te) ge­star­tet. Da­mit sol­len Flücht­lin­ge sprach­lich und fach­lich qua­li­fi­ziert wer­den. Rund zwan­zig Ge­flüch­te­te aus ver­schie­de­nen Her­kunfts­län­dern hät­ten be­reits An­fang De­zem­ber den ers­ten Kurs be­gon­nen. Be­treut wer- den sie von Pfle­ge­leh­rern des Vi­van­tes In­sti­tuts für be­ruf­li­che Bil­dung im Ge­sund­heits­we­sen (IbBG) und der Cha­rité-Ge­sund­heits­aka­de­mie. Die prak­ti­sche Be­rufs­ori­en­tie­rung der Flücht­lin­ge er­folgt an den Kli­ni­ken von Cha­rité und Vi­van­tes. Auch die Uni­k­li­nik Es­sen hat be­rufs­be­zo- ge­ne Sprach­kur­se für Flücht­lin­ge ein­ge­rich­tet, die auf ei­nen Pfle­ge­be­ruf vor­be­rei­ten sol­len. Der­zeit durch­lau­fen 25 Flücht­lin­ge ei­ne vier­stu­fi­ge Aus­bil­dung, bei der auch prak­ti­sche Er­fah­run­gen im Kran­ken­haus ge­sam­melt wer­den sol­len. Die ers­ten Teil­neh­mer stam­men aus Sy­ri­en, Af­gha­nis­tan, dem Irak und Eri­trea.

In Mett­mann wol­len die Bil­dungs­aka­de­mie des Krei­ses und die Ne­an­der-Dia­ko­nie eben­falls Vor­be­rei­tungs­kur­se für Flücht­lin­ge an­bie­ten, die In­ter­es­se am Be­ruf des Al­ten­pfle­gers und Al­ten­pfle­ge­hel­fers si­gna­li­siert hät­ten. Da­bei soll es auch Prak­ti­ka und Ho­s­pi­ta­tio­nen ge­ben.

Grö­he be­ton­te: „In Man­gel­be­ru­fen ist Zu­wan­de­rung auch ei­ne Chan­ce.“Der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter er­in­ner­te dar­an, dass die Un­ter­stüt­zung für die Pfle­ge zu Hau­se deut­lich aus­ge­wei­tet wor­den sei – et­wa durch mehr Kurz­zeit- und Ta­ges­pfle­ge oder die Mög­lich­keit, Hil­fe im Haus­halt in An­spruch zu neh­men. Pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge hät­ten jetzt ei­nen Rechts­an­spruch auf ei­ne Fa­mi­li­en­pfle­ge­zeit und auf ei­ne be­zahl­te Aus­zeit von bis zu zehn Ta­gen. Po­li­tik

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