Gra­veur-Azu­bi ist der Bun­des­bes­te

Der 23-jäh­ri­ge Je­re­mia Carl über­zeug­te beim Nach­wuchs-Leis­tungs­wett­be­werb des Deut­schen Hand­werks. Mit sei­nem Ge­sel­len­stück, ei­ner Do­cking­sta­ti­on für ei­ne E-Zi­ga­ret­te mit Sinn­spruch ei­nes Phi­lo­so­phen, hol­te er den Bun­des­sieg.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE WIRTSCHAFT - VON LI­SA SCHMITZ

„Der Dum­me rennt, der Klu­ge war­tet und der Wei­se geht in den Gar­ten“. Ob Je­re­mia Carl für sei­ne Prü­fungs­auf­ga­be un­ge­wöhn­lich viel Zeit im Gar­ten ver­bracht hat, ist nicht über­lie­fert, je­den­falls hat er den Sinn­spruch des in­di­schen Phi­lo­so­phen Ra­bin­dra­nath Ta­go­re dar­in ver­ar­bei­tet. Übe­r­aus kunst­voll über­dies. Denn der 23-jäh­ri­ge Mönchengladbacher er­rang jetzt in sei­nem Aus­bil­dungs­be­ruf den bun­des­weit ers­ten Platz beim jähr­li­chen Leis­tungs­wett­be­werb des Deut­schen Hand­werks (PLW).

Je­re­mia Carl ist Gra­veur mit Spe­zia­li­sie­rung auf die Flach­gra­vier­tech­nik, ver­ant­wort­lich für das for­mi­da­ble Aus­bil­dungs-Er­geb­nis ist sein Va­ter Rüdiger Carl von der gleich­na­mi­gen Gra­vier­an­stalt am Ma­rie-Ber­nays-Ring in Güd­derath. Kam­mer­prä­si­dent Andreas Eh­lert Flach­gra­veu­re „sti­cheln“oder „mei­ßeln“Gra­vu­ren auf Schil­der oder Mün­zen; im Ge­gen­satz zur Ar­beit des Re­lief­gra­veurs, der Stem­pel oder Druck­vor­la­gen „prägt“. Aus­ge­zeich­net wur­de der 23-Jäh­ri­ge, der am Tech­ni­schen Be­rufs­kol­leg So­lin­gen sei­ne Ge­sel­len­prü­fung ab­sol­vier­te, für die hand­werk­lich wie sti­lis­tisch her­aus­ra­gen­de In­ter­pre­ta­ti­on sei­ner Prü­fungs­auf­ga­be.

Er ge­stal­te­te die Do­cking­sta­ti­on für ei­ne E-Zi­ga­ret­te, be­ste­hend aus dem Ak­ku-Trä­ger aus ei­nem Holz­kor­pus aus Teak nebst ei­ner kal­li­gra­fisch aus­ge­stal­te­ten Schmuck­scha­tul­le. Be­son­ders über­zeug­ten die Fach­ju­ro­ren De­tails wie die schlich­te, ein­präg­sa­me Gestal­tung ei­nes aus­ge­fräs­ten Lo­gos als In­tar- sie aus Mes­sing mit Carls Initia­len und ein or­na­men­tal be­ar­bei­te­ter Schrift­zug auf dem Be­hält­nis in der Op­tik ei­ner Dampf­säu­le – wie ge­hä­kelt wirkt das Buch­sta­ben­ge­flecht aus Prä­ge­li­ni­en. Es ent­hält den ein­gangs ge­nann­ten hin­du­is­ti­schen Sinn­spruch. „Wir freu­en uns mit Ih­nen. Die aus­bil­den­den Bran­chen dür­fen sich auf star­ken Nach­wuchs freu­en“, gra­tu­lier­te der Prä­si­dent der Hand­werks­kam­mer Düs­sel­dorf, Andreas Eh­lert, den bes­ten Jung­hand­wer­kern im Rah­men ei­ner Fei­er­stun­de.

Be­deu­ten­de ers­te Er­fol­ge in ih­rer noch jun­gen Be­rufs­lauf­bahn heims­ten ne­ben Je­re­mia Carl auch Be­to­nund Stahl­be­ton­bau­er Hen­rik Fleischer aus Hei­li­gen­haus so­wie Buch­bin­de­rin Li­li­an Sam­land aus Düs­sel­dorf ein. Bei­de wur­den drit­te Bun­des­sie­ger. Fleischer lös­te sei­ne Auf­ga­ben­stel­lung, die An­fer­ti­gung ei­ner Ele­ment­scha­lung für ei­ne Wand­de­cke oh­ne Be­weh­rung, mit be­son­ders ho­her Prä­zi­si­on. Mit­hil­fe von Zu­schnitt­ta­feln und Schalb­ret­tern kon­stru­ier­te er Ein­sprün­ge, Ab­schrä­gun­gen und Aus­run­dun­gen der Wand­ni­sche; da­bei muss­ten Stirn­ab­run­dun­gen in glei­che Fu­gen­ab­schnit­te ein­ge­teilt und ei­ne Stirn­scha­lung of­fen­ge­las­sen wer­den, um das Scha­lungs­prin­zip gut er­kenn­bar zu ma­chen. Ei­ne Kas­set­te aus Le­der zu­sam­men­zu­fü­gen, mit ei­nem Innenteil aus Pa­pier: Die­se be­rufs­ty­pi­sche Her­aus­for­de­rung be­stand Li­li­an Sam­land in aus­zeich­nungs­wür­di­ger Qua­li­tät. „Ei­ne der sau­bers­ten Ar­bei­ten“, be­fand das Prüf­ergre­mi­um.

Ins­ge­samt rund 3000 Ge­sel­len hat­ten sich in die­sem Jahr nach ih­rem Ab­schluss an den bun­des­wei­ten Aus­schei­dungs­wett­be­wer­ben der In­nun­gen, Hand­werks­kam­mern und Fach­ver­bän­de zum Leis­tungs­wett­be­werb des Deut­schen Hand­werks be­tei­ligt. 816 Lan­des­sie­ger tra­ten auf Bun­des­ebe­ne in mehr als 130 Wett­be­werbs­be­ru­fen (in­klu­si­ve Fach­rich­tun­gen) ge­gen­ein­an­der an, um ihr fach­li­ches Kön­nen un­ter Be­weis zu stel­len. Schirm­herr ist Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck.

„Die aus­bil­den­den Bran­chen des Hand­werks dür­fen sich auf star­ken Nach­wuchs freu­en“

FO­TO: WIL­FRIED MEY­ER FÜR HAND­WERKS­KAM­MER DÜS­SEL­DORF

Das Fo­to zeigt den ers­ten Bun­des­sie­ger Je­re­mia Carl mit Va­ter und Aus­bil­der Rüdiger Carl (l.) und Kam­mer­prä­si­dent Andreas Eh­lert (r.).

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