Sie wa­gen es: Mut zu Haar­bürs­te und Sche­re

Nur we­ni­ge Me­ter von­einan­der ent­fernt lo­cken an der Fried­rich­stra­ße zahl­rei­che Bar­bier- und Fri­seur­lä­den Kun­den mit Schnäpp­chen

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON JU­LIA ZUEW

Die graue Pas­te in den Haa­ren wirkt gera­de ein, Öz­lem Pe­ker streift ih­re Gum­mi­hand­schu­he ab. „Ich weiß, was ich kann, und ich bin mir si­cher, es wer­den mehr Kun­den kom­men“, sagt die 41-jäh­ri­ge Fri­seur­meis­te­rin. Pe­ker ist seit An­fang No­vem­ber in dem La­den an der Fried­rich­stra­ße an­säs­sig – ne­ben­an lockt viel Kon­kur­renz die Kun­den. Aber sie zeigt sich über­zeugt: „Die an­de­ren bie­ten haupt­säch­lich Haar­schnit­te für Män­ner an. Ich hin­ge­gen style die Frau­en bei mir kom­plett um.“

Ih­re Kun­din­nen kä­men meist mit recht be­schei­de­nen Wün­schen in den Sa­lon. Ins­ge­heim möch­ten sie je­doch auch un­ge­wöhn­li­che Haar­schnit­te und Far­ben aus­pro­bie­ren – die Meis­te­rin macht Mut da­zu. Ist es aber eben­so mu­tig, den Schritt in die Selbst­stän­dig­keit zu wa­gen? „Mei­nen Be­ruf übe ich schon 25 Jah­re lang aus“, sagt Pe­ker. Ge­mein­sam mit ih­rem Ehe­mann ha­be sie sich da­zu ent­schie­den, die Rä­um­lich­kei­ten in der Nä­he der Hin­den­burg­stra­ße an­zu­mie­ten. „Ich ha­be vie­le Er­fah­run­gen ge­sam­melt, und ich ha­be auch aus­ge­bil­det“, er­zählt die Fri­seu­rin. Die Ent­schei­dung für den La­den an der Fried­rich­stra­ße sei nicht aus ei­nem spe­zi­el­len Grund ge­fal­len. Es sei eher Zu­fall ge­we­sen. Die Nä­he zur Hin­den­burg­stra­ße schätzt Pe­ker trotz­dem.

Noch ein neu­er Fri­seur freut sich über die Nä­he zu der gro­ßen Shop­ping-Mei­le. „Es ist ei­ne gu­te La­ge hier“, sagt Rez­gui Zied. In dem Sa­lon „Bar­ber King“sei er erst seit ei­ni­gen Wo­chen an­ge­stellt, aber Haa- re schnei­det er, seit er zwölf Jah­re alt ist, sagt der 35-jäh­ri­ge aus Tu­ne­si­en. Seit sie­ben Jah­ren le­be er in Deutsch­land – und sei Kamm und Sche­re im­mer treu ge­blie­ben. „Was an­de­res ha­be ich nie ge­macht“, sagt er. Be­vor er in dem Bar­bier-La­den in Glad­bach an­fing, ha­be er in Vier­sen ge­ar­bei­tet: „Mei­ne Stamm­kun­den kom­men auch aus Vier­sen zu mir“, be­rich­tet Zied.

Die Kon­kur­renz der an­de­ren Bar­bier­lä­den – zum Teil alt­ein­ge­ses­sen – emp­fin­de er nicht als stö­rend. „Die Nach­fra­ge ist groß, vie­le Män­ner wol­len sich Haa­re und Bart auf be­son­der Art sty­len las­sen. “So sei­en bei­spiels­wei­se un­ter­schied­li­che Mus­ter und Bart-For­men sehr be­liebt – und das Ta­ges­ge­schäft von „Bar­ber King“.

Zwar fin­den sich an der Fried­rich­stra­ße auch er­fah­re­ne Meis­ter, aber die neu er­öff­ne­ten Lä­den müs­sen sich in den kom­men­den Mo­na­ten erst be­haup­ten und ge­nü­gend Kun­den an­lo­cken. Sa­bi­ne Ca­pan, Ober- meis­te­rin der Mönchengladbacher Fri­seu­r­in­nung und Be­sit­ze­rin ei­nes ei­ge­nen Fri­seur­sa­lons, sieht das Pro­blem der Bran­che je­doch nicht in der Nach­fra­ge (die wei­ter­hin sehr gut sei): „Wir wer­den in den kom­men­den Jah­ren mit ei­nem gro­ßen Man­gel an Fach­kräf­ten zu kämp­fen ha­ben“, sagt Ca­pan. Zum ei­nen sei die Ver­gü­tung im Fri­seur­hand­werk nicht sehr hoch, zum an­de­ren „ist es schwer, Azu­bis mit ei­ner gu­ten Ar­beits­mo­ral zu fin­den“, sagt sie. Häu- fi­ges Krank­schrei­ben, man­geln­de Pünkt­lich­keit: Es sei nicht ein­fach, zu­ver­läs­si­gen Nach­wuchs zu fin­den, sagt Sa­bi­ne Ca­pan.

Nach ab­ge­schlos­se­ner Aus­bil­dung ma­chen sich die meis­ten Fri­seu­re üb­ri­gens nicht selbst­stän­dig, son­dern ar­bei­ten oft in ih­ren Aus­bil­dungs­be­trie­ben wei­ter und über­neh­men manch­mal auch das Ge­schäft. „Den di­rek­ten Schritt in die Selbst­stän­dig­keit macht die Mehr­heit nicht“, er­zählt Ca­pan.

FO­TO: KNAP­PE

Von ih­rem Kön­nen und ei­ner gu­ten Zu­kunft für den kürz­lich er­öff­ne­ten La­den über­zeugt: Öz­lem Pe­ker ist seit 25 Jah­ren im Ge­schäft und er­mu­tigt Kun­din­nen zur Ve­rän­de­rung.

FO­TO: KNAP­PE

Rez­gui Zied hat in sei­nen 22 Be­rufs­jah­ren viel Er­fah­rung ge­sam­melt. Sei­ne Stamm­kun­den aus Vier­sen fol­gen ihm nun auch nach Glad­bach.

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