Der Ber­li­ner, der jetzt Bo­rus­se ist

Beim Bu­den­zau­ber am 7. Ja­nu­ar in Kre­feld ge­hört Thor­ben Marx zum Auf­ge­bot der Weis­wei­ler Elf.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON KARS­TEN KEL­LER­MANN

Thor­ben Marx hat­te ei­ne Op­ti­on: Her­tha BSC, den Klub aus der Haupt­stadt, bei dem er her­an­wuchs zum Fuß­ball­pro­fi, be­vor es ihn nach Nord­rhein-West­fa­len zog, erst zu Ar­mi­nia Bie­le­feld und schließ­lich zu Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach, wo er im ver­gan­ge­nen Jahr sei­ne Kar­rie­re be­en­de­te. Als er neu­lich mal wie­der in Ber­lin war, traf er in ei­nem Re­stau­rant Andreas Schmidt, auch ein Ex-Hert­ha­ner, und der mach­te ihm ein An­ge­bot: „Er hat ge­sagt, wenn ich Lust hät­te, könn­te ich bei Hert­has Tra­di­ti­ons­team mit­spie­len.“Hat­te Marx nicht, ob­wohl er acht Jah­re für Her­tha spiel­te. Er, der als Fuß­ball­pro­fi nur für drei Ar­beit­ge­ber ak­tiv war, hat­te sich längst ent­schie­den: für die Weis­wei­ler Elf, Bo­rus­si­as Tra­di­ti­ons­team.

Marx, der Ber­li­ner, der als Kind noch St­ei­ne über die Mau­er warf in die an­de­re Welt da­hin­ter, ist hei­misch ge­wor­den im Rhein­land. Sechs Jah­re spiel­te er für Glad­bach, und in die­ser Zeit wur­de er ein ech­ter Bo­rus­se. Als er im Som­mer 2015 auf­hör­te, ver­goss er vor der Nord­kur­ve Trä­nen der Rüh­rung, als Tau­sen­de sei­nen Na­men rie­fen zum Ab­schied. Und die Fans adel­ten ihn im In­ter­net: „Er ist ei­ner von uns.“

Zu­nächst stand zur De­bat­te, dass er nach der Kar­rie­re für den Klub ar­bei­tet, doch dar­aus ist bis­her nichts ge­wor­den. „Die Ver­bin­dung zu Bo­rus­sia bleibt aber“, sagt er. Marx ar­bei­tet der­zeit mit sei­nem Kum­pel Mike Han­ke, der wie er am Rhein hei­misch ge­wor­den ist und eben- falls jetzt für die Weis­wei­ler Elf spielt, an ei­nem ge­mein­sa­men Bu­si­ness, ei­nem Li­fe­style-Por­tal für Fuß­ball­pro­fis. „Die Sa­che ist auf ei­nem gu­ten Weg“, sagt er.

Sei­ne „Ex“, die Bo­rus­sia, hat hin­ge­gen Pro­ble­me. „Ich weiß, wie sich die Spie­ler füh­len. Das Selbst­ver­trau­en ist an­ge­knackst und al­les fällt ein biss­chen schwe­rer“, sagt er. Viel­leicht wür­de gera­de ei­ner wie er, ein zu­ver­läs­si­ger, so­li­der und lauf­star­ker Spie­ler mit ei­nem si­che­ren Pass­spiel und viel Er­fah­rung, hel­fen. Wie da­mals, als es bei Lu­ci­en Fav­re in der Sai­son 2012/2013 nicht so gut lief. Da spiel­te Marx ei­gent­lich kei­ne Rol­le mehr, doch ir­gend­wie war die Ord­nung ver­lo­ren ge­gan­gen und plötz­lich zau­ber­te Fav­re nach ei­nem üb­len 0:5 in Dort­mund den blon­den Rou­ti­nier noch mal aus dem Hut. Und zack, die Ord­nung war wie­der da.

In die­ser Funk­ti­on braucht ihn die Weis­wei­ler Elf nicht. Sie braucht ExBo­rus­sen, die ei­nen gu­ten Na­men ha­ben bei den Fans. Das ist so bei Marx. Kein Laut­spre­cher mit­hin, aber ei­ner mit ei­ner sor­tier­ten Mei­nung und ei­nem gu­ten Stan­ding in der Ka­bi­ne. „Das Schö­ne ist“, sagt der 35-Jäh­ri­ge und grinst, „dass ich bei Bo­rus­sia am En­de ein al­ter Sack war und jetzt ein Jungspund bin. Und ich ge­hö­re jetzt zu den Schnells­ten im Team.“Die meis­ten Alt-Bo­rus­sen sind äl­ter, „aber ki­cken kön­nen wir al­le noch ganz gut“, sagt Marx.

Die­se The­se will die Weis­wei­ler Elf beim Bu­den­zau­ber in Kre­feld am 7. Ja­nu­ar im Kö­nig­pa­last mit Ta­ten be­le­gen. Sie trifft erst auf den 1. FC Köln, dann auf den MSV Duis­burg. Ne­ben Marx spie­len Mar­cell Jan­sen, Pe­ter Wyn­hoff, Mar­tin Schnei­der, Jörg Neun, Va­lan­di Ana­gnos­tou, And­rej Wo­ro­nin, Jörg Jung, Jörg Ka­ess­mann, Chi­quin­ho, Ble­rim Rrus­te­mi und Jan Zim­mer­mann mit.

Für Marx ist es die ers­te Hal­len­sai­son mit den Ex-Bo­rus­sen. Sie be­ginnt mit ei­ner Dop­pel­schicht: „Am Frei­tag spie­len wir in Ol­den­burg, Sams­tag in Kre­feld.“Marx hat in­des fest­ge­stellt, dass die Kno­chen ganz schön weh­tun, wenn er ge­spielt hat. „Aber ich muss ja nicht am nächs­ten Tag mit Schmer­zen auf den Trai­nings­platz“, sagt er. Nor­ma­ler­wei­se. Denn wie ge­sagt: Am ers­ten Ja­nu­ar­wo­chen­en­de steht ihm ein Dop­pel­ein­satz be­vor. „Aber ich krie­ge das hin“, ver­si­chert Marx. Der Sie­ger des Bu­den­zau­bers fährt dann zum Mas­ters. Das ist in Ber­lin. Her­tha BSC ist da­bei ge­setzt. Ein Spiel ge­gen die an­de­re Op­ti­on, die er hat­te? „Das wä­re doch was“, sagt Marx, der Ber­li­ner, der jetzt Bo­rus­se ist.

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