Ein­bre­cher kom­men meist tags­über

In die­sem Jahr geht die Zahl der Woh­nungs­ein­brü­che zu­rück. Doch noch be­wegt sie sich auf ho­hem Ni­veau. Die Haus­rat­ver­si­che­rer er­stat­te­ten den Op­fern ei­ne hal­be Mil­li­ar­de Eu­ro für die Schä­den.

Rheinische Post Moenchengladbach - - VORDERSEITE - VON JAN DREBES, GREGOR MAYNTZ UND EVA QUADBECK

BER­LIN Trotz ei­nes erst­ma­li­gen Rück­gangs bei der Zahl der Woh­nungs­ein­brü­che wol­len Ex­per­ten nicht von ei­ner Ent­span­nung spre­chen. Es sei­en im­mer mehr or­ga­ni­sier­te Ein­bre­cher­ban­den aus zu­meist süd­ost­eu­ro­päi­schen Län­dern in Deutsch­land, warn­te das BKA. Und die Bun­des­re­gie­rung stock­te ihr Prä­ven­ti­ons­pro­gramm auf. Nach­dem die für 2015 und 2016 be­reit­ge­stell­ten 18 Mil­lio­nen Eu­ro be­reits im Sep­tem­ber ver­ge­ben wa­ren, sind für das nächs­te Jahr 50 Mil­lio­nen Eu­ro im Topf.

Das Lan­des­kri­mi­nal­amt in NRW zähl­te in den ers­ten elf Mo­na­ten knapp 48.000 Woh­nungs­ein­brü­che, in­klu­si­ve ab­ge­bro­che­ner Ver­su­che. Im ge­sam­ten ver­gan­ge­nen Jahr wa­ren es 62.360 Ta­ten ge­we­sen. Selbst wenn in die­sem De­zem­ber noch ein­mal so vie­le Ta­ten ver­übt wer­den wie im Vor­jahr, ist im Jah­res­ver­gleich ein Rück­gang um zwölf Pro­zent mög­lich. LKA-Chef Uwe Ja­cob sprach der Be­völ­ke­rung ein gro­ßes Lob aus. „Die Woh­nun­gen wer­den we­sent­lich bes­ser ge­si­chert, und die Be­völ­ke­rung scheint auf­merk­sa­mer zu sein“, sag­te Ja­cob.

Der neue Trend ist nicht auf Nord­rhein-West­fa­len be­schränkt, wie der Prä­si­dent des Ge­samt­ver­ban­des der Deut­schen Ver­si­che­rungs­wirt­schaft, Alexander Erd­land, er­läu­ter­te. „Die Zah­len der ers­ten drei Quar­ta­le deu­ten im Ver­gleich zum Vor­jahr dar­auf hin, dass wir 2016 mög­li­cher­wei­se ei­nen leich­ten Rück­gang der Ein­brü­che in Deutsch­land ver­zeich­nen könn­ten“, sag­te Erd­land un­se­rer Re­dak­ti­on.

Er rät drin­gend da­zu, Fens­ter und Tü­ren von Fach­fir­men si­chern zu las­sen. „Je län­ger die Ein­bre­cher be­nö­ti­gen, um ein­zu­drin­gen, des­to hö­her ist auch die Chan­ce, dass sie auf­ge­ben“, sag­te er. Das Tä­ter­pro­fil sei ein­deu­tig: „Der ty­pi­sche Ein­bre­cher ist un­ter 30 Jah­re alt, männ­lich und hat ei­nen Kom­pli­zen. Die Haupt­ein­bruch­zei­ten lie­gen zwi­schen 10 und 18 Uhr. Häu­fig ge­sche­hen Ein­brü­che spon­tan und oh­ne Ein­bruch­werk­zeu­ge“, so Erd­land.

Dass die Ver­si­che­rungs­bran­che ein In­ter­es­se an mehr Prä­ven­ti­on hat, ver­deut­li­chen die Scha­dens­sta­tis­ti­ken. Dem­nach zahl­ten die Haus­rat­ver­si­che­rer im ver­gan­ge­nen Jahr 530 Mil­lio­nen Eu­ro an Scha­den­s­er­stat­tun­gen an ih­re Kun­den aus. Das ent­spricht ei­nem An­stieg von mehr als 50 Pro­zent in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren. Durch­schnitt­lich ent­stand je Ein­bruch ein Scha­den in Hö­he von 3250 Eu­ro.

Wie sen­si­bel die Bür­ger so­wohl auf Ein­bruchs­ver­su­che in der Nach­bar­schaft als auch durch ei­ge­ne prä­ven­ti­ve An­stren­gun­gen auf die Ge- fahr re­agiert ha­ben, bil­det sich auch in der Quo­te der ab­ge­bro­che­nen Ver­su­che ab. Vor 20 Jah­ren lag die­se bei knapp über 30 Pro­zent, mitt­ler­wei­le sind es mehr als 40 Pro­zent.

Wie das LKA mit­teil­te, hat die Po­li­zei in NRW der­zeit rund 500 über­re­gio­nal ak­ti­ve Se­ri­en­ein­bre­cher iden­ti­fi­ziert. Ein Drit­tel von ih­nen sit­ze be­reits hin­ter Git­tern. Die Ta­ten wür­den so auf­be­rei­tet, dass ein ge­fass­ter Tat­ver­däch­ti­ger mit sei­nem ge­sam­ten Le­bens­lauf dem Rich­ter vor­ge­führt wer­de, er­läu­ter­te der LKA-Chef. Das ma­che es leich­ter, für die­se Per­so­nen auch Haft­be­feh­le der Rich­ter zu be­kom­men. Wich­tig sei zu­dem der in­ter­na­tio­na­le Aus­tausch, da 60 bis 70 Pro­zent der Se­ri­en­tä­ter auch in den Nach­bar­staa­ten be­kannt sei­en.

Über ei­nen Ein­bruchs­ra­dar sind die Ta­ten nun auch im In­ter­net lo­kal dar­ge­stellt. Das hat nach Ein­schät­zung des Lan­des­kri­mi­nal­am­tes zu ei­ner Ver­sach­li­chung der Dis­kus­si­on bei­ge­tra­gen. „Oh­ne et­was be­schö­ni­gen zu wol­len: Die Men­schen se­hen, dass weit we­ni­ger Ein­brü­che in ih­rem Wohn­um­feld ver­übt wer­den, als sie bis­her selbst glaub­ten“, un­ter­strich LKA-Chef Ja­cob.

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