„Äl­te­re wer­den un­se­re bes­ten Kun­den“

Der Rewe-Chef über den Kampf um Ten­gel­mann, sei­ne Lie­be zu Va­nil­le-Jo­ghurt und den Rewe-Markt von mor­gen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - MICHA­EL BRÖ­CKER UND GE­ORG WIN­TERS FÜHR­TEN DAS GE­SPRÄCH.

Herr Caparros, Sie wol­len En­de 2018 auf­hö­ren. Dann sind Sie 62. War’s das dann mit Ih­rer Kar­rie­re? CAPARROS Als Vor­stands­chef mit Si­cher­heit. Ich ha­be dann ge­nug ver­dient und will nicht mehr ope­ra­tiv ar­bei­ten und mich mit Auf­sichts­rä­ten her­um­schla­gen müs­sen. Nein, dan­ke. Aber was ma­chen Sie dann? CAPARROS Das wird sich fin­den. Ich ha­be viel Fan­ta­sie. War es ei­ne klu­ge Ent­schei­dung, dass Rewe Ih­ren Nach­fol­ger so früh be­kannt­ge­ge­ben hat? Man­che be­haup­ten, Sie sei­en jetzt ei­ne lah­me En­te. CAPARROS Das ist Un­sinn. Ich ha­be das so ge­wollt, ich ha­be den Ter­min be­stimmt. Glau­ben Sie mir, ich ha­be al­les im Griff. Auch Ihr ei­ge­nes Ein­kaufs­ver­hal­ten? CAPARROS Ich bin ein Im­puls­käu­fer. Wenn al­le in Deutsch­land so ein­kau­fen wür­den wie ich, hät­te der Ein­zel­han­del kein Pro­blem (lacht). Wie oft sind Sie im Rewe-Markt? CAPARROS Ein- bis zwei­mal pro Wo­che. Und dann kau­fen Sie wel­ches Lieb­lings­pro­dukt? CAPARROS Va­nil­le-Jo­ghurt. Ha­ben Sie auch ein Lieb­lings­pro­dukt bei Kai­ser’s? CAPARROS Ich ha­be mal ei­nen Test­kauf in ei­ner Kai­ser’s-Fi­lia­le ge­macht, da bin ich aber zu schnell von den Mit­ar­bei­tern an der Fleisch­the­ke er­kannt wor­den. Spaß bei­sei­te. Der Fall Kai­ser’s hat end­los lan­ge für Schlag­zei­len ge- sorgt. Wenn Sie den Ver­lauf vor­her ken­nen wür­den, wür­den Sie ge­nau so han­deln? CAPARROS Ich wür­de das im­mer wie­der so ma­chen... Aber zu­letzt ist Ih­nen die Rol­le des Buh­manns zu­ge­dacht wor­den, der mit sei­ner Be­schwer­de ge­gen den Ede­ka-Kai­ser’s-De­al 15.000 Jobs ge­fähr­det. CAPARROS Der Druck war schon enorm groß am Schluss. Und es war wirk­lich ein schmut­zig ge­führ­ter Kampf, wirk­lich nicht schön. Rewe soll­te von An­fang an iso­liert wer­den. Aber ich ha­be mir nichts vor­zu­wer­fen. Was ist dar­an schlimm, wenn man ver­hin­dern will, dass der Haupt­kon­kur­rent zu viel Markt­macht be­kommt – im Ein­klang mit dem Bun­des­kar­tell­amt und der Mo­no­pol­kom­mis­si­on? Kai­ser’s Ten­gel­mann war viel­leicht die letz­te gro­ße Ak­qui­si­ti­ons­mög­lich­keit im deut­schen Le­bens­mit­tel­han­del. Sie ha­ben sich im­mer als Al­ter­na­tiv­käu­fer be­zeich­net, der al­le Ar­beits­plät­ze er­hal­ten könn­te. Aber Sie hät­ten doch ge­nau so we­nig wie Ede­ka den Se­gen des Kar­tell­am­tes be­kom­men. CAPARROS Aber wir hät­ten deut­lich mehr Nie­der­las­sun­gen über­neh­men kön­nen als Ede­ka. Wir hät­ten min­des­tens zwei Drit­tel der Kai­ser’s-Fi­lia­len be­hal­ten kön­nen. Un­ab­hän­gig von dem Kampf von Kai­ser’s – was hal­ten Sie vom In­stru­ment der Mi­nis­ter­er­laub­nis? CAPARROS Im Fall Kai­ser’s war sie ein kö­nig­li­ches Ge­schenk von Sig­mar Ga­b­ri­el. Um es klar zu sa­gen: Ich bin ge­gen die Mi­nis­ter­er­laub­nis, zu­mal auf der Ba­sis des Ar­beits­platz-Ar­gu­men­tes. Am En­de ist es der Markt, der über den Er­halt von Ar­beits­plät­zen ent­schei­den muss, nicht der Wirt­schafts­mi­nis­ter. Was ha­ben Sie denn aus der gan­zen Ge­schich­te ge­lernt? CAPARROS Dass ich in der Wirt­schaft bes­ser auf­ge­ho­ben bin als in der Po­li­tik. So lan­ge Sie noch in der Wirt­schaft auf­ge­ho­ben sind: Was ist das größ­te Pro­jekt, das Sie bei Rewe noch vor­an­brin­gen wol­len? Die Di­gi­ta­li­sie­rung? CAPARROS Di­gi­ta­li­sie­rung ist ei­nes der be­herr­schen­den The­men im Han­del. Das di­gi­ta­le Ge­schäft muss und wird wach­sen. Bis 2020 wol­len wir un­se­ren On­li­ne-Um­satz auf et­wa 800 Mil­lio­nen Eu­ro stei­gern. Wenn wir da nicht in­ves­tie­ren, wer­den wir ir­gend­wann von Ama­zon ab­ge­hängt. Aber was ganz wich­tig ist: Wir müs­sen die Ver­zah­nung des sta­tio­nä­ren Han­dels mit dem On­li­ne-Ge­schäft hin­be­kom­men. Be­rei­tet Ih­nen Ama­zon gro­ße Sor­gen? CAPARROS Stimmt. Ich be­kom­me schon Bauch- schmer­zen bei dem Ge­dan­ken, dass Ama­zon von den Men­schen als bes­ter Ein­zel­händ­ler wahr­ge­nom­men wird. Was heißt das für den Le­bens­mit­tel­han­del, wenn Ama­zon ein­steigt? CAPARROS Wir müss­ten uns warm an­zie­hen ge­gen Ama­zon Fresh. Aber: Was Ama­zon noch ler­nen muss, ist der Han­del über al­le Ka­nä­le. Der rei­ne On­li­neVer­kauf funk­tio­niert nicht im Le­bens­mit­tel­han­del. Wenn man nur auf di­gi­tal macht, ver­liert man die Le­bens­mit­tel-Stamm­kund­schaft. Wie be­hält man die? CAPARROS Wir müs­sen ein an­de­res Kun­den­pro­fil ent­wi­ckeln. Die Ver­brau­cher wer­den in den Märk­ten in Zu­kunft im­mer mehr un­se­re Gäs­te sein, nicht mehr Kun­den. Wir müs­sen Ih­nen ein Ein­kaufs­er­leb­nis bie­ten. Um­ge­kehrt wer­den sich aber auch man­che Märk­te ver­än­dern. Man­che Pro­duk­te wer­den nur noch on­li­ne ge­kauft. Da muss man sich dann an man­chen Stand­or­ten fra­gen: Was bie­ten wir in die­sen Märk­ten nicht mehr an? Brau­chen wir dann wo­mög­lich we­ni­ger Flä­che? Brau­chen wir viel­leicht auch we­ni­ger Per­so­nal in ein­zel­nen Märk­ten? Was ist mit den künf­ti­gen Se­nio­ren als Ziel­grup­pe? CAPARROS Kein Zwei­fel: Die äl­te­ren Men­schen wer­den un­se­re bes­ten Kun­den ... ... die man doch auch zu­neh­mend zu Hau­se be­lie­fern muss. CAPARROS Das stimmt. Aber die Be­lie­fe­rung zu Hau­se ist gleich­zei­tig der schwie­rigs­te Teil des Ge­schäfts – auch we­gen der Be­lie­fe­rung mit Fri­sche-Pro­duk­ten. Wir wer­den da teil­wei­se zum rei­nen Lo­gis­ti­ker, und der Fah­rer, der die Wa­ren aus­lie­fert, ist der Bot­schaf­ter un­se­res Un­ter­neh­mens. Die Markt­füh­rer im Le­bens­mit­tel­Han­del sind Ede­ka und Rewe, bei­des Ge­nos­sen­schaf­ten. Was ma­chen die bes­ser als an­de­re Han­dels­for­men? CAPARROS Ge­nos­sen­schaf­ten sind bo­den­stän­di­ger. Ede­ka und wir ha­ben vie­le selbst­stän­di­ge Händ­ler, die ei­ne lang­fris­ti­ge­re Bin­dung an ihr Ge­schäft ha­ben als an­ge­stell­te Ma­na­ger. Wie viel Ge­winn macht der dann? CAPARROS Ein selbst­stän­di­ger Händ­ler bei REWE ver­dient im Durch­schnitt 220.000 Eu­ro vor Steu­ern.

FO­TO: AC­TION

Rewe-Chef Alain Caparros

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