Al­le Bus­fah­rer zu­rück zur NEW?

Das Un­ter­neh­men er­wägt, die Bus­fah­rer in den Toch­ter­fir­men wie West­bus zu­rück in den Kon­zern zu ho­len – wenn das die Direktvergabe des Nah­ver­kehrs er­for­der­lich ma­chen soll­te. Sonst droht ein Fi­as­ko wie et­wa in Pforz­heim.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KRUSCHEL ERKLÄRT’S - VON ANDRE­AS GRUHN

Das Ar­beits­ge­richt in Pforz­heim hat sich in die­sem Jahr sehr aus­führ­lich mit Bus­fah­rern be­schäf­tigt. 157 Kla­gen la­gen vor, weil die Stadt­ver­kehr Pforz­heim Gm­bH zum 31. De­zem­ber 2016 al­len ih­ren 240 Bus­fah­rern kün­di­gen muss­te. Denn ab Ja­nu­ar ist nicht mehr die Stadt-Toch­ter für den Bus­ver­kehr in der Stadt zu­stän­dig ist, son­dern das pri­va­te Un­ter­neh­men Süd­west­bus. In Pforz­heim, sagt man sich in der Glad­ba­cher Po­li­tik, ist der Gau pas­siert, den man in Mön­chen­glad­bach un­be­dingt ver­hin­dern will: dass der Nah­ver­kehr nicht mehr von ei­nem kom­mu­na­len (hier die NEW), son­dern von ei­nem pri­va­ten An­bie­ter über­nom­men wird – und des­halb al­le Bus­fah­rer oh­ne Job da­ste­hen.

Das soll der Nah­ver­kehrs­plan ver­hin­dern, der seit Jah­ren er­ar­bei­tet und nun im Som­mer 2017 fer­tig wer­den muss. Der Plan ist die Grund­la­ge für die Direktvergabe des Nah­ver­kehrs an die NEW. Da­rin geht es nun um die heik­le Fra­ge der Bus­fah­rer – und wo sie be­schäf­tigt sind. Mög­li- cher­wei­se muss die NEW al­le oder ei­nen Teil der Fah­rer, die in Toch­ter­Un­ter­neh­men an­ge­stellt sind, zu­rück in den Mut­ter­kon­zern ho­len – was ver­mut­lich er­heb­lich teu­rer wer­den wür­de. „Wenn es zwin­gend nö­tig ist, dann wer­den die West­bus-Fah­rer zu­rück un­ter das Dach der NEW ge­holt“, sagt NEWVor­stand Ar­min Marx im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on.

Hin­ter­grund ist ei­ne Vor­ga­be aus dem Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­setz, das für kom­mu­na­le Un­ter­neh­men ei­ne Ei­ge­ner­brin­gungs­quo­te für den ge­sam­ten Nah­ver­kehr von 66 Pro­zent vor­sieht. „Die Fra­ge ist, wor­auf sich dies be­zieht, das Ge­setz macht bis­her kei­nen Un­ter­schied. Wenn zwei Drit­tel des Ge­samt­wer­tes selbst er­bracht wer­den müs­sen, dann passt es. Wenn sich der Wert auf die Ki­lo­me­ter­leis­tung be­zieht, dann nicht“, so Marx wei­ter. West­bus-Fah­rer sind näm­lich mehr un­ter­wegs als ih­re NEW-Kol­le­gen. Marx: „Und dann ist die Fra­ge, ob das Mo­dell mit West­bus und Toch­ter­fir­men noch das rich­ti­ge für die Zu­kunft ist.“

Für NEW-Be­triebs­rats­chef Micha­el Jans ist die Sa­che klar: „Wir könn­ten al­le Fah­rer zu­rück­ho­len und wür­den in den ers­ten Jah­ren so­gar noch Geld spa­ren.“Das wie­der­um sieht das Un­ter­neh­men na­tur­ge­mäß et­was an­ders. Be­trof­fen sind in Mön­chen­glad­bach 195 NEW-Fah­rer und et­wa 150 Fah­rer der West­bus und Ar­min Marx NEW-Vor­stand de­ren Töch­tern.

Ei­ne ge­plan­te Ge­set­zes­än­de­rung könn­te Klar­heit ver­schaf­fen. Bis da­hin sind sich aber selbst Ju­ris­ten nicht ei­nig. In den Nah­ver­kehrs­plan sol­len über­dies die Pflicht zur Ta­rif­treue und zu So­zi­al­stan­dards der Bus­fah­rer auf­ge­nom­men wer­den. An­sons­ten wä­re es ei­nem pri­va­ten Un­ter­neh­men mög­lich, Fah­rer we­sent­lich we­ni­ger (et­wa nur den Min­dest­lohn) zu zah­len, das wirt­schaft­lichs­te An­ge­bot zu ma­chen und so den Zu­schlag zu er­hal­ten. Und selbst für die­sen Fall hat die SPD zu­letzt durch­ge­setzt, dass das neue Un­ter­neh­men al­le Bus­fah­rer über­neh­men müss­te.

Da wird’s aber pro­ble­ma­tisch: Die Gut­ach­ter, die mit die­sem Wunsch zu­letzt im Pla­nungs- und Bau­aus­schuss kon­fron­tiert wur­den, hiel­ten das für ei­nen er­heb­li­chen Ein­griff in die un­ter­neh­me­ri­sche Frei­heit und äu­ßer­ten gro­ße Zwei­fel. Dies öff­ne Tür und Tor, die ge­sam­te Direktvergabe an­zu­grei­fen. NEW-Vor­stand Marx warnt des­halb: „Wir müs­sen den Spa­gat schaf­fen zwi­schen ei­ner dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Aus­schrei­bung, die nicht an­greif­bar ist, und wich­ti­gen Stan­dards, die in den Nah­ver­kehrs­plan auf­ge­nom­men wer­den müs­sen.“

Ge­nau dar­um wird in den kom­men­den Mo­na­ten ge­run­gen wer­den. Bei ei­ner Be­triebs­ver­samm­lung herrsch­te zu­letzt gro­ße Ei­nig­keit da­rin, dass man gut zu­sam­men­ar­bei­ten muss. Fe­lix Hein­richs, SPD-Frak­ti­ons­chef und NEW-Auf­sichts­rat, be­tont: „Die NEW muss bis Mit­te des Jah­res di­rekt­ver­ga­be­fä­hig sein.“

„Wenn es zwin­gend nö­tig ist, dann wer­den die West­bus-Fah­rer zu­rück­ge­holt“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.