IN­TER­VIEW HANS PE­TER SCHLEGELMILCH (CDU) UND FE­LIX HEIN­RICHS (SPD) Ba­sis für Mön­chen­glad­bachs Auf­schwung ist gut

Die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den der Rats­mehr­heit be­rich­ten über ih­re Zu­sam­men­ar­beit, die Zie­le für 2017 und die Her­aus­for­de­rung Di­gi­ta­li­sie­rung.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - DAS IN­TER­VIEW FÜHR­TEN GA­BI PE­TERS, DENISA RICHTERS UND DIE­TER WE­BER

Herr Schlegelmilch, wuss­ten Sie, dass Fe­lix Hein­richs ein be­geis­ter­ter Tän­zer ist? SCHLEGELMILCH (zu Hein­richs) Nee, echt jetzt? (Hein­richs nickt) Was ist denn ihr Lieb­lings­tanz, Herr Schlegelmilch? SCHLEGELMILCH Boah, die Fra­ge ist bru­tal. Viel­leicht Tan­go. Aber ich be­herr­sche ihn nicht. HEIN­RICHS Mein Lieb­lings­tanz Lang­sa­mer Wal­zer. ist Ha­ben Sie schon ein­mal die Par­tei des je­weils an­de­ren ge­wählt? HEIN­RICHS CDU – nein, nie. SCHLEGELMILCH Ein paar Ge­heim­nis­se müs­sen schon blei­ben. Ei­nes kann ich ver­ra­ten: Ich ha­be nicht im­mer CDU ge­wählt. Wir fra­gen das, weil auf­fällt, dass Sie sich be­son­ders gut ver­ste­hen. Was ist an­ders in Ih­rem Ver­hält­nis im Ver­gleich zu den Spit­zen an­de­rer Ko­ope­ra­tio­nen in der Ver­gan­gen­heit? HEIN­RICHS Wir ha­ben uns von An­fang sehr gut ver­stan­den, weil wir in vie­len Din­gen ähn­lich den­ken. SCHLEGELMILCH Ich glau­be, dass der we­sent­lichs­te Un­ter­schied heu­te da­rin be­steht, dass un­se­re Zu­sam­men­ar­beit nicht dar­auf aus­ge­rich­tet ist, ei­nen Mi­ni­mal­kon­sens zu er­rei- chen. Wir wol­len Di­enst am Bür­ger leis­ten – das steht für uns im Mit­tel­punkt. Wir ha­ben im Ver­gleich zu an­de­ren Ko­ope­ra­tio­nen mehr in ei­ner kür­ze­ren Zeit er­reicht. Po­la­ri­sie­ren muss im po­li­ti­schen Ge­schäft sein. Aber nicht un­be­dingt in der Kom­mu­nal­po­li­tik. Da geht es in ers­ter Li­nie um die Schnitt­men­gen, um den täg­li­chen Prag­ma­tis­mus. HEIN­RICHS Stimmt! Wir ge­hen nicht in die Ge­sprä­che mit dem Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner, um am En­de er­klä­ren zu kön­nen: Das ha­ben wir der CDU jetzt ab­ge­run­gen. Da kön­nen sich die Groß-Ko­ali­tio­nä­re in Ber­lin Ei­ni­ges aus Glad­bach ab­gu­cken. HEIN­RICHS Man kann die Si­tua­ti­on hier in Mön­chen­glad­bach nicht auf an­de­re über­tra­gen. SCHLEGELMILCH Wir ha­ben nicht die Zeit, uns mit sol­chen Schau­plät­zen groß zu be­schäf­ti­gen. Je­der von uns bei­den hat zwei Un­ter­neh­men un­ter ei­nen Hut zu be­kom­men: die Po­li­tik und die ei­ge­ne Fir­ma. Wir ori­en­tie- ren uns in al­lem an der Sa­che, hun­dert­pro­zen­tig und mit ei­ner gro­ßen Dis­zi­plin. HEIN­RICHS Und wir ha­ben gu­te Frak­ti­ons­ge­schäfts­füh­rer, die sehr gut zu­sam­men­ar­bei­ten. In Mön­chen­glad­bach herrscht Auf­bruchs­stim­mung. Wo­her kommt die­ser Spi­rit, die po­si­ti­ve Stim­mung? HEIN­RICHS Die Stim­mung ist von der Sum­me der Din­ge ab­hän­gig, die po­si­tiv mit Mön­chen­glad­bach in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den. Vie­les sto­ßen wir an, aber be­ein­flus­sen kön­nen wir viel­leicht zehn Pro­zent. Das Win­ter­sport­spek­ta­kel Big Air passt da wun­der­bar ins Bild: Das ha­ben wir nicht in der Po­li­tik auf den Weg ge­bracht. Aber es ist plötz­lich mög­lich, weil die Vor­aus­set­zun­gen jetzt in Mön­chen­glad­bach an­de­re sind. CDU und SPD be­flü­geln den Pro­zess. SCHLEGELMILCH Als die bei­den Frak­tio­nen als Rats­ko­ope­ra­ti­on ge­star­tet sind, hat man ih­nen nichts zu­ge­traut . . . HEIN­RICHS . . . uns bei­den im Üb­ri­gen auch nicht . . . SCHLEGELMILCH . . . aber jetzt stellt man fest, dass es er­staun­lich gut läuft. Nur ein Bei­spiel: Wir ha­ben an der Steu­er­schrau­be ge­dreht, Ge­wer­be­steu­er und Grund­steu­er er­höht. Aber wir ha­ben auch zu­gleich er­klärt: Da­zu gibt es ei­ne Sto­ry, ein Ziel-Kon­zept ,wach­sen­de Stadt’, und wir mo­de­rie­ren ei­nen Wachs­tums­pro­zess, und da­für braucht es ei­ne An­lau­fin­ves­ti­ti­on. Es ist nicht un­ser Geld, son­dern das der Bür­ger. Aber wir trau­en uns ein­fach, auch et­was Un­ge­wöhn­li­ches zu tun. Und wir trau­en den Bür­gern zu, das auch zu tun. HEIN­RICHS Ein Bei­spiel: Für das Fest des Grün­der­zeit­vier­tels wur­de mit der Bis­marck­stra­ße ei­ne Haupt­ver­kehrs­ader der Stadt für ein gro­ßes Früh­stück kom­plett ge­sperrt. Frü­her wä­re so et­was in Mön­chen­glad­bach doch un­denk­bar ge­we­sen. Wie wich­tig ist es da, dass zwei Un­ter­neh­mer die po­li­ti­sche Mehr­heit an­füh­ren? SCHLEGELMILCH So neu ist das hier nicht. Ent­schei­dend ist aber, dass wir aus ganz an­de­ren Bran­chen kom­men und mit der Stadt selbst kei­ne Be­rüh­rungs­punk­te ha­ben. HEIN­RICHS Wir sind un­ab­hän­gig, wir ste­hen be­ruf­lich nicht in ei­ner Be­zie­hung zur Stadt. Aber wir be­trach­ten die Stadt auch aus der War­te ei­nes Un­ter­neh­mers: Da geht’s um Kun­den­zu­frie­den­heit, um Ab­läu­fe, um Con­trol­ling. SCHLEGELMILCH Und es hilft uns da­bei sehr, dass wir da­bei den Blick von au­ßen auf die Stadt ha­ben. Al­le In­ves­ti­tio­nen müs­sen Wachs­tums­zie­len die­nen und dem Bür­ger Nut­zen brin­gen. Wenn wir gro­ße Ge­bie­te wie das Ma­ria-Hilf-Ge­län­de oder das Re­me-Ge­län­de ent­wi­ckeln, ge­ben wir die­se Aus­rich­tung auch so an In­ves­to­ren wei­ter. Die ste­hen in Mön­chen­glad­bach im Ge­gen­satz zu Düs­sel­dorf nicht un­be­dingt Schlan­ge. . . SCHLEGELMILCH Irr­tum, auch in Mön­chen­glad­bach ste­hen die In­ves­to­ren Schlan­ge. Nur was wir ver­lan­gen, ist Qua­li­tät. Wir er­mun­tern In­ves­to­ren ge­ra­de­zu, noch ein Quänt­chen mehr Qua­li­tät zu wa­gen. HEIN­RICHS Auch da­für ein Bei­spiel. Wenn wir das Re­me-Ge­län­de kon­kre­ti­sie­ren, wird es ein gan­zes Pa­ket ge­ben, das wir an In­ves­to­ren wei­ter­ge­ben: Das be­inhal­tet den frei fi­nan­zier­ten, aber auch den so­zia­len Woh­nungs­bau. Es wird Häu­ser, Woh­nun­gen, Kin­der­gar­ten und an­de­re So­zi­al­ein­rich­tun­gen ge­ben. Eben die gan­ze Pa­let­te. Und wir wer­den kla­re Vor­ga­ben für das Um­feld ma­chen. Et­wa, dass der Glad­bach re­na­tu­riert wer­den muss. Das al­les re­geln wir über Be­bau­ungs­plä­ne und städ­te­bau­li­che Ver­trä­ge. Das gilt dann auch für das Ma­ria-Hil­fGe­län­de. Da sol­len am En­de nicht nur äl­te­re, rei­che Men­schen le­ben. In die­sem Jahr hat die neue Stadt­toch­ter Mags ih­ren Di­enst be­gon­nen. Das Ziel: Die Stadt soll sau­be­rer wer­den, das Grün bes­ser ge­pflegt sein und die Stra­ßen we­ni­ger Schlag­lö­cher ha­ben. Wie ist die Bi­lanz? SCHLEGELMILCH Ich fin­de sie sen­sa­tio­nell. Wir müs­sen ja be­rück­sich­ti­gen, dass Mags erst seit drei Mo­na­ten ar­bei­tet. Die Stu­fe 1 ist nach mei­ner An­sicht schon er­reicht: An den Aus­fall­stra­ßen ist es we­sent­lich sau­be­rer, sie sind nicht mehr ver­müllt. Das wird sich 2017 fort­set­zen. Dann wird Mags un­ter an­de­rem ziel­ge­rich­tet Graf­fi­ti be­sei­ti­gen. HEIN­RICHS Nach dem Ge­ro­wei­her wird sich Mags mit dem Stadt­wald be­schäf­ti­gen, da aber ein an­de­res Kon­zept fah­ren. Es ist dar­an aus­ge­rich­tet, wie das Nut­zer­ver­hal­ten im Stadt­wald ist. Da geht es dann um Park­ge­stal­tung, Park­bän­ke, Gril­lan­la­gen – und na­tür­lich auch Müll. Müll fällt ja nicht vom Him­mel, son­dern wird von Men­schen pro­du­ziert. SCHLEGELMILCH Und da er­hof­fen wir uns, dass der Ein­satz der Müll­de­tek­ti­ve für ein Um­den­ken, für ein an­de­res Be­wusst­sein sorgt. Die Bür­ger müs­sen auch selbst ak­tiv wer­den und an­de­re dar­auf auf­merk­sam ma­chen, wenn Zi­ga­ret­ten­kip­pen ein­fach weg­ge­schnippt oder Kau­gum­mi auf die Stra­ße ge­spuckt wird. HEIN­RICHS Das scheint ei­ne Un­art in Mön­chen­glad­bach zu sein. Man muss sich nur mal den Son­nen­haus­platz an­gu­cken, wie vie­le Kau­gum­mis da schon wie­der fest­ge­tre­ten sind. Der Platz sieht des­halb schon rich­tig schä­big aus. SCHLEGELMILCH Da stim­me ich dir zu. Wir sind jetzt al­le in Vor­leis­tung ge­tre­ten. Aber da muss noch mehr kom­men – auch und ge­ra­de von Bür­gern. Aber es gibt auch vie­le gu­te Bei­spie­le: Vie­le Haus­ei­gen­tü­mer ha­ben das Um­feld und die Fas­sa­den ih­rer Häu­ser deut­lich ver­bes­sert. Das kann man zum Bei­spiel an der Hof­stra­ße und der Richard-Wa­gner­Stra­ße se­hen. Was wer­den die gro­ßen The­men für 2017 sein? SCHLEGELMILCH Sie wer­den im We­sent­li­chen auch die des Jah­res 2016 sein: Bil­dung, De­mo­gra­fie­ma­nage­ment/Wohn­um­feld, Wirt­schafts­för­de­rung, Di­gi­ta­li­sie­rung. Das sind al­les gro­ße Kom­ple­xe, die nicht in ei­nem Jahr ab­ge­han­delt wer­den kön­nen. HEIN­RICHS Wir wer­den zum Bei­spiel 2017 ei­nen neu­en Schul­ent­wick­lungs­plan be­kom­men. Und der ori­en­tiert sich nicht nur an Fra­gen, wel­che Schü­ler wir jetzt ha­ben, wel­che in ei­ni­gen Jah­ren und wel­che Schu­len wir schlie­ßen und nicht schlie­ßen sol­len. Die­ser Ent­wick­lungs­plan geht mehr da­von aus, Schul­pro­fi­le zu be­to­nen, ih­re Schwer­punk­te her­aus­zu­ar­bei­ten, Schul-Ko­ope­ra­tio­nen im Blick zu ha­ben. Frü­her ha­ben wir von der SPD ei­ne neue Ge­samt­schu­le ge­for­dert und die CDU hat die Schlie­ßung von Haupt­schu­le zu ver­hin­dern ver­sucht. Das sind die Ge­schich­ten von ges­tern, wir müs­sen die Schu­len von mor­gen ent­wi­ckeln. SCHLEGELMILCH Wir ma­chen das nicht an Schul­for­men fest. Aber ich will, dass es spe­zi­el­le Schul­an­ge­bo­te auch in Mön­chen­glad­bach gibt und Schü­ler des­halb nicht nach Düs­sel­dorf müs­sen. Wie sieht es mit dem The­ma Di­gi­ta­li­sie­rung aus? SCHLEGELMILCH Das hängt ganz eng mit der Wirt­schafts­för­de­rung zu­sam­men. Beim An­teil der di­gi­ta­len Wirt­schaft hal­ten wir in Mön­chen­glad­bach mit Düs­sel­dorf und Köln mit. Wo­bei die di­gi­ta­le Wirt­schaft nicht ei­ne ei­ge­ne Bran­che ist, sie be­trifft uns al­le. Wir müs­sen als Kom­mu­ne die ent­spre­chen­de DNA schaf­fen. CDU und SPD ha­ben da­für ge­sorgt, dass bei der Ver­wal­tung das not­wen­di­ge Be­wusst­sein vor­han­den ist, in der Po­li­tik ha­ben wir für die Ziel­aus­rich­tung die not­wen­di­ge Mehr­heit. Jetzt gilt es, Netz­wer­ke zu schaf­fen mit Stadt, Fir­men­grün­dern und eta­blier­ten Un­ter­neh­men. Das ist die Her­aus­for­de­rung der Zu­kunft, denn Di­gi­ta­li­sie­rung von Pro­duk­ten und Pro­zes­sen ist al­les. Wie zu­frie­den sind Sie mit der Ar­beit von Ober­bür­ger­meis­ter Hans Wil­helm Rei­ners? HEIN­RICHS War­um fra­gen Sie so et­was? Bei der Zu­sam­men­ar­beit ha­ben wir ei­nen ganz en­gen Draht. Ich wün­sche mir, dass er an­de­re und mehr Schwer­punk­te selbst setzt. Aber er lässt uns in Ru­he ar­bei­ten. SCHLEGELMILCH Der OB ge­hört fest da­zu. Er ist Teil der Mehr­heit. Und er setzt an den Stel­len Schwer­punk­te, die ihm wich­tig sind, et­wa Rad fah­ren in der Stadt und Tour de Fran­ce. Im nächs­ten Jahr müs­sen Sie ent­schei­den, ob Stadt­käm­me­rer Bernd Ku­ckels wie­der­ge­wählt wird. Die CDU hat das Vor­schlags­recht. Wie ist da der Stand der Dis­kus­sio­nen? SCHLEGELMILCH Das ist im Mo­ment kein The­ma. Wir wer­den uns mit den Be­tei­lig­ten über die Ziel­vor­stel­lun­gen aus­tau­schen. Und das zur rich­ti­gen Zeit.

RP-FO­TOS: ISA­BEL­LA RAUPOLD

Fe­lix Hein­richs (SPD, l.) und Hans Pe­ter Schlegelmilch (CDU) zur Leit­li­nie ih­rer Zu­sam­men­ar­beit: „Wir sind nicht dar­auf aus­ge­rich­tet, ei­nen Mi­ni­mal­kon­sens zu er­rei­chen“, sagt Schlegelmilch. Hein­richs fügt an: „Und uns geht’s nicht dar­um, sa­gen zu kön­nen: Das ha­ben wir der CDU ab­ge­run­gen’.“

„Wir ha­ben ei­ne Sto­ry, ein Ziel­kon­zept. Und das ist die wach­sen­de Stadt“, be­haup­ten Hein­richs (l.) und Schlegelmilch.

Schlegelmilch: Ku­ckels? Kein The­ma.

Hein­richs: Un­art in Glad­bach.

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