Das Jahr der aus­ge­fal­le­nen Drinks

In der Bar Plas­tique mixt Ben­ja­min Bah­ma­ni nur noch au­ßer­ge­wöhn­li­che Cock­tails. Gin, Wod­ka und Co. wer­den et­wa mit Gum­mi­bär­chen und fri­schen Zu­ta­ten neu in­ter­pre­tiert. Zu Sil­ves­ter er­klärt der Bar­kee­per, wie der Mo­ji­to ge­lingt.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON NI­NA JEDRYCHOWSKI

Die meis­ten Bar­kee­per brau­chen 15 Mi­nu­ten für ei­nen Drink. Als Ben­ja­min Bah­ma­ni an die­sem Abend in der Bar Plas­tique sei­ne fünf bes­ten Krea­tio­nen vor­führt, braucht er gut 20 Mi­nu­ten. Die Er­geb­nis­se sind klei­ne Kunst­wer­ke in Glä­sern. Sex on the Beach und Mo­ji­to sind zwar schon seit Jahr­zehn­ten die Klas­si­ker un­ter den Cock­tails. Doch au­ßer­ge­wöhn­lich sind sie nicht mehr, fin­det der Bar­kee­per. Neu sind „Fan­cy Drinks“: aus­ge­fal­le­ne Getränke.

Der­ar­ti­ge Drinks fin­den die Gäs­te der Bar Plas­tique in der Glad­ba­cher Alt­stadt un­ter den Mot­tos „Jel­ly Ba­by“oder „Glüh­wein­a­bend“an au­ser­wähl­ten Aben­den auf der Ta­ges­kar­te. Dann kom­men Gum­mi­bär­chen oder Glüh­wein mit in den Cock­tails­haker. „Die Ide­en für die The­men­aben­de stam­men von mir“, sagt Ben­ja­min Bah­ma­ni, Chef der Bar Plas­tique.

Aber auch an nor­ma­len Aben­den be­stel­len die Gäs­te kei­ne Stan­dard­cock­tails. Bah­ma­ni hat nur Au­ßer­ge­wöhn­li­ches auf der Cock­tail-Kar­te. Der be­lieb­tes­te Drink ist in die­sem Jahr et­wa der „Moscow Mu­le“. Mit fri­schen Kräu­tern, ei­ner Gur­ken­schei­be und Gin­ger Beer (Ing­wer­bier) wird der Gin in ei­nem Kup­fer­be­cher ge­nos­sen. In Mön­chen­glad­bach fin­det man ihn sel­ten. „Mön­chen­glad­bach hat viel zu bie­ten. Man muss für ei­nen gu­ten Drink nicht nach Düs­sel­dorf fah­ren“, sagt Ben­ja­min Bah­ma­ni. Die Bar­kee­per in­ter­pre­tie­ren man­chen Drink ein­fach neu – wie den Fla­ming Lam­bor­ghi­ni. Der wird bei Bah­ma­ni in sechs Pha­sen ge­mixt. Die­se Schich­ten bil­den sich durch die un­ter­schied­li­chen Dich­ten der sechs Flüs­sig­kei­ten. Ähn­lich wie bei Was­ser und Öl. Oben an­ge­zün­det wird der noch bren­nen­de Shot so­fort ge­trun­ken. „Ich ex­pe­ri­men­tie­re und schaue was schmeckt“, sagt Musta­fa Du­ma, eben­falls Bar­kee­per der Bar Plas­tique. So ent­stan­den auch der haus­ei­ge­ne Drink „Plas­tique“, mit ei­ner Brom­bee­re gar­niert, und der Ur­laubs­drink „Peach“, der nach Pfir­sich schmeckt.

Doch die­se Cock­tails gibt es erst seit kur­zem in Mön­chen­glad­bach. Vor drei Jah­ren bot auch die Bar Plas­tique die Klas­si­ker der Cock­tails an, wie Sex on the Beach und Mo­ji­to. Ben­ja­min Bah­ma­ni mach­te die Bar zu und ging auf Rei­sen. Er such­te nach In­spi­ra­tio­nen, um sich mit sei­ner Bar ab­zu­he­ben. Der „App­le­ti­ni“zum Bei­spiel ist ein ty­pi­scher Drink aus New York. Für die meis­ten Mön­chen­glad­ba­cher noch ein Exot, aber in der Bar Plas­tique wird er ger­ne ge­trun­ken. Und auf Ibi­za kam Ben­ja­min Bah­ma­ni die Idee des „Blue Mar­lin“in ei­nem Club. Die de­tail­lier­ten Re­zep­te sei­ner Drinks möch­ten die Bar­kee­per aber nicht ver­ra­ten.

Pas­send zur Ge­trän­ke­kar­te än­der­te sich das Am­bi­en­te. Die Rä­um­lich­kei­ten ei­ner ehe­ma­li­gen Ke­gel- bahn wur­den zu ei­ner 15 Me­ter lan­gen The­ke um­ge­baut. Hin­ter ihr sind di­ver­se Gin Sor­ten aus­ge­stellt. Sie kom­men aus den ver­schie­dens­ten Re­gio­nen – aus dem Saar­land, Pa­ris und Ita­li­en. Die Spi­ri­tuo­sen wer­den in aus­ge­wähl­ten Lä­den ge­kauft. „Bei uns wird nur gu­te Qua­li­tät ser­viert“, sagt Bah­ma­ni.

Zu­sätz­lich be­sitzt die Bar zwei Tanz­flä­chen. Ab 24 Uhr wird die Mu­sik lau­ter, die Lich­ter wer­den ge­dämmt, und aus der Bar wird ein Club. „Wir ha­ben das Groß­stadt­ni­veau in ei­nem Kel­ler“, sagt der Ge­schäfts­füh­rer. Am Sil­ves­ter-Abend bleibt die Bar al­ler­dings ge­schlos­sen. „Ich war selbst seit ge­fühl­ten zehn Jah­ren nicht mehr fei­ern“, sagt Ben­ja­min Bah­ma­ni. Er üb­te den Job des Bar­kee­pers schon mit 16 Jah­ren im Club „Die Nacht“in der Alt­stadt aus. Den dor­ti­gen Ge­schäfts­füh­rer Ba­bak Ah­ma­di nennt er sei­nen Men­tor. Des­halb wird Ben­ja­min Bah­ma­ni mit sei­nem Team kei­ne Cock­tails für Gäs­te mi­xen, son­dern selbst mit gu­ten Drinks ins neue Jahr fei­ern. Er ist si­cher: Auch 2017 wird ein aus­ge­fal­le­nes Jahr, wenn die al­ten Klas­si­ker Whis­key und Bour­bon ihr Come­back fei­ern.

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