„Die Ma­ghreb-Staa­ten sind nicht si­cher“

Der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Grü­nen im Düs­sel­dor­fer Land­tag lehnt Tran­sit­zo­nen und ei­ne län­ge­re In­ge­wahrs­am­nah­me ab.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - DET­LEV HÜWEL STELL­TE DIE FRA­GEN.

War­um wol­len die Grü­nen Ma­rok­ko, Al­ge­ri­en und Tu­ne­si­en nicht als si­che­re Her­kunfts­län­der ein­stu­fen? MOSTOFIZADEH Für Ho­mo­se­xu­el­le oder kri­ti­sche Jour­na­lis­ten kön­nen die Ma­ghreb-Staa­ten nicht als si­cher gel­ten. Durch die Ein­stu­fung als si­che­re Her­kunfts­län­der er­gibt sich we­der ein nen­nens­wer­ter Be­schleu­ni­gungs­ef­fekt bei den Ver­fah­ren, noch hilft sie bei je­nen Rück­füh­run­gen, die an der Auf­nah­me­be­reit­schaft die­ser Staa­ten schei­tern. Soll­te NRW die Ab­schie­bun­gen for­cie­ren? MOSTOFIZADEH Voll­zieh­bar aus­rei­se­pflich­ti­ge Flücht­lin­ge müs­sen un­ser Land ver­las­sen. Vor­aus­set­zung da­für ist al­ler­dings, dass die An­trä­ge erst ein­mal ent­schie­den wer­den. Beim Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf) sind aber im­mer noch 500.000 Asyl­an­trä­ge nicht ent­schie­den. Zu­dem müs­sen die Her­kunfts­län­der be­reit sein, ih­re Staats­an­ge­hö­ri­gen zu­rück­zu­neh­men und Pass­pa­pie­re aus­zu­stel­len. Der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter hat schon vor Mo­na­ten Ver­bes­se­run­gen für die Ma­ghreb-Län­der in Aus­sicht ge­stellt, konn­te bis­lang aber noch nichts Sub­stan­zi­el­les lie­fern. Im Ge­gen­satz da­zu hat NRW er­folg­reich die Be­ra­tung zur frei­wil­li­gen Rück­kehr aus­ge­baut. Was hal­ten Sie von Tran­sit­zo­nen? MOSTOFIZADEH Tran­sit­zo­nen set­zen dau­er­haf­te Grenz­kon­trol­len im Schen­gen­raum vor­aus, die in der EU nicht vor­ge­se­hen sind. Die Asyl­schnell­ver­fah­ren, die dort statt­fin­den sol­len, ent­spre­chen nicht den rechts­staat­li­chen Stan­dards un­se­res re­gu­lä­ren Asyl­ver­fah­rens. Rück­füh­run­gen aus ei­ner Tran­sit­zo­ne kön­nen au­ßer­dem auch nur mit Iden­ti- täts­fest­stel­lun­gen und Pass­pa­pie­ren durch­ge­führt wer­den. Das si­cher­zu­stel­len, wä­re Auf­ga­be des Bun­des­in­nen­mi­nis­ters. Was läuft schief beim Ab­gleich der Da­ten von Zu­wan­de­rern, un­ter de­nen sich auch Kri­mi­nel­le be­fin­den? MOSTOFIZADEH Das Schen­ge­ner In­for­ma­ti­ons­sys­tem als eu­ro­päi- sche Fahn­dungs­da­tei hat sich im Grund­satz be­währt. Al­ler­dings muss man sich schon fra­gen, war­um das Bamf ei­ne schnel­le­re Er­fas­sung der Da­ten bei Ge­flüch­te­ten nur müh­sam er­reicht. Die for­dert, die In­ge­wahrs­am­nah­me wie in Bay­ern auf 14 Ta­ge aus­zu­wei­ten. Ist das sinn­voll? MOSTOFIZADEH Das NRW-Po­li­zei­ge­setz sieht ei­ne In­ge­wahrs­am­nah­me zur aku­ten Ge­fah­ren­ab­wehr für ei­nen be­fris­te­ten Zei­t­raum vor. Wenn An­halts­punk­te für ei­ne Straf­tat vor­lie­gen, kann ein Haft­an­trag ge­stellt wer­den, über den ein Rich­ter ent­schei­den muss. Uns ist nicht be­kannt, dass dies im Fal­le von Anis Am­ri ver­sucht wur­de. Mit ak­tio­nis­ti­schen Vor­schlä­gen kann man den Stamm­tisch ge­win­nen, mehr Si­cher­heit aber nicht.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.