Mi­nis­ter warnt vor il­le­ga­len Böl­lern

Die Deut­schen ge­ben in die­sem Jahr rund 133 Mil­lio­nen Eu­ro für Feu­er­werk aus. Et­li­ches da­von stammt aus un­ge­prüf­ten Qu­el­len – und kann enor­me Spreng­kraft ent­fal­ten.

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA -

DÜSSELDORF (dpa/epd) Drei Ta­ge lang dür­fen in Deutsch­land Böl­ler und Ra­ke­ten ver­kauft wer­den – heu­te geht’s los. Nach Schät­zung des Ver­bands der py­ro­tech­ni­schen In­dus­trie (VPI) in Ra­tin­gen wer­den vor­aus­sicht­lich rund 133 Mil­lio­nen Eu­ro fürs Sil­ves­ter-Feu­er­werk aus­ge­ge­ben, eben­so viel wie im Vor­jahr. Im Trend lie­gen nach An­ga­ben des Ver­bands wei­ter­hin so­ge­nann­te Bat­te­rie- oder Ver­bund­feu­er­wer­ke, die nur ein­mal an­ge­zün­det wer­den müs­sen und dann zahl­rei­che Ef­fek­te ab­feu­ern. „Sound- und Licht­ef­fek­te fas­zi­nie­ren die Ver­brau­cher mitt­ler­wei­le mehr als nur ein ein­zel­ner Knall“, so der VPI-Ge­schäfts­füh­rer Klaus Got­zen.

Der kann es al­ler­dings in sich ha­ben. NRW-Ar­beits­mi­nis­ter Rai­ner Schmel­tzer (SPD) warnt da­vor, il­le­ga­le Böl­ler im In­ter­net oder im Aus­land zu kau­fen. „Je­des Jahr kommt es zu schwe­ren Un­fäl­len, bei de­nen Men­schen Au­gen­licht, Hör­ver­mö­gen oder Hän­de ver­lie­ren“, er­klär­te Schmel­tzer. Nicht zu­ge­las­se­ne Feu­er­werks­kör­per ab­zu­feu­ern, sei nicht nur ge­fähr­lich, son­dern auch ver­bo­ten. Wer ei­nen Spreng­satz bei­spiels­wei­se mit Hil­fe ei­ner An­lei­tung aus dem In­ter­net baut, macht sich straf­bar. Denn da­bei kann die Streng­kraft un­ter Um­stän­den un­ge­ahn­te Aus­ma­ße ent­fal­ten und so gro­ße Schä­den an­rich­ten. Ex­plo­si­ons­stof­fe un­ter­lie­gen dem Spreng­stoff- und dem Waf­fen­ge­setz. Dar­auf macht die Po­li­zei­li­che Kri­mi­nal­prä­ven­ti­on der Län­der und des Bun­des (ProPK) auf­merk­sam. Bei ei­nem ent­spre­chen- den Ver­ge­hen kann ei­ne Frei­heits­stra­fe von sechs Mo­na­ten bis zu fünf Jah­ren dro­hen. Straf­bar macht sich auch der­je­ni­ge, der ge­gen das Zoll- und Spreng­stoff­recht ver­stößt – al­so et­wa un­ge­prüf­te oder in Deutsch­land nicht zu­ge­las­se­ne Böl­ler kauft, wei­ter­gibt oder sie an­zün­det. Dann dro­hen Frei­heits­stra­fen von bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fen bis zu 50.000 Eu­ro. Il­le­ga­les Feu­er­werk kommt nach An­ga­ben des Mi­nis­ters meist aus Chi­na und ge­langt über Tsche­chi­en und Po­len nach Deutsch­land. Dort wer­de es auf Märk­ten ver­kauft oder über das In­ter­net an­ge­bo­ten. Die­se Feu­er­werks­kör­per ent­hiel­ten oft viel zu viel Ex­plo­siv­stof­fe oder statt Schwarz­pul­ver noch ge­fähr­li­che­ren Spreng­stoff, hieß es. Teil­wei­se wür­den so­gar Pro­fib­öl­ler an­ge­bo­ten, die ein Au­to in die Luft ja­gen könn­ten. „Wer il­le­ga­le Böl­ler be­nutzt, ris­kiert sei­ne Ge­sund­heit, wenn nicht so­gar sein Le­ben“, sag­te Schmel­tzer. Der Mi­nis­ter emp­fiehlt, nur ge­prüf­te ent­spre­chend ge­kenn­zeich­ne­te Feu­er­werks­ar­ti­kel zu kau­fen. Die­se sei­en am BAM-Prüf­sie­gel der Bun­des­an­stalt für Ma­te­ri­al­for­schung oder ei­nem CE-Kenn­zei­chen zu er­ken­nen, hieß es. „Ein CEZei­chen ist Pflicht“, er­klärt Klaus Got­zen vom Ver­band der py­ro­tech­ni­schen In­dus­trie. Hin­ter dem Zei­chen steht ei­ne vier­stel­li­ge Num­mer. Auch das Kür­zel F2 ist auf dem Knal­ler zu se­hen. F2 ist die Feu­er­werks­kör­perKa­te­go­rie, in die Böl­ler und Ra­ke­ten fal­len, die zwi­schen 29. und 31. De­zem­ber ver­kauft wer­den dür­fen. Die­se Ka­te­go­rie be­deu­tet „ge­rin­ge Ge­fahr“. Wer sei­ne Knal­ler und Ra­ke­ten in Su­per­märk­ten oder Dro­ge­ri­en kauft, kön­ne fast hun­dert­pro­zen­tig si­cher sein, dass er ge­prüf­te Pro­duk­te be­kommt, sagt Got­zen. Mi­nis­ter Schmel­tzer rät ins­ge­samt zu um­sich­ti­gem Ver­hal­ten. Vor dem Ab­bren­nen des Feu­er­werks soll­ten die Hin­wei­se ge­le­sen und die nö­ti­gen Si­cher­heits­ab­stän­de ein­ge­hal­ten wer­den. Ra­ke­ten und Fon­tä­nen soll­ten nie­mals un­ter Bäu­men, La­ter­nen oder Vor­dä­chern ge­zün­det, son­dern von ei­ner frei ste­hen­den „Ab­schuss­ram­pe“aus ge­star­tet wer­den. Blind­gän­ger soll­ten nicht er­neut an­ge­zün­det wer­den. Wäh­rend der Knal­le­rei soll­ten zu­dem die Fens­ter und Tü­ren der Häu­ser ge­schlos­sen blei­ben. Vor Kir­chen, Kran­ken­häu­sern, Kin­der- oder Al­ters­hei­men ist das Zün­den von Böl­lern und Ra­ke­ten grund­sätz­lich un­ter­sagt. Mit ei­nem Vi­deo bit­tet die Ge­werk­schaft der Feu­er­wehr zu­dem um mehr Re­spekt für Ret­tungs­kräf­te. „Spä­tes­tens zum Jah­res­wech­sel wer­den Ein­satz­per­so­nal von Feu­er­wehr und Ret­tungs­dienst wie­der zur Ziel­schei­be von Ra­ke­ten und Böl­lern“, be­rich­te­te die Ge­werk­schaft aus lei­di­ger Er­fah­rung. „Re­spekt – ja, bit­te“lau­tet der Ap­pell von Ein­satz­kräf­ten, die in dem kur- zen Film von ein­schlä­gi­gen Si­tua­tio­nen be­rich­ten.

Un­fäl­le mit Feu­er­werks­kör­pern pas­sie­ren häu­fig in Kom­bi­na­ti­on mit Al­ko­hol, der nicht nur Ju­gend­li­che leicht­sin­nig macht. „Es muss ja nicht die Null-Pro­mil­le-Gren­ze sein, aber wie beim Au­to­fah­ren gilt: Bes­ser an­de­re an das Steu­er – al­so an die Zünd­schnur – las­sen, wenn man ge­trun­ken hat“, sagt Rai­ner Weis­kir­chen, Fach­mann für Pro­dukt­si­cher­heit bei TÜV Rhein­land. Ver­ant­wor­tungs­voll han­delt laut dem Ex­per­ten, wer in sei­ner Um­ge­bung al­ko­ho­li­sier­ten Per­so­nen das Zün­den von Feu­er­werks­pro­duk­ten un­ter­sagt. Um Brän­den und Ver­let­zun­gen vor­zu­beu­gen, sei­en vor al­lem um­sich­ti­ge Er­wach­se­ne ge­fragt.

Um­sicht soll­te man auch im Um­gang mit Haus­tie­ren wal­ten las­sen. Hun­de und Kat­zen soll­ten im Haus ei­nen Rück­zugs­ort ha­ben, an dem sie sich si­cher füh­len, rät der Tier­schutz­bund. Bei ge­schlos­se­nen Fens­tern und her­un­ter­ge­las­se­nen Rol­los sei­en die Aus­wir­kun­gen des Feu­er­werks auf die Tie­re meist schon we­ni­ger dra­ma­tisch.

FOTO: BREUEL

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.