Ent­schei­dung: Tie­re dür­fen wei­ter laut sein

Die Tier­ge­räu­sche im Oden­kir­che­ner Zoo sind hin­nehm­bar. Zu die­sem Er­geb­nis kommt das Amts­ge­richt Rhe­ydt nach der Be­weis­auf­nah­me. Die Kla­ge ei­nes An­woh­ners, der sich über die Schreie von Pfau­en är­ger­te, ist da­mit ge­schei­tert.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON GABI PE­TERS

Der mehr als zwei­jäh­ri­ge Streit vor Ge­richt we­gen „schlaf­rau­ben­der Tier­ge­räu­sche“ist vor­läu­fig be­en­det. Das Amts­ge­richt Rhe­ydt wies ges­tern die Kla­ge ei­nes An­woh­ners des Tier­gar­tens Oden­kir­chen zu­rück. Der Mann hat­te sich durch die Schreie der Pfau­en und den Ruf des Hahns in dem klei­nen Zoo mas­siv ge­stört ge­fühlt und des­halb auf ei­ne rich­ter­li­che Klä­rung ge­pocht. Er ver­lang­te ei­ne „Un­ter­las­sung der Pf­au­ge­räu­sche“. Was folg­te, war ei­ne um­fang­rei­che Be­weis­auf­nah­me mit Orts­ter­mi­nen, Zeu­ge­n­an­hö­run­gen, Ge­räusch­pe­gel­mes­sun­gen und Gut­ach­ten.

Der Fall ist skur­ril, für vie­le so­gar re­gel­recht ha­ne­bü­chen, aber aus Rich­ter­sicht gar nicht so ein­fach zu be­ur­tei­len: Denn für Pfau­en­schreie und Hahn­ge­krä­he gibt es kei­ne Laut­stär­ken-Richt- und Grenz­wer­te. Den­noch kam Rich­ter Dr. Ro­land Schlü­ter zum Schluss, dass die tie­ri­schen Ru­fe aus dem Tier­park Oden­kir­chen hin­nehm­bar sind. Ein Gut­ach­ter hat­te im April den pro­fes­sio­nel­len Lausch­test ge­macht. Er­geb­nis: Die Schreie der Pfau­en lie­gen im Spit­zen­wert drei bis fünf De­zi­bel über den Grenz­wer­ten, die in den all­ge­mei­nen Lärm­schutz­richt­li­ni­en für rei­ne Wohn­ge­bie­te (50 De­zi­bel am Tag, 35 De­zi­bel in der Nacht) fest­ge­legt sind. Zwar be­fin­de sich der Tier­park am Pix­busch in ei­nem Wohn­ge­biet, aber bei Vo­gel­ge­räu­schen müs­se man ein we­nig mehr Lärm hin­neh­men, da es zur art­ge­rech­ten Tier­hal­tung ge­hö­re, dass Pfau­en sich im Frei­en be­we­gen, heißt es in der Ur­teils­be­grün­dung.

Den Tier­gar­ten Oden­kir­chen gibt es be­reits seit 1957. Der Klä­ger zog erst sehr viel spä­ter in das Wohn­ge­biet – un­ge­fähr in den 1990er Jah­ren. Be­schwer­den von ihm über Tier­ge­räu­sche gab es häu­fi­ger. Mal wa­ren die Ka­me­r­un­scha­fe zu laut, dann wa­ren es die Zie­gen. Zu­letzt gin­gen Pfau­en und Hahn dem Mann auf die Ner­ven. Das Ki­ki­ri­ki des Hahns nachts um 3 Uhr ver­set­ze die Pfau­en au­ßer Rand und Band, ließ der Klä­ger das Ge­richt wis­sen. Und das sei laut, zu laut. Vor al­lem in der Balz­zeit.

Des­halb hat­te der An­woh­ner ein zwei­tes Gut­ach­ten ge­for­dert. Denn er woll­te, dass der pro­fes­sio­nel­le Lausch­test zur Balz­zeit der bun­ten Vö­gel statt­fin­det, al­so im Zei­t­raum von April bis Ju­li. Tat­säch­lich hat der Gut­ach­ter aber die Pf­au­ge­räu­sche im Au­gust ge­mes­sen – an zehn un­ter­schied­li­chen Ta­gen. Die Ver­zö­ge­rung sei aber die Schuld des Klä­gers ge­we­sen, sagt Land­ge­richts­spre­cher Jan-Phi­lip Schrei­ber. Denn mit ihm sei ver­ein­bart wor­den, dass er sich mel­det, wenn die Balz­zeit be­gon­nen hat und die Mes­sun­gen im ga­brie­le.pe­ters@rheinische-post.de Tier­park statt­fin­den sol­len. Doch dies sei nicht ge­sche­hen. Da­nach ha­be man dem Klä­ger ei­ne Frist ge­setzt. „Ein zwei­tes Gut­ach­ten zur Balz­zeit wur­de vom Amts­ge­richt ab­ge­lehnt. Denn das hät­te erst im kom­men­den Früh­jahr ge­macht wer­den kön­nen“, sagt Schrei­ber. Da der Mess­zeit­punkt in der Ver­ant­wor­tung des Klä­gers lag, ha­be das Ge­richt kei­nen Grund für ei­ne neu­er­li­che Ver­zö­ge­rung ei­ner rich­ter­li­chen Ent­schei­dung in ers­ter In­stanz ge­se­hen.

Der Klä­ger kann ge­gen das Ur­teil Be­ru­fung ein­le­gen. Tut er dies, dann dür­fen sich dem­nächst Rich­ter des Land­ge­richts mit die­sem ha(h)ne­bü­che­nen Fall be­schäf­ti­gen.

FOTOS: REICHARTZ, KNAP­PE, RAUPOLD, RÜTTEN

Ge­stat­ten, Ka­me­r­un­schaf, Jung­tier: Der Är­ger des Klä­gers rich­te­te sich pha­sen­wei­se auch ge­gen das Blö­ken der Scha­fe.

Auch Zie­gen (hier Ba­ren-Zie­gen) wa­ren in der Ver­gan­gen­heit im Fo­kus des Klä­gers.

Auch die See­hun­de sind mit­un­ter nicht un­be­dingt lei­se.

Ei­ne Test­mes­sung un­se­rer Re­dak­ti­on er­gab 56 De­zi­bel.

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