Ban­ken er­schwe­ren Kon­ten­su­che für Er­ben

Der Ver­band öf­fent­li­cher Ban­ken hilft nicht mehr, De­pots zu fin­den. NRW-Fi­nanz­mi­nis­ter Wal­ter-Bor­jans ist em­pört.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON REIN­HARD KO­WA­LEW­SKY

DÜSSELDORF/BER­LIN Seit Mo­na­ten for­dert NRW-Fi­nanz­mi­nis­ter Nor­bert Wal­ter-Bor­jans (SPD), es sol­le ein bun­des­wei­tes Zen­tral­re­gis­ter al­ler Kon­ten in Deutsch­land ge­ben, da­mit Er­ben Geld von Ver­stor­be­nen bes­ser fin­den kön­nen. Rund zwei Mil­li­ar­den Eu­ro könn­ten so den recht­mä­ßi­gen In­ha­bern zu­ge­führt wer­den, schät­zen sei­ne Ex­per­ten.

Doch nun funkt dem Mi­nis­ter ein Ver­band da­zwi­schen, in dem mit Por­ti­gon (frü­her Wes­tLB) und der NRW.Bank aus­ge­rech­net zwei Geld­häu­ser mit­mi­schen, die NRW sel­ber ge­hö­ren. Der Bun­des­ver­band Öf­fent­li­cher Ban­ken Deutsch­lands (VÖB) hat in ei­nem Brief an die Jus­tiz­mi­nis­ter al­ler Län­der be­kannt­ge­ge­ben, dass er nicht mehr hilft, Geld auf­zu­spü­ren, in­dem er im Auf­trag von Er­ben oder Rechts­pfle­gern bei sei­nen 29 Mit­glieds­in­sti­tu­ten nach Kon­ten, De­pots und Schließ­fä­chern fragt. Das Pa­pier vom 16. Sep­tem­ber liegt un­se­rer Re­dak­ti­on vor. Man wer­de das Ver­fah­ren „im Zu­ge ei­ner Straf­fung des Leis­tungs­spek­trums nicht mehr an­bie­ten“, heißt es.

Wal­ter-Bor­jans kri­ti­siert das Pa­pier als „un­sen­si­ble Mit­tei­lung“. Aber beim Ziel ei­nes zen­tra­len Re- gis­ters sieht er sich nur be­stärkt. Nun sei klar, „wie not­wen­dig die Ver­pflich­tung der Ban­ken zur ak­ti­ven Aus­kunf­ter­tei­lung ist, da­mit Er­ben zu ih­rem Recht kom­men.“

Auch der Bun­des­ver­band Deut­scher Nach­lass­pfle­ger (BDN) ist em­pört über den VÖB „Jetzt wird es noch schwe­rer, das Ver­mö­gen von Ver­stor­be­nen si­cher zu er­fas­sen“meint Falk Schulz, Vor­stand des BDN. Er sagt, dass Geld­häu­ser manch­mal fal­sche In­fos ge­ben. „Da heißt es ge­le­gent­lich zu­erst, es gä­be kein Kon­to. Aber wenn wir dann ei­ne Bank­kar­te fin­den und vor­le­gen, wird das Geld doch ge­fun­den.“

Die­se Kri­tik teilt Sy­bil­le Wol­fMohr, Vor­sit­zen­de des Ver­ban­des der Er­be­nermitt­ler. Sie sieht es als „Ver­let­zung der Kun­den­treue“, wenn Geld­häu­ser sich ech­ter Trans­pa­renz zu Kon­ten ver­wei­gern. „Der Er­be ist der neue Kun­de. Al­so müss­ten In­for­ma­tio­nen über Kon­ten zen­tral zu­sam­men­ge­führt wer­den.“

Die Kehrt­wen­de des VÖB ist für die Bran­che pein­lich. Denn bis­her hat­te bei­spiels­wei­se der Bun­des­ver­band Deut­scher Ban­ken die For­de­rung nach ei­nem Zen­tral­re­gis­ter mit dem Hin­weis ab­ge­wehrt, Er­ben müss­ten so­wie­so nicht bei je­dem Geld­haus nach Geld fragen. Es wür- de rei­chen, bei die­sem selbst, beim Deut­schen Spar­kas­sen und Gi­ro­ver­band (DGSV), beim Ver­band der Volks- und Raiff­ei­sen­ban­ken (BVR) oder beim VÖB an­zu­fra­gen. Die­se vier Ver­bän­de wür­den dann bun­des­weit nach In­fos su­chen und so al­le Geld­häu­ser ab­de­cken.

Bei Nach­fra­ge stellt sich her­aus, dass der DGSV bei An­fra­gen in der Re­gel doch nicht über­all sucht, son­dern nur im Bun­des­land des To­ten und viel­leicht dem an­gren­zen­den Land. „Das ist lü­cken­haft“, sagt Ex­per­te Schulz. „Wenn Oma ein Kon­to aus Stu­di­en­zei­ten ganz wo­an­ders hat­te, bleibt das un­be­kannt.“

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