Wir­bel um SEK-Ein­satz in Rhe­ydt

Die Po­li­zei hat am Mitt­woch­abend die Woh­nung ei­nes 51-Jäh­ri­gen an der Bö­di­ker­stra­ße durch­sucht. Die ge­fun­de­nen Schuss­waf­fen wa­ren al­ler­dings le­gal in sei­nem Be­sitz. Den Ver­dacht, den „Reichs­bür­gern“na­he­zu­ste­hen, strei­tet er ab.

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA - VON JAN SCH­NETT­LER

Mitt­woch­abend, 18.50 Uhr, die Bö­di­ker­stra­ße in Rhe­ydt. Ein Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­do der Po­li­zei durch­sucht ei­ne Woh­nung nach Schuss­waf­fen, nimmt ei­nen 51-Jäh­ri­gen und sei­ne 53-jäh­ri­ge Frau vor­über­ge­hend fest. Zeu­gen hat­ten zu­vor ge­mel­det, der Mann sei mit ei­ner Ma­schi­nen­pis­to­le auf der Stra­ße ge­se­hen wor­den. „Die po­li­zei­li­chen Er­mitt­lun­gen zur Per­son be­grün­de­ten den Ver­dacht, dass der Mann dem Spek­trum der ,Reichs­bür­ger’ zu­ge­ord­net wer­den kann“, sagt Po­li­zei­spre­cher Wolf­gang Rö­th­gens. In Zei­ten wie die­sen – im Ok­to­ber hat­te ein „Reichs­bür­ger“in Fran­ken ei­nen Po­li­zis­ten er­schos­sen, da­nach gab es im­mer wie­der Waf­fen­fun­de bei Sym­pa­thi­san­ten – kam auf­grund der mög­li­chen Ge­fah­ren­la­ge das SEK zum Ein­satz. Der 51-Jäh­ri­ge

Bei der Durch­su­chung wur­den dann auch meh­re­re Schuss­waf­fen ge­fun­den. Je­doch, so die Po­li­zei, wa­ren die­se nicht er­laub­nis­pflich­tig. Von „täu­schend ech­ten Sturm­ge­weh­ren und Ma­schi­nen­pis­to­len“ist die Re­de, die aber mit Luft- oder Gas­druck funk­tio­nie­ren. Zu­dem ha­be der 51-Jäh­ri­ge ei­nen Klei­nen Waf­fen­schein. Zu­vor po­li­zei­lich in Er­schei­nung ge­tre­ten sei er auch noch nie, so Rö­th­gens. Le­dig­lich ein tat­säch­lich ver­bo­te­ner Ge­gen­stand wur­de in der Woh­nung ge­fun­den, näm­lich ein Wurf­s­tern. Hier­zu lau­fen die Er­mitt­lun­gen we­gen Ver­sto­ßes ge­gen das Waf­fen­ge­setz wei­ter.

Im Ge­spräch mit der Rhei­ni­schen Post stellt der 51-Jäh­ri­ge sei­ne Sicht der Din­ge dar. Er sam­me­le schlicht­weg Schuss­waf­fen, als Hob­by – und völ­lig le­gal. „Am Mitt­woch bin ich, mit Luft­ge­weh­ren und oh­ne Mu­ni­ti­on, zu ei­nem Kol­le­gen ge­fah­ren, um mir ei­ne Wand­hal­te­rung zu bau­en“, sagt der Mann. Für al­le bis auf ei­ne sei­ner fünf Waf­fen ha­be er ei­nen Kof­fer, die letz­te ha­be er mit ei­nem Hand­tuch ver­hüllt. Das al­ler­dings sei beim Trans­port vom Au­to zur Woh­nung her­un­ter­ge­rutscht, wo­bei ihn die Zeu­gen be­ob­ach­tet ha­ben müss­ten. Für den Ein­satz der Po­li­zei zeigt der Mann prin­zi­pi­ell Ver­ständ­nis: „Ich wür­de auch wol­len, dass er­mit­telt wird, wenn Zeu­gen so et­was se­hen.“Den Wurf­s­tern ha­be er im Üb­ri­gen ein­mal zum Ge­burts­tag ge­schenkt be­kom­men, er ha­be in ei­ner Schub­la­de ge­le­gen.

Kein Ver­ständ­nis ha­be er da­für, dem „Reichs­bür­ger“-Um­feld zu­ge­ord­net zu wer­den. Das sei „ruf­schä­di­gend“. Als Reichs­bür­ger wer­den Men­schen – die Span­ne reicht von Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern bis hin zu Rechts­ex­tre­men – be­zeich­net, die be­haup­ten, das Deut­sche Reich be­ste­he fort, je­doch nicht in Form der Bun­des­re­pu­blik, die sie oft­mals als ei­ne „Fir­ma“oder „Gm­bH“ab­tun. Er zah­le sei­ne Steu­ern, lei­te ei­ne Fir­ma mit meh­re­ren An­ge­stell­ten und ha­be sich nichts zu­schul­den kom­men las­sen, sagt der Mann: „Ich kom­me mei­nen Pflich­ten nach – Reichs­bür­ger tun das nicht.“

War­um er dann aber ei­nen Auf­kle­ber mit der Auf­schrift „Ich bin ein Bür­ger des Deut­schen Rei­ches und kein An­ge­stell­ter der BRD“auf dem Au­to hat, was die Po­li­zei auf die Reichs­bür­ger-Spur brach­te, wel­che spä­ter in ei­ne „sich ver­dich­ten­de Er­kennt­nis­la­ge“mün­de­te? Und war­um er ihr ei­nen Staats­an­ge­hö­rig- keits­aus­weis (sie­he Info) vor­leg­te, aber kei­nen Per­so­nal­aus­weis? Letz­te­rer sei ab­ge­lau­fen, ei­nen Rei­se­pass ha­be er aber sehr wohl. „Ich be­sit­ze in Form des Staats­an­ge­hö­rig­keits­aus­wei­ses ei­ne nach­ge­wie­se­ne deut­sche Staats­bür­ger­schaft, aus­ge­stellt durch die Bun­des­re­pu­blik“, sagt der Mann – und dis­tan­ziert sich da­mit von den oft selbst­ge­bas­tel­ten Fan­ta­sie-Iden­ti­täts­pa­pie­ren, mit de­nen vie­le Reichs­bür­ger auf­tre­ten.

Be­an­tragt ha­be er das Do­ku­ment bei der Aus­län­der­be­hör­de. Man müs­se da­für Ge­burts­ur­kun­den und wei­te­re Nach­wei­se zu den Vor­fah­ren vor­le­gen, er ha­be dies ent­spre­chend bis in die Zeit des Kai­ser­reichs zu­rück­da­tie­ren las­sen. Ja, da­mit sei er qua­si Bür­ger des Deut­schen Rei­ches – ver­brieft durch die Bun­des­re­pu­blik. Ur­sprüng­lich ha­be er den An­trag ge­stellt, um in den USA Rechts­ge­schäf­te tä­ti­gen zu kön­nen, zu der Zeit, „als die gan­ze Dis­kus­si­on mit den Reichs­bür­gern auf­kam“. Den mitt­ler­wei­le ne­ga­tiv be­setz­ten Be­griff der Reichs­bür­ger wol­le er aber den­noch nicht mit sei­nem Na­men ver­bun­den se­hen.

Für die Glad­ba­cher Po­li­zei war es der ers­te Ein­satz, der in ei­nem sol­chen Zu­sam­men­hang stand, sagt Rö­th­gens. Die Stadt sei dies­be­züg­lich kein Schwer­punkt. Zu­min­dest die Stadt­ver­wal­tung macht zu­neh­mend Er­fah­run­gen mit Reichs­bür­gern, et­wa beim Nicht-Ent­rich­ten des Rund­funk­bei­trags. Es sei „an­zu­mer­ken, dass die For­de­run­gen der Rund­funk­an­stal­ten an­schei­nend in ei­nem be­son­ders ho­hen Maß den ,Wi­der­stand’ von Schuld­nern her­vor­ru­fen, die im Um­feld der so ge­nann­ten Reichs­bür­ger oder ei­nem ver­gleich­ba­ren Hin­ter­grund an­zu­sie­deln sind“, hieß es im Ju­ni in ei­nem Ant­wort­schrei­ben der Stadt­kas­se auf ei­ne An­fra­ge der Grü­nen. Die Zahl der Fäl­le, in de­nen die Stadt als Voll­stre­ckungs­be­hör­de für den WDR ein­tre­ten muss­te, stieg seit 2012 sprung­haft an – von 3362 Fäl­len über 3420 (2013) und 3916 (2014) auf 7279 Fäl­le im Jahr 2015.

„Ich wür­de auch wol­len, dass er­mit­telt wird, wenn Zeu­gen so et­was se­hen“

FOTO: STE­PHAN SCHELLHAMMER

Le­dig­lich ein ver­bo­te­ner Ge­gen­stand wur­de in der Woh­nung ge­fun­den, näm­lich ein Wurf­s­tern.

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