Ge­gen­wart, Zu­kunft, Ver­gan­gen­heit

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON JANNIK SORGATZ

Trau­rig saß er auf dem Ra­sen, die Bei­ne weit von sich ge­streckt, und zupf­te noch ein­mal an sei­nen Stut­zen. Es war ei­ne Ver­le­gen­heits­hand­lung, denn Raf­fa­el wuss­te selbst: Das war’s, der Abend ist ge­lau­fen. Die­ser 28. Sep­tem­ber 2016 wird aus vie­ler­lei Grün­den in Er­in­ne­run­gen blei­ben, das wä­re auch der Fall ge­we­sen, wenn ein­fach nur der FC Bar­ce­lo­na im Bo­rus­sia-Park zu Gast ge­we­sen und nach ei­nem un­spek­ta­ku­lä­ren Spiel wie­der ab­ge­reist wä­re.

Doch es war auch Raf­fa­els gro­ßer Abend, und es war ei­ner der letz­ten gro­ßen für Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach im Jahr 2016. Die zwei­te Halb­zeit hat­te ge­ra­de erst be­gon­nen, als der Bra­si­lia­ner so trau­rig auf dem Ra­sen saß. Die ers­te wie­der­um hat­te er so ein­drucks­voll ge­prägt wie kaum ei­ne an­de­re in sei­nen 134 Pflicht­spie­len für Bo­rus­sia. Bei ei­ner Stra­ßen­um­fra­ge in der Glad­ba­cher In­nen­stadt wür­den ver­mut­lich vie­le Raf­fa­els Na­men nen­nen, wenn es um den Tor­schüt­zen zum zwi­schen­zeit­li­chen 1:0 ge­gen Bar­ca geht. Aber der 31-Jäh­ri­ge be­nö­tig­te gar kei­nen Tref­fer, um zu bril­lie­ren.

Wie wich­tig er an je­nem Abend war, zeig­te sich prompt nach sei­ner ver­let­zungs­be­ding­ten Aus­wechs­lung: Die Luft war raus bei Bo­rus­sia, es gab so gut wie kei­ne Ent­las­tungs­an­grif­fe, Bar­ce­lo­na dreh­te noch das Spiel. „Manch­mal steht man am Rand und will ein­fach nur ap­plau­die­ren“, sag­te An­dré Schu­bert, mitt­ler­wei­le Bo­rus­si­as Ex-Trai­ner, ein paar Ta­ge spä­ter. Da hat­te Glad­bach ge­ra­de 0:4 auf Schal­ke ver­lo­ren, rück­bli­ckend gilt die­ses Spiel als Knack­punkt der Hin­run­de. Nicht nur auf Schal­ke fehl­te Raf­fa­el, son­dern im ge­sam­ten Ok­to­ber, in dem Bo­rus­sia kein Li­ga­spiel ge­wann und kein Tor er­ziel­te. Nach sei­ner Rück­kehr fand auch Raf­fa­el nur sel­ten sei­ne Form.

Mo­men­tan ist er mit sei­ner schwan­ge­ren Frau und den bei­den Söh­nen im Ur­laub. Die Gr­in­se-Quo­te auf den Fotos ist hoch. Stolz hat Raf­fa­el eins mit Bra­si­li­ens Le­gen­de Ro­nal­do ge­pos­tet – auch Ro­nal­do soll­te das Sel­fie mit dem „Ma­e­s­tro“zu schät­zen wis­sen.

Die Wahl zum „Spie­ler des Jah­res“bei RP On­li­ne hat Raf­fa­el knapp für sich ent­schie­den. Hin­ter ihm lan­de­te et­was über­ra­schend Ni­co El­ve­di, der be­lohnt wird für ei­ne nicht im­mer kon­stan­te und trotz­dem be­mer­kens­wer­te zwei­te Jah­res­hälf­te. Da­hin­ter lan­den zwei, die gar nicht mehr da sind: Ha­vard Nordtveit und Gra­nit Xha­ka, in­zwi­schen bei­de in London bei West Ham und Ar­senal ak­tiv, wer­den Drit­ter und Vier­ter. So­mit hat das Er­geb­nis Sym­bol­cha­rak­ter: Es ver­bin­det die Wert­schät­zung für den Bes­ten mit Hoff­nung für die Zu­kunft – und ei­nem ge­hö­ri­gen Schuss Nostalgie.

„Manch­mal steht man am Rand und will ein­fach nur ap­plau­die­ren“

Ex-Trai­ner An­dré Schu­bert über Raf­fa­els Qua­li­tät am Ball

FOTO: IMAGO

Raf­fa­el, Bo­rus­si­as äl­tes­ter Stamm­spie­ler, kam auf 21 Pro­zent.

FOTO: IMAGO

19 Pro­zent er­hielt Ni­co El­ve­di, der jüngs­te Stamm­spie­ler.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.