Die bes­te Re­de der Welt

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON SE­BAS­TI­AN DALKOWSKI

(Do­nald Trump tritt ans Red­ner­pult:)

Lie­be Mit­bür­ge­rin­nen Mit­bür­ger, ich ha­be heu­te Mor­gen ge­früh­stückt. Es war ein fan­tas­ti­sches Früh­stück mit Bröt­chen, Rühr­ei und Speck. Ich lie­be Speck. Ich lie­be ihn ein­fach. Es war ame­ri­ka­ni­scher Speck, gu­ter ame­ri­ka­ni­scher Speck. Ihr al­le soll­tet mehr ame­ri­ka­ni­schen Speck es­sen. Er schmeckt. Er ist ge­sund. Glaubt nicht, was in den Zei­tun­gen steht.

Ich früh­stü­cke al­so, und mir ge­gen­über sitzt mei­ne Frau. Nicht mei­ne ers­te Frau, ich lie­be die Frau­en ein­fach. Sie ist die bes­te Frau, al­so jetzt ist sie es. Weil sie den bes­ten Ehe­mann der Welt hat. Der Typ ist fan­tas­tisch. Glaubt mir.

Je­den­falls den­ke ich: Ich ha­be ei­ne Re­de vor­be­rei­tet, aber wol­len die Leu­te, dass ich ei­ne vor­be­rei­te­te Re­de hal­te? Da­mit wir uns nicht falsch ver­ste­hen – es war die bes­te Re­de der Welt, wit­zig, klug, gran- und di­os. Ich hal­te sie hier in der Hand, und jetzt, jetzt zer­rei­ße ich sie. Ich zer­rei­ße sie vor eu­ren Au­gen, und jetzt, jetzt ha­be ich kei­ne Re­de mehr. Das macht mir nichts.

„Trump dreh­te bei An­tritts­re­de völ­lig durch“, das wer­den die­se un­ehr­li­chen Leu­te von der Pres­se mor­gen si­cher schrei­ben. Bis zu­letzt ha­ben sie ge­hofft, dass Do­nald Trump nicht der nächs­te Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten wird. Sie ha­ben ver­sucht, es zu ver­hin­dern. Und jetzt ha­ben sie ein­fach nur noch Angst. Un­ser Land, un­ser groß­ar­ti­ges Land, die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka, es ist auf Frei­heit ge­baut. Die Frei­heits­sta­tue, was für ei­ne tol­le Sta­tue. Ich lie­be sie. Aber sie heißt eben nicht Pres­se­frei­heits­sta­tue. Das steht so­gar in die­sen Bü­chern. Bü­cher sind gut, man kann sie sich ins Re­gal stel­len. Das sieht fan­tas­tisch aus. Aber man muss sie ja nicht gleich al­le le­sen. Es ist wich­tig, was du im Kopf hast. Nicht, was du liest. Ich ha­be ei­nen her­vor­ra­gen­den Kopf.

Leu­te, lasst mich kurz durch­ge­hen, was ich für die nächs­ten acht Jah­re ge­plant ha­be. Wo­bei ich mich fra­ge – so­gar Hit­ler ha­ben sie zwölf Jah­re ge­ge­ben. War­um be­kom­me ich nur acht? Das ist ein su­per Spruch für Twit­ter. Mo­ment mal.

Ich lie­be euch ein­fach, Leu­te. Ich lie­be euch. Was für ein groß­ar­ti­ger Tag. Ich kann mich nicht er­in­nern, schon mal ei­nen so groß­ar­ti­gen Ja­nu­ar­tag er­lebt zu ha­ben. Und ich ha­be vie­le Ja­nu­ar­ta­ge er­lebt, ei­ni­ge wa­ren wirk­lich gran­di­os. Aber der hier schlägt al­le.

Wuss­tet ihr ei­gent­lich, dass Wind­rä­der Vö­gel tö­ten? Ja, sie tö­ten Vö­gel. Wenn du in Ka­li­for­ni­en ei­nen Ad­ler er­schießt, kommst du da­für fünf Jah­re ins Ge­fäng­nis. Aber wenn der Ad­ler durch ein Wind­rad ge­tö­tet wird, be­kommt der Wind­rad­be­trei­ber Scha­den­er­satz, weil das Wind­rad schmut­zig ge­wor­den ist. Das wird es mit mir nicht mehr ge­ben. Ich wer­de al­le Wind­rä­der ab­schaf­fen. Wind­rä­der tö­ten Vö­gel. Wind­rä­der sind bö­se. Lasst uns lie­ber Er­de auf­boh­ren. Er­de ist tot. Un­ter der Er­de lebt nie­mand. Auf den Fried­hö­fen sind al­le tot.

Ich wer­de auch den Is­lam ab­schaf­fen in den USA. Ein­fach weg da­mit. Im Koran steht so viel Bull­s­hit. Buch­re­li­gio­nen sind mir su­spekt. Je­sus ist am Kreuz ge­stor­ben, aber Mo­ham­med? Mo­ham­med hat ein Buch ge­schrie­ben, ei­nes der schlech­tes­ten, das ich je in ei­nem Re­gal ste­hen sah. Mo­ham­med ist so­wie­so ei­ne Er­fin­dung der Chi­ne­sen. Die­se ver­damm­ten Chi­ne­sen. Sie ha­ben Chop Su­ey er­fun­den, und sie ha­ben Mo­ham­med er­fun­den und den Kli­ma­wan­del, aber sonst ha­ben sie uns bloß be­klaut. Selbst die Schalt­plä­ne fürs Feu­er ha­ben sie ge­klaut. Oh­ne uns wür­den die Chi- nesen noch im­mer ro­he Hun­de es­sen. Sind Chi­ne­sen hier? Ich lie­be euch! Es sind groß­ar­ti­ge Leu­te. Aber sie klau­en. Ich lie­be auch Mos­lems, nur nicht die, die in un­ser Land wol­len. Seht, was in New York pas­siert ist, Lon­don, Pa­ris, Niz­za, Brüs­sel, Ber­lin – Mos­lems sind toll, aber so­bald sie in ein frem­des Land kom­men, spren­gen sie sich in die Luft.

Wo wir ge­ra­de beim The­ma sind: Ich wer­de end­lich für Frie­den im Na­hen Os­ten sor­gen. Den kann es nur ge­ben, wenn Is­ra­el ganz Pa­läs­ti­na be­sie­delt hat. Es gibt schon ge­nug mus­li­mi­sche Staa­ten, sol­len die Pa­läs­ti­nen­ser halt nach Ägyp­ten oder Jor­da­ni­en oder Deutsch­land Do­nald Trump ge­hen.

Ist das nicht ein un­glaub­li­ches Mi­kro­fon, in das ich ge­ra­de spre­che? Es ist ein ame­ri­ka­ni­sches Mi­kro­fon. Ein groß­ar­ti­ges ame­ri­ka­ni­sches Mi­kro­fon. Sie woll­ten mir wie­der so ein ja­pa­ni­sches ge­ben wie al­len an­de­ren US-Prä­si­den­ten. Selbst Lin­coln hat in so ein Jap­sen-Mi­kro­fon ge­spro­chen. Ich ha­be ge­sagt: Leu­te, seid ihr wahn­sin­nig? Ich spre­che doch nicht in ein ja­pa­ni­sches Mi­kro­fon. Schlimm ge­nug, dass es hier über­haupt ja­pa­ni­sche Mi­kro­fo­ne zu kau­fen gibt. Das wird auf­hö­ren. Ich will die­se ja­pa­ni­schen Mi­kro­fo­ne nicht im Land ha­ben. Und zu blöd zum Feu­er ma­chen sind sie auch. Ro­her Fisch – es ist ein­fach ekel­haft. Ekel­haft.

Ihr wollt Jobs, Leu­te, ich weiß. Ich wer­de euch Jobs ge­ben, die euch Wa­shing­ton und ei­ne Ar­mee an Ro­bo­tern ab­ge­nom­men ha­ben. Kein ame­ri­ka­ni­sches Un­ter­neh­men wird sei­ne Pro­duk­ti­on mehr ins Aus­land ver­la­gern. Wie das funk­tio­nie­ren soll? Na das wer­de ich euch ver­ra­ten. Bald. Ihr je­den­falls dürft wie­der an die Schip­pe. Ihr dürft wie­der Kör­be flech­ten und Pfer­de be­hu­fen. Wir wer­den al­le un­se­re tol­len Pro­duk­te in die Welt schi­cken und da­für kei­ne Jap­sen-Mi­kro­fo­ne und kei­ne Ikea-Mö­bel und kein gar nichts in un­ser Land las­sen, in die Ver­ein­tes­ten Staa­ten von Ame­ri­ka. Lie­be Welt, wir brau­chen eu­ren Schrott nicht, nur eu­er Geld. Gebt uns al­le eu­er schö­nes Geld, aber lasst uns an­sons­ten zu­frie­den.

Wan­dert doch ein­fach nach Ka­na­da aus und nicht in die USA. Ich wer­de die Mau­er bau­en, die Mau­er zwi­schen Me­xi­ko und uns, aber ich wer­de auch ei­nen Tun­nel bau­en von Me­xi­ko nach Ka­na­da. Sol­len die doch dort die Frau­en schän­den und die Löh­ne in den Kel­ler trei­ben. Me­xi­ko wird da­für zah­len. Und wie die zah­len wer­den. Da­für krie­gen sie aber auch ei­nen sehr gu­ten Tun­nel.

Ich ha­be das Ge­fühl, dass das hier ei­ne echt gu­te Re­de ist. Ei­ne ver­dammt gu­te Re­de. Viel­leicht mei­ne bes­te. Die bes­te al­ler Zei­ten so­wie­so. Ich weiß nicht, wie gut die An­tritts­re­de von Lin­coln war, aber er wur­de spä­ter er­schos­sen, al­so kann sie so gut nicht ge­we­sen sein.

Leu­te, ich lie­be euch ein­fach. Ihr liebt mich, ich lie­be euch. So ein­fach ist das. Wir wer­den ei­ne Men­ge Spaß ha­ben in den nächs­ten Jah­ren, wenn ich die Volks­ver­rä­ter erst mal ins Ge­fäng­nis ge­steckt ha­be. Und es wer­den si­che­re Ge­fäng­nis­se sein, die si­chers­ten Ge­fäng­nis­se, die auf der Welt ge­baut wor­den sind. Da kom­men die nicht mehr raus. Dann fei­ern wir ei­ne gro­ße Par­ty. Ach, das wird toll. Po­li­tik war viel zu lan­ge po­li­tisch kor­rekt. Po­li­tik hat uns viel zu lan­ge am Bo­den ge­hal­ten. Des­halb schaf­fe ich Po­li­tik ein­fach ab.

Habt ihr ei­gent­lich ge­nug zu sau­fen da un­ten? Ich kann euch nicht hö­ren. Habt ihr da un­ten ge­nug zu sau­fen? Ein biss­chen steif seid ihr ja schon.

Wir ma­chen das jetzt je­des Jahr, ha­be ich das schon er­zählt? Je­des Jahr wird eu­er Do­nald hier ei­ne Re­de hal­ten. Aber nicht im Ja­nu­ar, da ist es viel zu kalt. Schön im Ju­li, ihr könnt Eu­re Grills mit­brin­gen. Ich spen­die­re zwei Tü­ten Steaks. Auf ei­ge­ne Kos­ten. Es wer­den gu­te Steaks sein, sehr gu­te Steaks. Nicht die­se chi­ne­si­sche Schei­ße.

So, Leu­te, lasst uns ein­pa­cken. Wir hat­ten al­le ei­nen an­stren­gen­den Vor­mit­tag. Folgt mir ein­fach bei Twit­ter.

Gott seg­ne die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka und ih­ren Prä­si­den­ten. Vor al­lem ih­ren Prä­si­den­ten. Ich lie­be ihn.

„Leu­te, ich lie­be euch ein­fach. Wir wer­den ei­ne Men­ge Spaß ha­ben in den nächs­ten Jah­ren“

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