Die Bür­ger­ver­si­che­rung scha­det den Bür­gern

Lin­ke, SPD und Grü­ne wol­len 2017 die Bür­ger­ver­si­che­rung be­le­ben. Da­bei kön­nen Kas­sen­pa­ti­en­ten froh sein, dass Pri­vat­pa­ti­en­ten so viel zah­len.

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Im Bun­des­tags­wahl­kampf 2017 wer­den uns die Par­tei­en ei­nen Klas­si­ker von 2005 neu auf­le­gen: den Streit um die Kran­ken­ver­si­che­rung. Gleich drei for­dern ei­ne Bür­ger­ver­si­che­rung. Da­nach sol­len künf­tig al­le – auch Selbst­stän­di­ge und Be­am­te – Mit­glied ei­ner Bür­ger­ver­si­che­rung wer­den. Ba­sis der Bei­trags­be­mes­sung sol­len ne­ben Löh­nen auch Ein­nah­men aus Ver­mö­gen, Ver­mie­tung, Ak­ti­en sein.

Es gibt Un­ter­schie­de: Die Link­s­par­tei will, dass die Bür­ger­ver­si­che­rung al­lein bei der Ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) an­ge­sie­delt ist. Die Pri­va­te (PKV) darf nur noch Zu­satz­po­li­cen (Chef­arzt) an­bie­ten. Die Grü­nen wol­len et­was mehr Frei­heit: Zwar müs­sen al­le in die Ein­heits­kas­se, aber GKV wie PKV dür­fen die Po­li­cen an­bie­ten. Die SPD will heu­ti­gen Pri­vat­pa­ti­en­ten die Wahl las­sen, ob sie in der PKV blei­ben oder wech­seln wol­len.

Egal wie: Die Bür­ger­ver­si­che­rung scha­det. Durch die Rück­kehr zur pa­ri­tä­ti­schen Fi­nan­zie­rung, die al­le drei Par­tei­en wol­len, wer­den Lohn­ne­ben­kos­ten stei­gen und Jobs teu­rer. Das ist vor al­lem für Ge­ring­qua­li­fi­zier­te ein Pro­blem. Ei­gent­lich braucht man bei schrump­fen­der Be­völ­ke­rung mehr ka­pi­tal­ge­deck­te und we­ni­ger um­la­ge­fi­nan­zier­te Ele­men­te. Mit der PKV aber gibt man ge­nau den Teil auf, der auf ei­nen Ka­pi­tal­stock setzt.

Kas­sen­pa­ti­en­ten sol­len zu­dem froh sein, dass die PKV Ärz­te und Kli­ni­ken bes­ser be­zahlt. Sol­len Pri­vat­pa­ti­en­ten doch hö­he­re Bei­trä­ge zah­len und da­für im schi­cke­ren Zim­mer lie­gen! Letzt­lich kommt es auf die me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung an – und hier gibt es kaum Un­ter­schie­de. Zu­dem schafft die Bür­ger­ver­si­che­rung die Zwei-Klas­sen-Me­di­zin nicht ab, son­dern för­dert sie: In Staa­ten oh­ne PKV wie En­g­land zah­len Rei­che Ex­tras eben gleich selbst.

Ab­schre­ckend ist auch der Weg zur Bür­ger­ver­si­che­rung: Die Grü­nen wol­len als ers­tes die Be­mes­sungs­gren­ze auf das Ni­veau der Ren­ten­ver­si­che­rung an­he­ben. Das be­deu­tet für Gut­ver­die­ner 314 Eu­ro mehr Bei­trag im Mo­nat.

Die Re­form, die das Ge­sund­heits­we­sen wirk­lich braucht, ist ei­ne, die Ei­gen­ver­ant­wor­tung und Wett­be­werb stärkt. Da­zu trägt die Bür­ger­ver­si­che­rung nichts bei.

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