Die neu­en Par­ty­spie­le

Ge­mein­sam zu spie­len ist wie­der an­ge­sagt – nicht nur an Sil­ves­ter. Be­son­ders ge­fragt sind da­bei ein­fa­che, lus­ti­ge Ge­sell­schafts­spie­le. So ha­ben „Kl­ar­text“, „Pie Face“und „Mis­ter Pups“ei­nen vor­de­ren Platz in der Best­sel­ler­lis­te er­obert.

Rheinische Post Moenchengladbach - - GESELLSCHAFT - VON LES­LIE BROOK

DÜS­SEL­DORF Schau­spie­ler sind dar­auf trai­niert, deut­lich und ak­zen­tu­iert zu spre­chen. Doch bei dem neu­en Spiel „Kl­ar­text“(Has­bro) fällt das selbst deut­schen Stars wie Matthias Schweig­hö­fer schwer. Der 35-Jäh­ri­ge be­kam das Ge­sell­schafts­spiel of­fen­bar zu Weih­nach­ten ge­schenkt. Mit ei­nem Mund­stück aus Plas­tik – Maul­sper­re wä­re tref­fen­der – müs­sen Sät­ze wie „Wür­mer win­den sich im Wal­zer­takt“mög­lichst ver­ständ­lich wie­der­ge­ge­ben wer­den. Da­bei hat das gan­ze Zahn­arzt-Charme.

In ei­nem Vi­deo zeigt Schweig­hö­fer, wie er mit der Mund­span­ne aus­sieht. So­gar die Ba­cken­zäh­ne sind er­kenn­bar, die Wan­gen wer­den wie ein Ther­a­band aus­ein­an­der­ge­zo­gen. So wür­de er ei­ne Rol­le in je­der Zom­bie-Se­rie er­gat­tern.

Par­ty­spie­le wie „Kl­ar­text“lie­gen im Trend. Laut ei­ner ak­tu­el­len Aus­wer­tung von Ama­zon ge­hör­te es bei den Weih­nachts­ge­schen­ken zu den Best­sel­lern und wird si­cher­lich auch am Sil­ves­ter­abend wie­der in vie­len Freun­des­krei­sen und Fa­mi­li­en ge­spielt. Die Kon­zep­te sind meist denk­bar ein­fach. So spie­len bei „Pie Face“ein nas­ser Schwamm und bei „Mis­ter Pups“Furz­ge­räu­sche die zen­tra­le Rol­le. Neu ist das al­les nicht un­be­dingt. So er­in­nert der Spiel­auf­bau von „Kl­ar­text“an Jür­gen von der Lip­pes Kor­ken­spiel oder das Kar­tof­fel­spiel in „Zim­mer frei“. Letzt­lich geht es dar­um, sich über die un­deut­li­che Aus­spra­che und das be­scheu­er­te Aus­se­hen zu amü­sie­ren. Lach­an­fall qua­si ga­ran­tiert.

Par­ty­spie­le sind wie­der ge­fragt, be­stä­tigt auch Toys“R“Us in Köln. „In 2016 konn­ten wir er­freu­li­cher­wei­se se­hen, dass die Nach­fra­ge im Be­reich Ge­sell­schafts­spie­le so­gar noch ein­mal an­ge­stie­gen ist“, heißt es von Toys“R“Us in Köln. Es ge­he wie­der dar­um, „ge­mein­sam zu spie­len“. Be­son­ders gut hat sich nach An­ga­ben der bei­den Händ­ler auch „Co­de­na­mes“ver­kauft – und da­bei geht es aus­nahms­wei­se nicht dar­um, sich zum Dep­pen zu ma­chen.

In­ner­halb we­ni­ger Wo­chen wur­de „Kl­ar­text“Kult. Kein Wun­der, die Re­geln sind sim­pel, der Spaß groß: Mit ei­ner Klam­mer im Mund als künst­li­che Be­hin­de­rung müs­sen den Mit­spie­lern Sät­ze vor­ge­spro­chen und von die­sen er­ra­ten wer­den. Das Spiel ist für vier bis fünf Spie­ler ab 16 Jah­ren. Für mehr Spie­ler rei­chen die fünf mit­ge­lie­fer­ten Mund­stü­cke nicht. Spie­ler mit gro­ßem Mund sind klar im Vor­teil – sie sind oft sehr leicht zu ver­ste­hen. Bei klei­ne­ren Mün­dern kann es hin­ge­gen aus Er­fah­rung bei 200 Kar­ten auch zu wun­den Stel­len im Mund kom­men – was man im Spiel vor lau­ter Spaß al­ler­dings meis­tens nicht merkt. Wer mit klei­nen Kin­dern

spielt, merkt schnell: Die kom­men aus dem Ki­chern gar nicht mehr her­aus. Selbst, wenn sich ein Furz­ge­räusch nur an­deu­tet, prus­ten sie vor La­chen. Da­für wird das Ge­rät mit­tig zwi­schen die Spie­ler ge­legt, und je­der er­hält drei Kar­ten, aus de­nen er wäh­len kann, wel­che er ab­legt. Wer ge­ra­de kei­ne Aus­set­zen- oder Rich­tungs­wech­sel­kar­te hat, muss ei­ne Zah­len­kar­te le­gen – und so oft auf die Ma­schi­ne drü­cken, wie es die Zahl dar­auf be­sagt. Er­tönt ein Pups, ist der Spie­ler raus. Die an­de­ren zie­hen im­mer wie­der neue Kar­ten, und ge­won­nen hat der, der am En­de üb­rig bleibt.

Es gilt bei „Pie Face“zu ver­mei­den, den nas­sen Schwamm ins Ge­sicht ge­klatscht zu be­kom­men. Doch wen es trifft, ist rei­nes Glücks­spiel. Man muss den Kopf mu­tig durch ei­nen Rah­men ste­cken und die Grif­fe dre­hen, die je­den Mo­ment die Wurf­hand mit dem nas­sen Schwamm aus­lö­sen kön­nen. Wie oft die Grif­fe be­wegt wer­den müs­sen, gibt ei­ne Dreh­schei­be vor. In der Du­ell-Va­ri­an­te lie­fern sich zwei Spie­ler ei­nen Wett­kampf dar­um, bei wem die Hand zu­erst aus­löst.

Mög­lichst vie­le Wör­ter mit ei­nem Be­griff zu um­schrei­ben – dar­um geht es bei „Co­de­na­mes“. Zwei Ge­heim­dienst­chefs wol­len ih­ren Mit­glie­dern mit­tei­len, wel­che Agen­ten zur ei­ge­nen Or­ga­ni­sa­ti­on ge­hö­ren. Da die Kon­kur­renz zu­hört, su­chen sie ab­wech­selnd As­so­zia­tio­nen, um die Co­de­na­men der Spio­ne zu um­schrei­ben. Das Spiel für zwei bis acht Sprach­jon­gleu­re, das nur et­wa 15 Mi­nu­ten pro Run­de dau­ert, ge­wann den Kri­ti­ker­preis „Spiel des Jah­res 2016“.

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