Wir trot­zen den Idio­ten und sa­gen: Dan­ke!

Heu­te dür­fen Sie ent­schei­den, was sie in die­ser Kolumne le­sen. Wol­len Sie die Wahr­heit wis­sen, le­sen Sie das gan­ze Mensch Glad­bach. Wol­len Sie Ih­re Hal­tung als Dau­er-Nörg­ler be­stä­tigt wis­sen, le­sen Sie nur die ers­te Hälf­te. Wol­len Sie gut ge­stimmt ins neu

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES -

Im­mer, wenn ich mich über Mön­chen­glad­bach und Mön­chen­glad­ba­cher är­ge­re wie frü­her ein HB-Männ­chen, holt mich ein gu­ter Freund her­un­ter. Du musst be­den­ken, sagt er dann ganz wei­se, dass Mön­chen­glad­bach ei­ne Groß­stadt ist. Da sei man­ches an­ders. Du darfst dann zum Bei­spiel nicht er­war­ten, dass die Bür­ger sams­tags den Stra­ßen­be­sen aus dem Kel­ler ho­len und den Rinn­stein fe­gen, er­klärt er mir. Das sei viel­leicht noch in Menn­rath, Her­rath oder Bett­rath so. Aber in den Ci­ty­be­rei­chen von Alt-Glad­bach und Rhe­ydt, da wüss­ten vie­le Bür­ger gar nicht mehr, was ei­nen Nor­mal­be­sen von ei­nem spe­zi­el­len Stra­ßen­mo­dell un­ter­schei­de. Und Dreck und Ab­fall – den la­ge­re man ein­fach an ei­nem Con­tai­nerStand­ort ab. Müll fal­le ja eh ir­gend­wie doch vom Him­mel. Sagt er.

Die­ser Ein­druck drängt sich mir auch im­mer auf, wenn ich über die Hin­den­burg­stra­ße ge­he. Da sind zwar die frü­he­ren GEM-Leu­te, die jetzt Mags-Leu­te hei­ßen, mit Be­sen und Rie­sen­sau­gern un­ter­wegs und sam­meln al­les auf, was acht­los weg­ge­wor­fen wird. In ei­ner Hin­sicht sind sie hilf­los: Die zig­tau­sen­de Kau­gum­mif­le­cken, die so qua­si je­de Geh­weg­plat­te ver­schan­deln, krie­gen sie da­mit nicht weg. Da­für brau­chen sie Spe­zi­al­ge­rät, das sie nicht ha­ben. Und weil die Kau­gum­mif­le­cken-Pro­du­zen­ten sich gar nicht da­mit an­freun­den konn­ten, dass der neue Son­nen­haus­platz fle­cken­frei ist, ha­ben sie ihn mitt­ler­wei­le voll mit­ein­ge­zo­gen. Sym­me­trie ist halt die Kunst des klei­nen Man­nes.

Ist es jetzt spie­ßig oder klein­bür­ger­lich, wenn sich ein Nicht-Groß­städ­ter fragt: Was ver­an­lasst Men­schen, ihr Kau­gum­mi auf die Stra­ße zu spu­cken, da­mit es sich da fest­tritt? Und wenn wir ge­ra­de da­bei sind: Es ist eben­so rät­sel­haft, was die Idio­ten an­treibt, die den Kar­ne­va­lis­ten ih­re Wa­gen zer­stö­ren. Da ar­bei­ten Men­schen mo­na­te­lang in ih­rer Frei­zeit und nur für die Eh­re an ih­ren Fahr­zeu­gen, um dann vor den zer­stör­ten Wa­gen zu ste­hen. Ein Na­cken­schlag. Und nicht nur ei­ner.

Zum Glück las­sen sich we­der sie noch vie­le an­de­re Mön­chen­glad­ba­cher von sol­chen Hi­obs­bot­schaf­ten un­ter­krie­gen: Sie ge­ben nicht auf, sie pa­cken an, sie ent­wi­ckeln so­gar vie­le neue Ide­en. Die­se Be­reit­schaft, sich für ein Ge­mein­we­sen ein­zu­set- zen, ist ein­drucks­voll. Und das wird ho­no­riert. Wer sich so­zi­al und kul­tu­rell en­ga­giert und Ei­gen­leis­tung er­bringt, kann er­heb­li­che Zu­schüs­se von der Stadt be­kom­men. Stadt­spit­ze und Po­li­tik ha­ben er­kannt: Das för­dert die Ver­bun­den­heit zum Ge­mein­we­sen Stadt. Und ist au­ßer­dem ei­ne tol­le Geld­ver­meh­rungs­ma­schi­ne. Des­halb am letz­ten Tag des Jah­res da­für auch von die­ser Stel­le ein herz­li­ches Dan­ke­schön.

Und weil wir jetzt so gut drauf sind und die Um­welt­sün­der und das HBMänn­chen längst ver­drängt ha­ben: Dan­ke auch an die IHK. Die Ana­ly­se, die Haupt­ge­schäfts­füh­rer Jür­gen Stein­metz für 2016 und mit Aus­blick auf 2017 vor­legt, strotzt nur so von gu­ten Nach­rich­ten: Un­ter­neh­mer und Ein­zel­händ­ler sind mit der Ge­schäfts­la­ge zu­frie­den. Die Nach­fra­ge ist gut. Die Ar­beits­lo­sen­quo­te ist in die­sem Jahr um 10 Pro­zent zu­rück­ge­gan­gen und liegt bei 9,5 Pro­zent. Bes­ser als in Kre­feld. Da­mit Dau­er­pes­si­mis­ten und Nörg­ler uns jetzt kei­ne PR für Stadt und Po­li­tik vor­wer­fen: Ja, es gibt Ri­si­ken. Die Steu­ern sind zum Bei­spiel zu hoch. Dar­auf weist die IHK auch hin. Aber wol­len wir das heu­te le­sen? Nee!

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