Nach 125 Jah­ren bleibt der Ofen aus

Die Fa­mi­lie von Pe­ter Dre­ßen blickt auf drei Ge­ne­ra­tio­nen Bä­cker- und Kon­di­tor­hand­werk in Waldhausen zu­rück. Doch im Tra­di­ti­ons­la­den ge­hen heu­te die letz­ten Back­wa­ren über den Tre­sen. Das Ge­schäft war zu­letzt sehr rück­läu­fig.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON JU­LIA ZUEW

Ein sü­ßer Duft liegt in der Luft. In Pe­ter Dre­ßens Back­stu­be wer­den Brot­lai­be knusp­rig und die Man­deln auf dem Bie­nen­stich gold­braun – seit 125 Jah­ren. Aber nicht mehr lan­ge: Die Ble­che blei­ben ab mor­gen leer, die Bröt­chen­tü­ten auch.

„Be­vor es in die ro­ten Zah­len geht, hö­re ich lie­ber auf“, sagt der 68-jäh­ri­ge Glad­ba­cher. In drit­ter Ge­ne­ra­ti­on ver­sorgt Dre­ßen be­reits die Wald­hau­se­ner mit Ge­ba­cke­nem – ganz gleich, ob herz­haft oder süß. „Frü­her war der La­den am Mor­gen rap­pel­voll: Die Schul­kin­der ka­men und kauf­ten Stul­len, Sü­ßes, ein­fach al­les.“Und man­che sei­ner Stamm­kun­den ken­nen den Kon­di­tor­meis­ter seit sei­ner Kind­heit. „Ich brin­ge man­chen Kun­den im­mer noch Sa­chen nach Hau­se.“

Der Ab­stieg ha­be da­mit be­gon­nen, dass für ei­ne Bau­stel­le auf der Ro­er­mon­der Stra­ße die Bus­hal­te­stel­le ver­legt wur­de. „Die Kin­der ka­men nicht mehr, der La­den blieb leer.“Dre­ßen öff­ne­te ab dann nur noch von Don­ners­tag bis Sonn­tag. Doch die Zah­len wur­den nicht bes­ser, ganz im Ge­gen­teil: Mitt­ler­wei­le be­treibt er sei­nen La­den nur noch sams­tags und sonn­tags.

Bald sol­len Ka­nal­bau­ar­bei­ten auf der Ro­er­mon­der Stra­ße be­gin­nen. Für Dre­ßen ist dies nach dem ste­ti­gen Rück­gang des Ge­schäfts in den ver­gan­ge­nen Jah­ren der aus­schlag­ge­ben­de Grund, die letz­ten Bröt­chen zu ba­cken: „Dann kommt ja gar kei­ner mehr, wenn die gan­ze Stra­ße auf­ge­ris­sen ist.“

Er ver­die­ne mit dem Ge­schäft nicht mehr groß­ar­tig, sagt Dre­ßen, son­dern kön­ne ge­ra­de ein­mal die Kos­ten tra­gen. „Ich ha­be noch ei­nen Ge­hil­fen in der Back­stu­be, er ist 79 Jah­re alt und hilft mir in der Nacht von Frei­tag auf Samstag.“Mehr An­ge­stell­te oder Lehr­lin­ge kön­ne er nicht be­zah­len. Der Be­darf sei aber auch nicht da, nach bei­dem nicht: Die Ar­beit las­se sich zu zweit lo­cker er­le­di­gen, und Azu­bis sei­en in sei­nem Hand­werk rar ge­wor­den, sagt der Bä­cker­ge­sel­le und Kon­di­tor­meis­ter.

1891 grün­de­te Pe­ter Dre­ßens Groß­va­ter die Bä­cke­rei, da­mals noch auf der an­de­ren Stra­ßen­sei­te. 1911 zog der Be­trieb in das neu er­bau­te Haus an der Ro­er­mon­der Stra­ße 86. Das Bä­cker­hand­werk lern­te Dre­ßen bei sei­nem Va­ter, den Meis­ter­brief mach­te er in Köln je­doch als Kon­di­tor.

Nach 43 Jah­ren in der Back­stu­be schwin­ge beim Ab­schied Trau­er mit, dies gibt er zu. Aber: „Mei­ne Frau und ich ha­ben zwei En­kel­kin­der. Wir pas­sen im­mer auf sie auf, es gibt ge­nug zu tun.“Im Ur­laub – der

„Be­vor es in die ro­ten Zah­len geht, hö­re ich lie­ber auf“

Pe­ter Dre­ßen Kon­di­tor­meis­ter und Bä­cker in drit­ter Ge­ne­ra­ti­on in den knapp vier Jahr­zehn­ten nicht im­mer üp­pig aus­fiel – zieht es ihn oft nach Süd­ti­rol. Zum Wan­dern in die Ber­ge. Auf zwei Rä­dern die El­be ent­lang, vie­le Tou­ren nach Süd­frank­reich, zwei Rei­sen nach Ame­ri­ka: Sei­ne Frei­zeit ha­be er schon im­mer ger­ne auf Rei­sen und in der Fer­ne ver­bracht. „Ir­gend­wann reicht es ja auch – an­de­re hö­ren mit 60 auf zu ar­bei­ten.“

Über ei­nen Nach­fol­ger für den Fa­mi­li­en­be­trieb ha­be er frü­her nach­ge­dacht. Es sei aber nur bei Über­le­gun­gen ge­blie­ben. Sei­ne Toch­ter ist Ar­chi­tek­tin, mit dem Aus­bil­den von Nach­wuchs­kon­di­to­ren hat er „schon lan­ge auf­ge­hört, ich hat­te kei­ne Lust mehr, mich da­mit rum­zu­schla­gen“.

Be­vor die Tü­ren nach dem heu­ti­gen Ver­kaufs­tag auf Dau­er schlie­ßen, backt er Bro­te und Ku­chen, be­füllt Pra­li­nen, ar­bei­tet noch letz­te Be­stel­lun­gen ab. Dre­ßen: „Be­son­ders den lang­jäh­ri­gen Kun­den fällt der Ab­schied sehr schwer.“

FO­TO: JU­LIA ZUEW

Nach 43 Jah­ren in der Back­stu­be schwingt für Pe­ter Dre­ßen beim Ab­schied durch­aus Trau­er mit.

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