„Wir wa­ren auf ei­ner Wel­le“

Am 14. Au­gust 2016 wer­den die Ten­nis-Her­ren des GHTC erst­mals Deut­scher Meis­ter. Ihr Te­am­chef er­in­nert sich an ein mär­chen­haf­tes Jahr.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - IN­TER­VIEW: THOMAS GRULKE

Herr Schmidt, wenn Sie heu­te mit dem Ab­stand von ein paar Mo­na­ten an die Deut­sche Meis­ter­schaft Ih­rer Ten­nis-Her­ren den­ken, wel­ches Bild ha­ben Sie als Ers­tes im Kopf? SCHMIDT Den Mo­ment, in dem wir al­le ge­mein­sam auf dem Cent­re Court ge­tanzt ha­ben. Denn bis zum Schluss ha­ben wir al­le, Spie­ler wie Ver­ant­wort­li­che, gar nicht rich­tig glau­ben kön­nen, dass wir die Chan­ce ha­ben, Deut­scher Meis­ter zu wer­den. Das er­schien so weit weg. Und dann lie­gen wir plötz­lich ge­gen Aa­chen 4:0 vor­ne und ha­ben den Ti­tel. An die­sem Tag hat wirk­lich al­les funk­tio­niert. Wir wa­ren auf ei­ner Wel­le und ha­ben sie bis zum letz­ten Ball­wech­sel mit­ge­nom­men. Sie ha­ben die Meis­ter­schaft ein Mär­chen ge­nannt. Wie fühlt sich der Ti­tel mit ein we­nig Ab­stand an? SCHMIDT Es ist im­mer noch ein Mär­chen, hat aber für uns auch et­was von ei­ner Fa­bel. Na­tür­lich wuss­ten wir vor der Sai­son, dass wir zu den sechs Mann­schaf­ten zäh­len, die ei­ne rea­lis­ti­sche Chan­ce auf den Ti­tel ha­ben. Doch zum Kan­di­da­ten­kreis zu zäh­len, ist das ei­ne. Letzt­lich Meis­ter zu wer­den, war aber für uns im­mer noch ein Traum. Ich ha­be bei­spiels­wei­se in der Wo­che da­nach noch mehr­mals auf die In­ter­net­sei­te der Bun­des­li­ga ge­schaut, ob wir tat­säch­lich Ers­ter sind. Mitt­ler­wei­le ge­nie­ßen wir den Ti­tel­ge­winn to­tal – auch, weil wir mit­be­kom­men ha­ben, wie po­si­tiv die Re­so­nanz nach un­se­ren Heim­spie­len war. Dar­auf wol­len wir auf­bau­en, um dau­er­haft in der Spit­zen­grup­pe der Li­ga und um den Ti­tel mit­zu­spie­len. Das Meis­ter­jahr be­gann für den GHTC mit der Ver­pflich­tung der deut­schen Num­mer eins, Phil­ipp Kohl­schrei­ber, schon mär­chen­haft... SCHMIDT ...und das war si­cher­lich der Aus­lö­ser, dass wir von ei­ner Mit­tel­feld­mann­schaft zu ei­nem Ti­tel­kan­di­da­ten ge­wor­den sind. Glad­bach war zu­vor ja über­re­gio­nal kei­ne gro­ße Haus­num­mer. Doch als sich mit Phil­ipp die deut­sche Num­mer eins für uns ent­schied, war auch den Kon­kur­ren­ten klar, dass wir ei­ne ganz gu­te Mann­schaft bei­sam­men ha­ben muss­ten. Wel­che Schlüs­sel­mo­men­te gab es auf dem Weg zum Ti­tel­ge­winn? SCHMIDT Un­ser 4:2-Sieg in Mann­heim am zwei­ten Spiel­tag war mit Si­cher­heit der rich­tungs­wei­sen­de Mei­len­stein. Zwei Top­fa­vo­ri­ten, die auch noch in Best­be­set­zung an­tre­ten konn­ten – das war ein Bun­des­li­ga­spiel al­ler­ers­ter Gü­te. Und als wir dann tat­säch­lich als Sie­ger vom Platz gin­gen und zwei Ta­ge spä­ter nach ei­nem et­was leich­te­ren Heim­spiel mit 6:0-Punk­ten da­stan­den, sag­ten al­le, dass wir Deut­scher Meis­ter wer­den kön­nen. Wir ha­ben dann wei­ter ge­won­nen und beim 5:1 in Köln auch mal das nö­ti­ge Glück ge­habt. Aber kein Spie­ler hat des­we­gen Druck ver­spürt. Je­der ging mit dem Ge­fühl auf den Platz, dass ein­fach et­was Gu­tes da­bei her­aus­kommt. Was ha­ben dann die bei­den bit­te­ren 1:5-Nie­der­la­gen bin­nen drei Ta­gen in Hal­le und Düs­sel­dorf be­wirkt? SCHMIDT Nach je­nem Wo­che­n­en­de wa­ren wir schon nie­der­ge­schla­gen. In Hal­le ha­ben wir ein­fach ei­nen schlech­ten Tag er­wischt und ver­dient ver­lo­ren. In Düs­sel­dorf hat­ten wir al­ler­dings die ge­sam­te Zeit das Ge­fühl, die bes­se­re Mann­schaft zu sein, und wuss­ten hin­ter­her nicht, war­um wir ver­lo­ren ha­ben. Das war schon de­pri­mie­rend. Doch dann ha­ben wir Kre­feld 6:0 ge­schla­gen, und schon war die to­ta­le Eu­pho­rie wie­der da. Wir wa­ren Ta­bel­len­zwei­ter und hat­ten den Spit­zen­rei­ter am letz­ten Spiel­tag zum Fi­na­le zu Gast. Was gibt es Schö­ne­res? Wie ha­ben Ih­re Spie­ler am Tag der Ent­schei­dung auf Sie ge­wirkt? SCHMIDT Wir sind to­tal ent­spannt in die­ses Wo­che­n­en­de ge­gan­gen und wa­ren am Vor­tag noch ge­mein­sam bei Bo­rus­si­as Sai­son­er­öff­nung. Doch ge­gen Aa­chen wa­ren die Spie­ler auch wie elek­tri­siert. Sie ha­ben ge­merkt, dass Chef­trai­ner Patri­ce Hop­fe und ich al­les da­für tun, dass es viel­leicht tat­säch­lich klappt. Und so sind al­le Jungs auf den Platz ge­gan­gen, um ihr Bes­tes zu ge­ben, und ha­ben sich für die Mann­schaft zer­ris­sen. In drei von vier Ein­zeln ha­ben wir letzt­lich auch den fa­vo­ri­sier­ten Aa­che­ner Spie­ler ge­schla­gen. Die­ser Te­am­geist war ent­schei­dend für die Meis­ter­schaft. Wer­den die Zu­schau­er vie­le der Meis­ter­spie­ler 2017 wie­der­se­hen? SCHMIDT Un­ser Ka­der ver­än­dert sich nur we­nig, zwölf von 16 Ka­der­mit­glie­dern ha­ben be­reits für die kom­men­de Sai­son un­ter­schrie­ben, dar­un­ter auch Phil­ipp Kohl­schrei­ber. Es gibt kei­nen ein­zi­gen Spie­ler, der den Ver­ein wech­seln will. Wenn der Meis­ter­ti­tel 2016 schon ein Mär­chen war, was wä­re dann die Ti­tel­ver­tei­di­gung 2017? SCHMIDT Der ers­te Ti­tel ist nor­ma­ler­wei­se im­mer der Schöns­te, zu­mal er für uns im Grun­de aus den Wol­ken ge­fal­len ist. Für Patri­ce Hop­fe und mich ist auch et­was an­de­res ent­schei­den­der: Wir wol­len beim GHTC tol­le Heim­spiel­ta­ge prä­sen­tie­ren. So­wohl die Spie­ler als auch al­le Zu­schau­er, die zu uns kom­men, sol­len bei uns ei­ne schö­ne Zeit ha­ben. Und na­tür­lich wol­len wir oben mit­spie­len. Wir sind bis­lang stu­fen­wei­se im­mer bes­ser ge­wor­den. Und wir ha­ben nicht das Ge­fühl, dass wir schon am En­de an­ge­langt sind.

FO­TO: GHTC

Ab­ge­ho­ben: Te­am­chef Hen­rik Schmidt wird nach dem Ge­winn des Deut­schen Meis­ter­ti­tels von Trai­nern und Spie­lern des GHTC in die Luft ge­wor­fen.

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